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Georg Simmel:Soziologie - Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung

Georg Simmel: Soziologie
Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung

Duncker & Humblot, Berlin 1908 (1. Auflage) 

Erstes Kapitel.

 

Das Problem der Soziologie

 

( ->1) Wenn es richtig ist, dass das menschliche Erkennen sich aus praktischen Notwendigkeiten entwickelt hat, weil das Wissen des Wahren eine Waffe im Kampf ums Dasein ist, sowohl gegenüber dem außermenschlichen Sein wie in der Konkurrenz der Menschen untereinander—so ist es doch an diese Herkunft längst nicht mehr gebunden, und ist aus einem bloßen Mittel für die Zwecke des Handelns selbst zu einem endgültigen Zwecke geworden.

Dennoch hat das Erkennen, sogar in der selbstherrlichen Form der Wissenschaft, die Beziehungen zu den Interessen der Praxis nicht überall abgebrochen, wenn sie auch jetzt nicht als bloße Erfolge der letzteren auftreten, sondern als Wechselwirkungen zweier, zu selbständigen Rechten bestehenden Reiche.

Denn das wissenschaftliche Erkennen bietet sich nicht nur, in der Technik, der Verwirklichung äußerer Willensziele dar, sondern auch, von der andern Seite her, setzt sich an die praktischen Zuständlichkeiten, innere wie äußere das Bedürfnis theoretischer Einsicht an; manchmal tauchen neue Richtungen des Denkens auf) mit deren rein abstraktem Charakter dennoch nur die Interessen eines neuen Fühlens und Wollens sich in die Fragestellungen und Formen der Intellektualität hineinstrecken.

So sind die Ansprüche, die die Wissenschaft der Soziologie zu erheben pflegt, die theoretische Fortsetzung und Abspiegelung der praktischen Macht, die im neunzehnten Jahrhundert die Massen gegenüber den Interessen des Individuums erlangt haben.

Daß aber das Bedeutungsgefühl und die Aufmerksamkeit, die die unteren Stände den höheren abzwangen, gerade von dem Begriff der »Gesellschaft« getragen ist, liegt daran, daß vermöge der sozialen Distanz die ersteren den letzteren nicht nach ihren Individuen, sondern nur als einheitliche Masse erscheinen und daß eben diese Distanz beide in keiner andern prinzipiellen Hinsicht verbunden sein läßt, als daß sie zusammen »eine Gesellschaft« bilden.

Indem die Klassen, deren Wirksamkeit nicht in der wahrnehmbaren Bedeutung der Einzelnen, sondern in ihrem »Gesellschaft« ‑Sein liegt, das theoretische Bewußtsein—in Konsequenz der praktischen Machtverhältnisse—auf sich zogen, nahm das Denken auf einmal wahr, daß überhaupt jede individuelle Erscheinung durch eine Unermeßlichkeit von Einflüssen aus ihrem menschlichen Umgebungskreise bestimmt ist.

Und dieser Gedanke gewann sozusagen rückwirkende Kraft: neben der gegenwärtigen erschien die vergangene Gesellschaft als die Substanz, die die einzelne Existenz bildete, wie das  ( ->2) Meer die Wellen; hier schien der Boden gewonnen, aus dessen Kräften allein die besonderen Formen, zu denen er die Individuen bildete, erklärbar wurden.

Diese Denkrichtung unterstützte der moderne Relativismus, die Neigung, das Einzelne und Substanzielle in Wechselwirkungen aufzulösen; das Individuum war nur der Ort, an dem sich soziale Fäden verknüpfen, die Persönlichkeit nur die besondere Art, auf die dies geschieht.

Da man sich zum Bewußtsein brachte, daß alles menschliche Tun innerhalb der Gesellschaft verläuft und keines sich ihrem Einfluß entziehen kann, so mußte alles, was nicht Wissenschaft von der äußeren Natur war, Wissenschaft von der Gesellschaft sein.

Sie erschien als das allumfassende Gebiet, in dem sich Ethik wie Kulturgeschichte, Nationalökonomie wie Religionswissenschaft, Ästhetik wie Demographie, Politik wie Ethnologie zusammenfanden, da die Gegenstände dieser Wissenschaften sich in dem Rahmen der Gesellschaft realisierten: die Wissenschaft vom Menschen sei Wissenschaft von der Gesellschaft.

Zu dieser Vorstellung der Soziologie als Wissenschaft von allem Menschlichen überhaupt trug bei, daß sie eine neue Wissenschaft war und infolgedessen alle möglichen, sonst nicht recht unterzubringenden Probleme sich an sie herandrängten—wie ein neuerschlossenes Gebiet immer zuerst das Dorado von heimatlosen und entwurzelten Existenzen wird: die zuerst unvermeidliche Unbestimmtheit und Unverteidigtheit der Grenzen gewährt jedem das Recht, dort unterzukommen. Näher angesehen indes, erzeugt dieses Zusammenwerfen aller bisherigen Wissensgebiete kein neues.

Es bedeutet nur, daß alle historischen, psychologischen, normativen Wissenschaften in einen großen Topf geschüttet werden und diesem das Etikett: Soziologie—aufgeheftet wird.

Damit wäre also nur ein neuer Name gewonnen, während alles, was er bezeichnet, in seinem Inhalt und seinen Verhältnissen schon feststeht oder innerhalb der bisherigen Forschungsprovinzen produziert wird.

Die Tatsache, daß das menschliche Denken und Handeln in der Gesellschaft und durch sie bestimmt vorgeht, macht die Soziologie so wenig zu der allumfassenden Wissenschaft von demselben, wie man Chemie, Botanik und Astronomie zu Inhalten der Psychologie machen kann, weil ihre Gegenstände doch schließlich nur im menschlichen Bewußtsein wirklich werden und den Voraussetzungen desselben unterliegen.

 

Jenem Irrtum liegt eine zwar mißverstandene, aber an sich sehr bedeutsame Tatsache zum Grunde.

Die Einsicht: der Mensch sei in seinem ganzen Wesen und allen Äusserungen dadurch bestimmt, daß er in Wechselwirkung mit andern Menschen lebt—muß allerdings zu einer neuen Betrachtungsweise in allen sogenannten Geisteswissenschaften führen.

Es ist jetzt nicht mehr möglich, die historischen Tatsachen im weitesten Sinne des Wortes, die Inhalte der Kultur, die Arten der Wirtschaft, die Normen der Sittlichkeit aus dem Einzelmenschen, seinem Verstande und seinen Interessen her  ( ->3) aus zu erklären und, wo dies nicht gelingt, sogleich zu metaphysischen oder magischen Ursachen zu greifen.

Man steht z. B. bezüglich der Sprache nicht mehr vor der Alternative, daß sie entweder von genialen Individuen erfunden oder von Gott den Menschen gegeben ist; in die Religionsgebilde braucht sich nicht mehr die Erfindung schlauer Priester und die unmittelbare Offenbarung zu teilen usw.

Vielmehr glauben wir jetzt die historischen Erscheinungen aus dem Wechselwirken und dem Zusammenwirken der Einzelnen zu verstehen, aus der Summierung und Sublimierung unzähliger Einzelbeiträge, aus der Verkörperung der sozialen Energien in Gebilden, die jenseits des Individuums stehen und sich entwickeln.

Die Soziologie also, in ihrer Beziehung zu den bestehenden Wissenschaften, ist eine neue Methode, ein Hilfsmittel der Forschung, um den Erscheinungen aller jener Gebiete auf einem neuen Wege beizukommen.

Damit verhält sie sich aber nicht wesentlich anders, als seinerzeit die Induktion, die als neues Forschungsprinzip in alle möglichen Wissenschaften eindrang, sich in jeder gleichsam akklimatisierte und ihr innerhalb der feststehenden Aufgaben zu neuen Lösungen verhalf.

So wenig aber daraufhin Induktion eine besondere Wissenschaft oder gar eine allbefassende ist, so wenig ist es, auf dieselben Momente hin, die Soziologie.

Soweit sie sich darauf stützt, daß der Mensch als Gesellschaftswesen verstanden werden muss und daß die Gesellschaft der Träger alles historischen Geschehens ist, enthält sie kein

Ob jetzt, das nicht schon in einer der bestehenden Wissenschaften behandelt würde, sondern nur einen neuen Weg für alle diese, eine Methode der Wissenschaft, die gerade wegen ihrer Anwendbarkeit auf die Gesamtheit der Probleme nicht eine eigne Wissenschaft für sich ist.

 

Welches aber kann das eigne und neue Objekt sein, dessen Erforschung die Soziologie zu einer selbständigen und grenzbestimmten Wissenschaft macht?

Es liegt auf der Hand, dass zu dieser Legitimation ihrer als einer neuen Wissenschaft nicht die Entdeckung eines, seiner Existenz nach bisher unbekannten Gegenstandes gehört.

Alles, was wir als Gegenstand schlechthin bezeichnen, ist ein Komplex von Bestimmungen und Beziehungen, deren jede, an einer Vielheit von Gegenständen aufgezeigt, zum Objekt einer besonderen Wissenschaft werden kann.

Jede Wissenschaft beruht auf einer Abstraktion, indem sie die Ganzheit irgendwelchen Dinges, die wir als einheitliche durch keine Wissenschaft erfassen können, nach je einer ihrer Seiten, von dem Gesichtspunkt je eines Begriffes aus, betrachtet.

Der Totalität des Dinges und der Dinge gegenüber erwächst jede Wissenschaft durch arbeitsteilige Zerlegung jener in einzelne Qualitäten und Funktionen, nachdem ein Begriff aufgefunden ist, der diese letzteren herauszulösen und in all ihrem Vorkommen an den realen Dingen nach methodischen Zusammenhängen zu erfassen gestattet.

So haben zu. B. die linguistischen   Tatsachen, die man jetzt als das Material der vergleichenden Sprachwissenschaft zusammenfaßt, schon lange an wissenschaftlich behandelten Erscheinungen existiert; jene Sonderwissenschaft aber entstand mit der Entdeckung des Begriffes, unter dem dieselben, (-> 4) bisher an verschiedenen Sprachkomplexen auseinanderliegend, einheitlich zusammengehören und von speziellen Gesetzen geregelt werden.

So könnte auch die Soziologie als besondere Wissenschaft ihr besonderes Objekt darin finden, daß sie nur eine neue Linie durch Tatsachen legt, die als solche durchaus bekannt sind; nur daß ihnen gegenüber eben der Begriff bisher nicht wirksam geworden wäre, der die auf jene Linie gehörige Seite dieser Tatsachen als eine ihnen allen gemeinsame und eine methodisch-wissenschaftliche Einheit bildende kenntlich macht.

Den höchst komplizierten, unter einen wissenschaftlichen Gesichtspunkt überhaupt nicht zusammengehenden Tatsachen der geschichtlichen Gesellschaft gegenüber erzeugen die Begriffe der Politik, der Wirtschaft, der Kultur usw. derartige Erkenntnisreihen, sei es, indem sie gewisse Teile jener Tatsachen, unter Ausscheidung oder nur akzidentellem Mitwirken der andern, zu einmaligen historischen Verläufen verknüpfen, sei es, daß sie die Gruppierungen von Elementen kenntlich machen, die unabhängig von dem einzelnen Hier und Jetzt einen zeitlos notwendigen Zusammenhang enthalten.

Soll es nun eine Soziologie als besondere Wissenschaft geben, so muß demnach der Begriff der Gesellschaft als solcher, jenseits der äußeren Zusammenfassung jener Erscheinungen, die gesellschaftlich-geschichtlichen Gegebenheiten einer neuen Abstraktion und Zusammenordnung unterwerfen, derart, daß gewisse, bisher nur in anderen und mannigfaltigen Verbindungen beachtete Bestimmungen derselben als zusammengehörig und deshalb als Objekte einer Wissenschaft erkannt werden.

 

Dieser Gesichtspunkt nun ergibt sich vermittels einer Analyse des Gesellschaftsbegriffes, die man als Unterscheidung zwischen Form und Inhalt der Gesellschaft bezeichnen kann — unter Betonung davon, daß dies hier eigentlich nur ein Gleichnis ist, um den Gegensatz der zu scheidenden Elemente annähernd zu benennen; dieser Gegensatz wird in seinem einzigartigen Sinn unmittelbar erfasst werden müssen, ohne durch die sonstige Bedeutung dieser vorläufigen Namen präjudiziert zu werden. Ich gehe dabei von der weitesten, den Streit um Definition möglichst vermeidenden Vorstellung der Gesellschaft aus: daß sie da existiert, wo mehrere Individuen in Wechselwirkung treten.

Diese Wechselwirkung entsteht immer aus bestimmten Trieben heraus oder um bestimmter Zwecke willen.

Erotische, religiöse oder bloß gesellige Triebe, Zwecke der Verteidigung wie des Angriffs, des Spieles wie des Erwerbes, der Hilfeleistung wie der Belehrung und unzählige andere bewirken es, daß der Mensch in ein Zusammensein, ein Füreinander-, Miteinander-, Gegeneinander-Handeln, in eine Korrelation der Zustände mit andern tritt, d. h. Wirkungen auf sie ausübt und Wirkungen von ihnen empfängt.

Diese Wechselwirkungen bedeuten, daß aus den individuellen Trägern jener veranlassenden Triebe und Zwecke eine Einheit, eben eine »Gesellschaft« wird.

Denn Einheit im empirischen Sinn ist nichts anderes als Wechselwirkung von Elementen: ein organischer Körper ist eine Einheit, weil seine Organe in engerem Wechseltausch ihrer Energien stehen, als mit irgendeinem äußeren Sein, ein Staat ist einer, weil unter seinen Bürgern das ent- (-> 5) sprechende Verhältnis gegenseitiger Einwirkungen besteht, ja, die Welt konnten wir nicht eine nennen, wenn nicht jeder ihrer Teile irgendwie jeden beeinflußte, wenn irgendwo die, wie immer vermittelte, Gegenseitigkeit der Einwirkungen abgeschnitten wäre.

Jene Einheit oder Vergesellschaftung kann, je nach der Art und Enge der Wechselwirkung, sehr verschiedene Grade haben—von der ephemeren Vereinigung zu einem Spaziergang bis zur Familie' von allen Verhältnissen »auf Kündigung« bis zu der Zusammengehörigkeit zu einem Staat, von dem flüchtigen Zusammen einer Hotelgesellschaft bis zu der innigen Verbundenheit einer mittelalterlichen Gilde.

Ich bezeichne nun alles das was in den Individuen, den unmittelbar konkreten Orten aller historischen Wirklichkeit als Trieb, Interesse, Zweck, Neigung, psychische Zuständlichkeit und Bewegung derart vorhanden ist, daß daraus oder daran die Wirkung auf andre und das Empfangen ihrer Wirkungen entsteht— dieses bezeichne ich als den Inhalt, gleichsam die Materie der Vergesellschaftung

An und für sich sind diese Stoffe, mit denen das Leben sich füllt, diese Motivierungen, die es treiben, noch nicht sozialen Wesens.

Weder Hunger noch Liebe, weder Arbeit noch Religiosität, weder die Technik noch die Funktionen und Resultate der Intelligenz bedeuten, wie sie unmittelbar und ihrem reinen Sinne nach gegeben sind, schon Vergesellschaftung; vielmehr, sie bilden diese erst, indem sie das isolierte Nebeneinander der Individuen zu bestimmten Formen des Miteinander und Füreinander gestalten, die unter den allgemeinen Begriff der Wechselwirkung gehören.

Die Vergesellschaftung ist also die, in unzähligen verschiedenen Arten sich verwirklichende Form, in der die Individuen auf Grund jener —sinnlichen oder idealen, momentanen oder dauernden, bewußten oder unbewußten, kausal treibenden oder teleologisch ziehenden— Interessen zu einer Einheit zusammenwachsen und innerhalb deren diese Interessen sich verwirklichen.

 

In jeder vorliegenden sozialen Erscheinung bilden Inhalt und gesellschaftliche Form eine einheitliche Realität, eine soziale Form kann so wenig eine von jedem Inhalt geloste Existenz gewinnen, wie eine räumliche Form ohne eine Materie bestehen kann, deren Form sie ist.

Dies vielmehr sind die in der Wirklichkeit untrennbaren Elemente jedes sozialen Seins und Geschehens: ein Interesse, Zweck, Motiv und eine Form oder Art der Wechselwirkung unter den Individuen, durch die oder in deren Gestalt jener Inhalt gesellschaftliche Wirklichkeit erlangt.

 

Was nun die >Gesellschaft<, in jedem bisher  gültigen Sinne des Wortes, eben zur Gesellschaft macht, das sind ersichtlich die so angedeuteten Arten der Wechselwirkung.

Irgendeine Anzahl von Menschen wird nicht dadurch zur Gesellschaft, daß in jedem für sich irgendein sachlich bestimmter oder ihn individuell bewegender Lebensinhalt besteht; sondern erst, wenn die Lebendigkeit dieser Inhalte die Form der gegenseitigen Beeinflussung gewinnt, wenn eine Wirkung von einem auf das andere —unmittelbar oder durch ein Drittes vermittelt — stattfindet, ist aus dem bloß räumlichen Nebeneinander oder auch zeitlichen Nacheinander der Menschen (-> 6) eine Gesellschaft geworden.

Soll es also eine Wissenschaft geben, deren Gegenstand die Gesellschaft und nichts andres ist, so kann sie nur diese Wechselwirkungen, diese Arten und Formen der Vergesellschaftung untersuchen wollen.

Denn alles andre, was sich sonst noch innerhalb der »Gesellschaft« findet, durch sie und in ihrem Rahmen realisiert wird, ist nicht Gesellschaft selbst, sondern nur ein Inhalt, der sich diese Form oder den sich diese Form der Koexistenz anbindet und der freilich erst mit ihr zusammen das reale Gebilde, das »Gesellschaft« im weiteren und üblichen Sinne heißt, zustande bringt.

Daß dieses beides, in der Wirklichkeit untrennbar Vereinte, in der wissenschaftlichen Abstraktion getrennt werde, daß die Formen der Wechselwirkung oder Vergesellschaftung, in gedanklicher Ablösung von den Inhalten, die durch sie erst zu gesellschaftlichen werden, zusammengefasst und einem einheitlichen wissenschaftlichen Gesichtspunkt methodisch unterstellt werden— dies scheint mir die einzige und die ganze Möglichkeit einer speziellen Wissenschaft von der Gesellschaft als solcher zu begründen.

Mit ihr erst wären die Tatsachen, die wir als die gesellschaftlich historische Realität bezeichnen, wirklich auf die Ebene des bloß Gesellschaftlichen projiziert.

 

Nun mögen derartige Abstraktionen, die allein aus der Komplexität oder auch der Einheit der Wirklichkeit Wissenschaft zustande bringen, noch so sehr aus den inneren Bedürfnissen des Erkennens heraus gefordert sein: irgendeine Legitimation für sie muß doch in der Struktur der Objektivität selbst liegen; denn nur in irgendeiner funktionellen Beziehung zur Tatsächlichkeit kann der Schutz gegen unfruchtbare Fragestellungen, gegen einen Zufallscharakter der wissenschaftlichen Begriffsbildung liegen.

So irrig ein naiver Naturalismus das Gegebene schon die analytischen oder synthetischen Anordnungen, durch die es zum Inhalt einer Wissenschaft wird, enthalten läßt, so sind doch die Bestimmungen, die es tatsächlich besitzt, jenen Anordnungen mehr oder weniger fügsam—wie etwa ein Porträt die natürliche menschliche Erscheinung grundsätzlich umgestaltet, und dennoch die eine für dieses ihr ganz wurzelfremde Gebilde eine größere Chance besitzt als die andere; woran dann das bessere oder schlechtere Recht jener wissenschaftlichen Probleme und Methoden meßbar ist.

So wird nun das Recht, die historisch‑gesellschaftlichen Erscheinungen der Analyse nach Formen und Inhalten zu unterwerfen und die ersteren zu einer Synthese zu bringen, auf zwei Bedingungen ruhen, die nur von den Tatsachen aus verifiziert werden können.

Es muß sich einerseits finden, daß die gleiche Form der Vergesellschaftung an ganz verschiedenem Inhalt, für ganz verschiedene Zwecke auftritt, und umgekehrt, dass das gleiche inhaltliche Interesse sich in ganz verschiedene Formen der Vergesellschaftung als seine Träger oder Verwirklichungsarten kleidet — wie sich die gleichen geometrischen Formen an den verschiedensten Materien finden und die gleiche Materie sich   den verschiedensten Raumformen darstellt, oder wie das Entsprechende zwischen den logischen Formen und den materialen Erkenntnisinhalten statt hat.  (->7)

Beides ist aber als Tatsache unleugbar.

An gesellschaftlichen Gruppen, welche ihren Zwecken und ihrer ganzen Bedeutung nach die denkbar verschiedensten sind, finden wir dennoch die gleichen formalen Verhaltungsweisen der Individuen zueinander. über und Unterordnung, Konkurrenz, Nachahmung, Arbeitsteilung, Parteibildung, Vertretung, Gleichzeitigkeit des Zusammenschlusses nach innen und des Abschlusses nach außen und unzähliges Ähnliches findet sich an einer staatlichen Gesellschaft wie an einer Religionsgemeinde, an einer Verschwörerbande wie an einer Wirtschaftsgenossenschaft, an einer Kunstschule wie an einer Familie.

So mannigfaltig auch die Interessen sind, aus denen es überhaupt zu diesen Vergesellschaftungen kommt — die Formen, in denen sie sich vollziehen, können dennoch die gleichen sein.

Und nun andrerseits: das inhaltlich gleiche Interesse kann sich in sehr verschiedenartig geformten Vergesellschaftungen darstellen, zum Beispiel das wirtschaftliche Interesse realisiert sich ebenso durch Konkurrenz wie durch planmäßige Organisation der Produzenten, bald durch Abschluß gegen andre Wirtschaftsgruppen, bald durch Anschluß an sie; die religiösen Lebensinhalte fordern, inhaltlich die identischen bleibend, einmal eine freiheitliche, ein andermal eine zentralistische Gemeinschaftsform, die Interessen, die den Beziehungen der Geschlechter zum Grunde liegen, befriedigen sich in der kaum übersehbaren Mannigfaltigkeit der Familienformen; das pädagogische Interesse führt bald zu einer liberalen, bald zu einer despotischen Verhältnisform des Lehrers zu den Schülern, bald zu individualistischen Wechselwirkungen zwischen dem Lehrer und dem einzelnen Schüler, bald zu mehr kollektivistischen zwischen jenem und der Gesamtheit der Schüler.

Wie also die Form die identische sein kann, in der die divergentesten Inhalte sich vollziehen, so kann der Stoff beharren, während das Miteinander der Individuen, das ihn trägt, sich in einer Mannigfaltigkeit von Formen bewegt; wodurch denn die Tatsachen, obgleich in ihrer Gegebenheit Stoff und Form eine unlösbare Einheit des sozialen Lebens ausmachen, eben jene Legitimation des soziologischen Problems leisten, das die Feststellung, systematische Ordnung, psychologische Begründung und historische Entwicklung der reinen Formen der Vergesellschaftung fordert.

 

Dieses Problem ist dem Verfahren, nach dem die bisherigen einzelnen Sozialwissenschaften kreiert worden sind, direkt entgegengesetzt.

Denn die Arbeitsteilung unter diesen wurde durchaus von der Verschiedenheit der Inhalte bestimmt. Nationalökonomie wie die Systematik der kirchlichen Organisationen, Geschichte des Schulwesens wie der Sitten, Politik wie die Theorien des sexuellen Lebens usw. haben das Gebiet der sozialen Erscheinungen unter sich aufgeteilt, so daß eine Soziologie, die die Totalität dieser Erscheinungen, mit ihrer Ineinsbildung von Form und Inhalt, umfassen wollte, sich als nichts anderes ergeben konnte, denn als eine Zusammenfassung jener Wissenschaften.

Solange die Linien, die wir durch die historische Wirklichkeit ziehen, um sie in gesonderte Forschungsgebiete zu zerlegen, nur diejenigen Punkte verbinden,  (>- 8) die gleiche Interesseninhalte aufzeigen — solange gewährt diese Wirklichkeit einer besonderen Soziologie keinen Platz; es bedarf vielmehr einer Linie, die, alle bisher gezogenen durchquerend, die reine Tatsache der Vergesellschaftung, ihren mannigfaltigen Gestaltungen nach, von ihrer Verbindung mit den divergentesten Inhalten löst und als ein Sondergebiet konstituiert.

Sie wird dadurch eine Spezialwissenschaft in demselben Sinn, —bei allen selbstverständlichen Unterschieden der Methode und der Resultate—in dem Erkenntnistheorie eine solche geworden ist, indem sie die Kategorien oder Funktionen des Erkennens als solchen aus der Vielheit der Erkenntnisse einzelner Dinge abstrahiert hat.

Sie gehört zu dem Typus von Wissenschaften, deren spezialistischer Charakter nicht darin liegt, daß ihr Gegenstand mit andern zusammen unter einen höheren Gesamtbegriff gehörte (wie klassische Philologie und Germanistik, oder Optik und Akustik), sondern darin, daß sie ein Gesamtgebiet von Gegenständen unter einen besonderen Gesichtspunkt rückt. Nicht ihr Objekt, sondern ihre Betrachtungsweise, die besondre, von ihr vollzogene Abstraktion differenziert sie von den übrigen historisch‑ sozialen Wissenschaften.

 

Der Begriff der Gesellschaft deckt zwei, für die wissenschaftliche Behandlung streng auseinander zu haltende Bedeutungen.

Sie ist einmal der Komplex vergesellschafteter Individuen, das gesellschaftlich geformte Menschenmaterial, wie es die ganze historische Wirklichkeit ausmacht.

Dann aber ist »Gesellschaft« auch die Summe jener Beziehungsformen, vermöge deren aus den Individuen eben die Gesellschaft im ersten Sinne wird.

So bezeichnet man als »Kugel« einmal eine bestimmt geformte Materie, dann aber auch, im mathematischen Sinne, die bloße Gestalt oder Form, vermöge welcher aus bloßer Materie die Kugel im ersten Sinne wird.

Wenn man von Gesellschaftswissenschaften jener ersteren Bedeutung nach spricht, so ist ihr Objekt alles, was in und mit der Gesellschaft vorgeht;

Gesellschaftswissenschaft im zweiten Sinne hat die Kräfte, Beziehungen und Formen zum Gegenstand, durch die die Menschen sich vergesellschaften, die also, in selbständiger Darstellung, die »Gesellschaft« sensu strictissimo ausmachen—was selbstverständlich durch den Umstand nicht alteriert wird, daß der Inhalt der Vergesellschaftung, die speziellen Modifikationen ihres materiellen Zweckes und Interesses oft oder immer über ihre spezielle Formung entscheiden.

Ganz irrig wäre hier der Einwand, daß alle diese Formen: Hierarchien und Korporationen, Konkurrenzen und Eheformen, Freundschaften und gesellige Sitten, Ein‑ und Vielherrschaften—doch nur konstellative Ereignisse in schon bestehenden Gesellschaften seien: wäre nicht schon eine Gesellschaft vorhanden' so fehlte die Voraussetzung und die Gelegenheit, solche Formen aufkommen zu lassen.

Diese Vorstellung entsteht daraufhin, daß in jeder uns bekannten Gesellschaft eine große Anzahl derartiger Verbindungs‑, d. h. Vergesellschaftungsformen wirksam sind.

Wenn also selbst eine einzelne fortfiele, so würde noch immer »Gesellschaft« übrig bleiben, so daß es von jeder einzelnen allerdings scheinen kann, sie käme zu einer schon fertigen Gesellschaft hinzu (-> 9) oder entstünde innerhalb einer solchen.

Wenn man sich aber alle diese einzelnen wegdenkt, so bleibt keine Gesellschaft mehr übrig.

Erst indem derartige Wechselbeziehungen, durch gewisse Motive und Interessen hervorgerufen, wirksam werden, entsteht Gesellschaft; so sehr also freilich die Geschichte und die Gesetze der so erwachsenden Gesamtgebilde Sache der Gesellschaftswissenschaft im weiteren Sinne ist, so bleibt, da diese schon in die einzelnen sozialen Wissenschaften auseinander gegangen ist, für eine Soziologie im engeren Sinne, in dem, der eine besondere Aufgabe stellt nur noch die Betrachtung der abstrahierten Formen übrig, die nicht sowohl die Vergesellschaftung bewirken, als vielmehr die Vergesellschaftung sind; Gesellschaft in dem Sinne, den die Soziologie verwenden kann, ist dann entweder der abstrakte Allgemeinbegriff für diese Formen, die Gattung, deren Arten sie sind, oder die jeweilig wirksame Summe derselben.

Es folgt weiterhin aus diesem Begriff, daß eine gegebene Anzahl von Individuen in größerem oder geringerem Grade Gesellschaft sein kann: mit jedem neuen Aufwachsen synthetischer Gestaltungen, jeder Bildung von Parteigruppen, jeder Vereinigung zu gemeinsamem Werk oder in gemeinsamem Fühlen und Denken, jeder entschiederen Verteilung von Dienen und Herrschen, jeder gemeinsamen Mahlzeit, jedem Sich Schmücken für die andern wird eben dieselbe Gruppe mehr »Gesellschaft«, als sie es vorher war.

Es gibt niemals schlechthin Gesellschaft, derart, daß unter ihrer Voraussetzung sich nun jene einzelnen Verbindungsphänomene bildeten; denn es gibt keine Wechselwirkung schlechthin, sondern besondere Arten derselben, mit deren Auftreten eben Gesellschaft da ist und die weder die Ursache noch die Folge dieser, sondern schon unmittelbar sie selbst sind.

Nur die unabsehbare Fülle und Verschiedenheit, mit der sie in jedem Augenblick wirksam sind, hat dem Allgemeinbegriff Gesellschaft eine scheinbar selbständige historische Realität verschafft.

Vielleicht liegt in dieser Hypostasierung einer bloßen Abstraktion die Ursache für die eigentümliche Verblasenheit und Unsicherheit, die diesem Begriff und den bisherigen Verhandlungen der allgemeinen Soziologie anhaftete — wie man mit dem Begriff des Lebens nicht recht vorwärts kam, solange die Wissenschaft ihn als ein einheitliches Phänomen von unmittelbarer Realität ansah.

Erst als die einzelnen Prozesse innerhalb der Organismen, deren Summe oder Verwebung das Leben ist, untersucht wurden, erst als erkannt wurde, daß das Leben nur in diesen besonderen Vorgängen an und zwischen den Organen und Zellen besteht, gewann die Wissenschaft vom Leben ihren festen Boden.

 

Es dürfte erst auf diese Weise erfaßt werden, was an der Gesellschaft wirklich »Gesellschaft» ist, wie erst die Geometrie bestimmt, was an den räumlichen Dingen wirklich ihre Räumlichkeit ist. Soziologie,   als Lehre von dem Gesellschaft‑Sein der Menschheit, die auch in unzähligen andern Hinsichten noch Wissenschaftsobjekt sein kann, verhält sich also zu den übrigen Spezialwissenschaften, wie sich zu den physikalisch‑chemischen Wissenschaften von der Materie die Geometrie verhält: sie betrachtet die Form, durch die Materie (-> 10) überhaupt zu empirischen Körpern wird—die Form, welche freilich für sich allein nur in der Abstraktion existiert, grade wie die Formen der Vergesellschaftung.

Sowohl Geometrie wie Soziologie überlassen die Erforschung der Inhalte, die sich in ihren Formen darstellen, oder der Totalerscheinungen, deren bloße Form sie betrachten, andern Wissenschaften. —

Es bedarf kaum der Erwähnung, daß diese Analogie mit der Geometrie durchaus nicht weiter reicht, als bis zu der hier durch sie versuchten Verdeutlichung des prinzipiellen Problems der Soziologie. Vor allem hat die Geometrie den Vorteil, auf ihrem Gebiet äußerst einfache Gebilde vorzufinden, in welche die komplizierteren Figuren aufgelöst werden können; deshalb ist aus verhältnismäßig wenigen Grundbestimmungen der ganze Umkreis möglicher Gestaltungen zu konstruieren.

Gegenüber den Formen der Vergesellschaftung ist eine auch nur annähernde Auflösung in einfache Elemente für absehbare Zeit nicht zu erhoffen.

Die Folge davon ist, daß die soziologischen Formen, wenn sie einigermaßen bestimmte sein sollen, nur für einen relativ geringen Umkreis von Erscheinungen gelten.

Wenn man also auch z. B. sagt, daß Ueber‑ und Unterordnung eine Formung ist, die sich fast in jeder menschlichen Vergesellschaftung findet, so ist mit dieser allgemeinen Erkenntnis wenig gewonnen.

Es bedarf vielmehr des Eingehens auf die einzelnen Arten der Ueber‑ und Unterordnung' auf die speziellen Formen ihrer Verwirklichung, die nun in dem Masse ihrer Bestimmtheit natürlich an Umfang ihrer Gültigkeit verlieren.

 

Wenn die Alternative, vor die man jetzt jede Wissenschaft zu stellen pflegt: ob sie auf die Auffindung zeitlos gültiger Gesetze oder auf die Darstellung und das Begreiflichmachen einmaliger, historisch‑realer Verläufe geht — jedenfalls doch unzählige Vermittlungserscheinungen innerhalb des tatsächlichen Wissenschaftsbetriebes nicht ausschließt, so wird der   festgestellte Problembegriff von der Notwendigkeit dieser Entscheidung von vornherein nicht berührt.

Dieses aus der Wirklichkeit heraus abstrahierte Objekt läßt sich einerseits auf die Gesetzlichkeiten hin ansehen, die, rein in der sachlichen Struktur der Elemente gelegen, sich gegen ihre zeitlich‑räumliche Verwirklichung gleichgültig verhalten; sie gelten eben, mögen die historischen Wirklichkeiten sie einmal oder tausendmal in Kraft treten lassen.

Andrerseits aber können jene Vergesellschaftungsformen ebenso auf ihr Vorkommen in einem Dort und Dann, auf ihre geschichtliche Entwicklung innerhalb bestimmter Gruppen hin angesehen werden.

Die Feststellung ihrer wäre in dem letzteren Falle sozusagen historischer Selbstzweck, in dem ersteren Induktionsmaterial zur Auffindung zeitloser Gesetzlichkeiten.

Von Konkurrenz z. B. erfahren wir auf den verschiedensten Gebieten, die Politik wie die Volkswirtschaft, die Geschichte der Religionen wie die der Kunst erzählen uns unzählige Fälle derselben.

Aus diesen Tatsachen gilt es nun festzustellen, was denn die Konkurrenz, als reine Form des menschlichen Verhaltens, bedeute, unter welchen Umständen sie entstehe, wie sie sich entwickle, welche Modifikationen sie durch die Sonderart ihres Objektes erfahre, durch welche gleichzeitigen, formalen und materialen Be- (-> 11) stimmungen einer Gesellschaft sie gesteigert oder herabgesetzt wird, wie sich die Konkurrenz der Individuen von der zwischen Gruppen unterscheidet — kurz, was sie als Beziehungsform der Menschen untereinander sei, die alle möglichen Inhalte in sich aufnehmen kann, aber durch die Gleichheit ihrer Erscheinung bei großer Verschiedenheit der letzteren beweist, daß sie einem nach eignen Gesetzen geregelten und abstrahierungsberechtigten Gebiet angehört.

An den komplexen Erscheinungen wird das Gleichmäßige wie mit einem Querschnitt herausgehoben, das Ungleichmäßige an ihnen—hier also die inhaltlichen Interessen—gegenseitig paralysiert.

Entsprechend ist also mit all den großen gesellschaftsformenden Verhältnissen und Wechselwirkungen zu verfahren: mit der Parteibildung, der Nachahmung, der Bildung von Klassen, Kreisen, sekundären Abteilungen, mit der Verkörperung der sozialen Wechselwirkungen in Sondergebilden sachlicher, personaler, ideeller Art, mit dem Aufwachsen und der Rolle der Hierarchien, mit der »Vertretung« von Gesamtheiten durch Einzelne, mit der Bedeutung gemeinsamer Gegnerschaft für den inneren Zusammenhalt der Gruppe; an solche Hauptprobleme schließen sich dann, gleichmäßig die Formbestimmtheit der Gruppen tragend, einerseits speziellere, andrerseits kompliziertere Tatsachen, jene z. B.: die Bedeutung des »Unparteiischen«, die des »Armen« als organischen Gliedes der Gesellschaften, die der numerischen Bestimmtheit der Gruppenelemente, die des prImus inter pares und des tertias gaudens.

Als kompliziertere Vorgänge wären zu nennen: die Kreuzung mannigfaltiger Kreise in einzelnen Persönlichkeiten, die besondere Bedeutung des »Geheimen« in der Bildung von Kreisen, die Modifikation der Gruppencharaktere, je nachdem sie lokal zusammenbefindliche oder durch nicht dazu gehörige Elemente getrennte Individuen umfassen, und unzähliges anderes.

 

Ich lasse dabei, wie schon angedeutet, die Frage dahingestellt, ob eine absolute Gleichheit der Formen bei Verschiedenheit der Inhalte vorkommt.

Die annähernde Gleichheit, die sie unter materiell sehr mannigfaltigen Umständen zeigen—ebenso wie das Umgekehrte—reicht aus, um dies prinzipiell für möglich zu halten; darin, daß es sich nicht restlos verwirklicht, zeigt sich eben der Unterschied des ,historisch‑seelischen Geschehens mit seinen nie ganz zu rationalisierenden Fluktuierungen und Kompliziertheiten gegen die Fähigkeit der Geometrie, die ihrem Begriff untertänigen Formen mit absoluter Reinheit aus ihrer Verwirklichung an der Materie herauszulösen.

Auch behalte man im Auge, daß diese Gleichheit der Wechselwirkungsart bei beliebiger Verschiedenheit des Menschen‑ und Sachmaterials, und vice versa, zunächst nur ein Hilfsmittel ist, um an den einzelnen Gesamterscheinungen die wissenschaftliche Scheidung von Form und Inhalt zu vollziehen und zu legitimieren.

Methodisch würde diese auch dann erfordert sein, wenn die tatsächlichen Konstellationen es zu jenem induktiven Verfahren, das das Gleiche aus dem Verschiedenen auskristallisieren lässt, überhaupt nicht kommen ließen, grade wie die(- geometrische Abstraktion der Raumform eines Körpers auch dann berechtigt  (-> 12) wäre, wenn es diesen so geformten Körper tatsächlich nur ein einziges Mal in der Welt gäbe.

Daß hiermit eine Schwierigkeit des Verfahrens gegeben ist, ist unverkennbar.

Es liege z. B. die Tatsache vor, daß gegen Ende des Mittelalters gewisse Zunftmeister auf Grund der Ausdehnung der Handelsbeziehungen zu einer Beschaffung von Materialien, einer Einstellung von Gesellen, neuen Mitteln für die Anziehung von Kunden gedrängt wurden, die sich mit den alten Zunftprinzipien, wonach jeder Meister dieselbe »Nahrung« wie der andre haben sollte, nicht mehr vertrug, und daß jene sich darum außerhalb der bisherigen, engen Einung zu stellen suchten.

Auf die rein soziologische, von dem speziellen Inhalt abstrahierende Form hin angesehen, bedeutet dies, daß die Erweiterung des Kreises, mit dem der Einzelne durch seine Aktionen verbunden ist, mit einer stärkeren Ausprägung der individuellen Sonderart, einer größeren Freiheit und gegenseitigen Differenziertheit der Einzelnen Hand in Hand geht.

Nun gibt es aber, soweit ich sehe, keine sicher wirksame Methode, jenem komplexen, durch seinen Inhalt realisierten Faktum diesen soziologischen Sinn abzugewinnen; welche bloß soziologische Konfiguration, welches besondere Wechselverhältnis von Individuen, in Abstraktion von den im Individuum verbleibenden Interessen und Trieben und von den Bedingungen rein sachlicher Art, in dem historischen Vorgang enthalten ist—das ist diesem gegenüber nicht nur in mannigfacher Richtung zu deuten möglich, sondern man kann die geschichtlichen Tatsachen, die die Wirklichkeit der bestimmten soziologischen Formen belegen, nur in ihrer materialen Totalität anführen, und entbehrt eines Mittels, ihre Zerfällung in das stoffliche und das formalsoziologische Moment lehrbar und unter allen Umständen vollziehbar zu machen.

Es verhält sich wie mit dem Beweise eines geometrischen Satzes an der unvermeidlichen Zufälligkeit und Roheit einer hingezeichneten Figur.

Der Mathematiker aber kann jetzt damit rechnen, daß der Begriff der idealen geometrischen Figur bekannt und wirksam ist und als der jetzt allein wesentliche Sinn der Kreide‑ oder Tintenstriche innerlich angeschaut wird.

Hier aber darf die entsprechende Voraussetzung nicht gemacht werden, die Herauslösung dessen, was wirklich die reine Vergesellschaftung ist, aus der komplexen Gesamterscheinung ist nicht logisch zu erzwingen.

 

Man muß hier das Odium auf sich nehmen, von intuitivem Verfahren zu sprechen, — so weit es auch von der spekulativ‑metaphysischen lntuition abstehe— von einer besonderen Einstellung des Blickes, mit der jene Scheidung sich vollzieht und zu der, bis sie später einmal in begrifflich ausdrückbare und sicher führende Methoden gefasst sein wird, nur durch Vorführung von Beispielen angeleitet werden kann.

Und es erhöht diese Schwierigkeit, daß nicht nur für die Anwendung des soziologischen Grundbegriffes die unzweifelhafte Handhabe fehlt, sondern daß auch, wo selbst mit ihm wirksam operiert wird, noch immer für viele Momente der Ereignisse die Einreihung unter ihn oder unter den Begriff des inhaltlichen Bestimmtheit oft willkürlich bleibt. inwieweit z. B. das (-> 13) Phänomen des »Armen« soziologischer Art ist, d. h. ein Ergebnis der formalen Verhältnisse innerhalb einer Gruppe, bedingt durch die allgemeinen Strömungen und Verschiebungen, wie sie sich im Zusammenkommen der Menschen notwendig erzeugen—oder ob die Armut als eine nur materiale Bestimmung gewisser Einzelexistenzen anzusehen ist, ausschließlich aus dem Gesichtswinkel des ökonomischen Interesseninhaltes — darüber werden entgegengesetzte Meinungen möglich sein.

Man wird die historischen Erscheinungen im ganzen auf drei prinzipielle Standpunkte hin ansehen können: auf die individuellen Existenzen hin, die die realen Träger der Zustände sind; auf die formalen Wechselwirkungsformen, die sich freilich auch nur an individuellen Existenzen vollziehen, aber jetzt nicht vom Standpunkte dieser, sondern dem ihres Zusammen, ihres Miteinander und Füreinander betrachtet werden; auf die begrifflich formulierbaren Inhalte von Zuständen und Geschehnissen hin, bei denen jetzt nicht nach ihren Trägern oder deren Verhältnissen gefragt wird, sondern nach ihrer rein sachlichen Bedeutung, nach der Wirtschaft und der Technik:, nach der Kunst und der Wissenschaft, nach den Rechtsnormen und den Produkten des Gefühlslebens.

Diese drei Gesichtspunkte verschlingen sich fortwährend die methodische Notwendigkeit, sie auseinander zu halten, wird immer wieder von der Schwierigkeit, jedes in eine von dem andern unabhängige Reihe zu ordnen, und von der Sehnsucht nach einem, alle Standorte umfassenden Gesamtbilde der Wirklichkeit gekränzt.

Und wie tief das eine begründet und begründet, in das andre hineinreicht, wird nie für alle Falle festzulegen und deshalb bei aller methodischen Machbarkeit und Entschiedenheit der prinzipiellen Fragestellung die Zweideutigkeit kaum vermeidbar sein: daß die Behandlung des Einzelproblems bald in die eine, bald die andre Kategorie zu gehören scheint und selbst innerhalb der einen nicht immer gegen die Behandlungsweise der andern sicher abzugrenzen ist.

Im übrigen hoffe ich, daß die Methodik der hier gebotenen Soziologie aus den Ausführungen ihrer einzelnen Probleme sicherer und sogar vielleicht klarer hervorgehen wird, als aus dieser abstrakten Grundlegung.

Es ist ja in geistigen Dingen nichts ganz Seltenes —ja, auf den allgemeinsten und tiefsten Problemgebieten etwas Durchgehendes — daß dasjenige, was wir mit einem unvermeidlichen Gleichnis das Fundament nennen müssen, nicht so fest steht, wie der darauf errichtete Oberbau.

Auch die wissenschaftliche Praxis wird, insbesondre auf bisher unerschlossenen Gebieten, ein gewisses Maß instinktiven Vorgehens nicht entbehren können, dessen Motive und Normen erst nachträglich völlig klares Bewußtsein und begriffliche Durcharbeitung gewinnen.

Und so wenig die wissenschaftliche Arbeit irgendwann sich völlig auf jene noch undeutlichen, instinktmäßigen, nur in der Einzeluntersuchung unmittelbar betätigten Verfahrungsweisen stellen darf, so hieße es dennoch, sie zur Unfruchtbarkeit verurteilen, wenn man neuen Aufgaben gegenüber eine restlos formulierte Methodik zur Bedingung schon des ersten Schrittes machen wollte [1]1).

 

(-> 14) Innerhalb des Problemgebietes, das durch die Aussonderung der Formen vergesellschaftender Wechselwirkung aus der Totalerscheinung der Gesellschaft gebildet wird, liegen Teile der hier gebotenen Untersuchungen schon sozusagen quantitativ jenseits der sonst als soziologisch anerkannten Aufgaben.

Stellt man nämlich erst einmal die Frage nach den zwischen den Individuen hin‑ und hergehenden Einwirkungen, deren Summe jenen Zusammenhalt zur Gesellschaft ergibt, so zeigt sich sogleich eine Reihe, ja sozusagen eine Welt solcher Beziehungsformen, die in die Gesellschaftswissenschaft bisher entweder überhaupt nicht, oder ohne Einsicht in ihre prinzipielle und vitale Bedeutung einbezogen wurden.

Im ganzen hat sich die Soziologie eigentlich auf diejenigen gesellschaftlichen Erscheinungen beschränkt, bei denen die wechselwirkenden Kräfte schon aus ihrem unmittelbaren Träger auskristallisiert sind, mindestens zu ideellen Einheiten. Staaten und Gewerkvereine, Priesterschaften und Familienformen, Wirtschaftsverfassungen und Heerwesen, Zünfte und Gemeinden, Klassenbildung und industrielle Arbeitsteilung — diese und die ähnlichen großen Organe und Systeme scheinen die Gesellschaft auszumachen und den Kreis der Wissenschaft von ihr zu erfüllen.

Es liegt auf der Hand, daß, je größer, bedeutsamer und beherrschender eine soziale Interessenprovinz und Aktionsrichtung ist, um so eher jene Erhebung des unmittelbaren, interindividuellen Lebens und Wirkens zu objektiven Gebilden, zu einer abstrakten Existenz jenseits der einzelnen und primären Prozesse stattfinden wird.

Allein dies bedarf nun einer nach zwei Seiten hin wichtigen Ergänzung.

Es bestehen außer jenen weithin sichtbaren, ihren Umfang und ihre äußere Wichtigkeit allenthalben aufdrängenden Erscheinungen eine unermeßliche Zahl von kleineren, in den einzelnen Fällen geringfügig erscheinenden Be- (-> 15) ziehungsformen und Wechselwirkungsarten zwischen den Menschen, die aber von diesen einzelnen Fällen in gar nicht abzuschätzender Masse dargeboten werden, und, indem sie sich zwischen die umfassenden, sozusagen offiziellen sozialen Formungen schieben, doch erst die Gesellschaft, wie wir sie kennen, zustandebringen.

Die Beschränkung auf jene gleicht der früheren Wissenschaft vom inneren menschlichen Körper, die sich auf die großen, fest umschriebenen Organe: Herz, Leber, Lunge, Magen usw. beschränkte und die unzähligen, populär nicht benannten oder nicht bekannten Gewebe vernachlässigte, ohne die jene deutlicheren Organe niemals einen lebendigen Leib ergeben würden.

 

Sehen wir die unendliche Komplikation des gesellschaftlichen Lebens an, die eben aus der ersten Roheit sich erhebenden Begriffe und Methoden, mit denen sie geistig bezwungen werden soll, so wäre es ein Größenwahn, jetzt schon eine bis zum Grunde hinunterreichende Klarheit der Fragen und Richtigkeit der Antworten hoffen zu wollen. Es scheint mir würdiger, dies von vornherein zuzugeben, da auf diese Weise wenigstens ein entschiedener Anfang gemacht ist, statt mit der Behauptung des Abschlusses sogar diese Bedeutung derartiger Versuche fraglich zu machen. — So sind also die Kapitel dieses Buches der Methode nach als Beispiele, dem Inhalte nach nur als Fragmente dessen gedacht was ich für die Wissenschaft von der Gesellschaft halten muß. In beiden Hin sichten schien es angezeigt, die Themata möglichst heterogen zu wählen, ganz Allgemeines und Spezialistisches zu mischen. Je weniger das hier Gebotene sich zu einem systematischen Zusammenhang abrundet, je weiter seine Teile auseinander liegen, um so umfassender erscheint der Kreis, zu dem eine künftige Vervollkommnung der Soziologie ihre schon jetzt festlegbaren vereinzelten Punkte verbinden wird. Wenn ich damit den völlig bruchstückhaften und unvollständigen Charakter dieses Buches selbst hervorhebe, so will ich mich nicht gegen dahin lautende Einwände durch ein billiges Prävenire decken. Denn, wenn seine, für das Ideal objektiver Vollendung zweifellose Zufälligkeit in der Auswahl der Einzelprobleme und der Exemplifizierungen als ein Fehler erschiene so würde dies nur beweisen, daß ich seinen Grundgedanken nicht hinreichend deutlich zu machen verstanden habe. Denn diesem nach kann es sich nur um Anfang und Wegweisung für einen unendlich langen Weg handeln, und jede systematisch abschließende Vollständigkeit wäre mindestens eine Selbsttäuschung. Vollständigkeit kann der Einzelne hier nur in dem subjektiven Sinne erreichen daß er alles mitteilt, was ihm zu sehen gelungen ist

 

Aus den Gebilden der genannten Art, die die herkömmlichen Gegenstände der Gesellschaftswissenschaft bilden, ließe sich das wirkliche, in der Erfahrung vorliegende Leben der Gesellschaft durchaus nicht zusammensetzen; ohne die Dazwischenwirkung unzähliger, im einzelnen weniger umfänglicher Synthesen, denen diese Untersuchungen großenteils gewidmet sein sollen, würde es in eine Vielzahl diskontinuierlicher Systeme auseinanderbrechen.

Was die wissenschaftliche Fixierung solcher unscheinbaren Sozialformen erschwert, ist zugleich das, was sie für das tiefere Verständnis der Gesellschaft unendlich wichtig macht: daß sie im allgemeinen noch nicht zu festen, überindividuellen Gebilden verfestigt sind, sondern die Gesellschaft gleichsam im status nascens zeigen—natürlich nicht in ihrem überhaupt ersten, historisch unergründbaren Anfang, sondern in demjenigen, der jeden Tag und zu jeder Stunde geschieht; fortwährend knüpft sich und löst sich und knüpft sich von neuem die Vergesellschaftung unter den Menschen, ein ewiges Fließen und Pulsieren, das die Individuen verkettet, auch wo es nicht zu eigentlichen Organisationen aufsteigt.

Hier handelt es sich gleichsam um die mikroskopisch‑molekularen Vorgänge innerhalb des Menschenmaterials, die aber doch das wirkliche Geschehen sind, das sich zu jenen makroskopischen, festen Einheiten und Systemen erst zusammenkettet oder hypostasiert.

Daß die Menschen sich gegenseitig anblicken, und daß sie aufeinander eifersüchtig sind; daß sie sich Briefe schreiben oder miteinander zu Mittag essen; daß sie sich, ganz jenseits aller greifbaren Interessen! sympathisch oder antipathisch berühren; daß die Dankbarkeit der altruistischen Leistung eine unzerreissbar bindende Weiterwirkung bietet; daß einer den andern nach dem Wege fragt und dass sie sich füreinander anzieht und schmücken—all die tausend, von Person zu Person spielenden, momentanen oder dauernden, bewußten oder unbewußten, vorüberfliegenden oder folgenreichen Beziehungen, aus denen diese Beispiele ganz zufällig gewählt sind, knüpfen uns unaufhörlich zusammen.

In jedem Augenblick spinnen sich solche Fäden, werden fallen gelassen, wieder aufgenommen, durch andre ersetzt, mit andern verwebt.

Hier liegen die, nur der psychologischen Mikroskopie zu gängigen Wechselwirkungen zwischen den Atomen der Gesellschaft, die die ganze Zähigkeit und Elastizität, die ganze Buntheit und Einheitlichkeit dieses so deutlichen und so rätselhaften Lebens der Gesellschaft tragen.

Es handelt sich darum, das Prinzip der unendlich vielen und unendlich kleinen Wirkungen (-> 16) ebenso auf das Nebeneinander der Gesellschaft anzuwenden, wie es sich in den Wissenschaften des Nacheinander: der Geologie, der biologischen Entwicklungslehre, der Geschichte als wirksam erwiesen hat.

Die unermeßlich kleinen Schritte stellen den Zusammenhang der geschichtlichen Einheit her, die ebenso unscheinbaren Wechselwirkungen von Person zu Person den Zusammenhang der gesellschaftlichen Einheit.

Was fortwährend an physischen und seelischen Berührungen, an gegenseitiger Erregung von Lust und Leid, an Gesprächen und Schweigen, an gemeinsamen und antagonistischen Interessiertheiten vor sich geht—das erst macht die wunderbare Unzerreißbarkeit der Gesellschaft aus, das Fluktuieren ihres Lebens, mit dem ihre Elemente ihr Gleichgewicht unaufhörlich gewinnen, verlieren, verschieben.

Vielleicht wird von dieser Erkenntnis aus für die Gesellschaftswissenschaft erreicht, was für die Wissenschaft vom organischen Leben der Beginn der Mikroskopie bedeutete.

War die Untersuchung bis dahin auf die großen, entschieden gesonderten Körperorgane beschränkt, deren Form‑ und Funktionsverschiedenheiten sich ohne weiteres darboten, so zeigte sich nun erst der Lebensprozeß in seiner Bindung an seine kleinsten Träger, die Zellen, und in seiner Identität mit den zahllosen und unaufhörlichen Wechselwirkungen zwischen diesen.

Wie sie sich aneinander heften oder sich zerstören, sich assimilieren oder sich chemisch beeinflussen—dies erst läßt allmählich einsehen, wie der Körper seine Form bildet, sie erhält oder ändert.

Die großen Organe, in denen diese fundamentalen Lebensträger und ihre Wechselwirkungen sich zu makroskopisch wahrnehmbaren Sondergebilden und Leistungen zusammengefunden haben, würden den Zusammenhang des Lebens niemals begreiflich gemacht haben, wenn nicht jene unzähligen, zwischen den kleinsten Elementen sich abspielenden Vorgänge, die von den makroskopischen gleichsam erst zusammengefasst werden, sich als das eigentliche, fundamentale Leben enthüllt hätten.

Ganz jenseits jeder soziologischen oder metaphysischen Analogie zwischen den Realitäten von Gesellschaft und Organismus handelt es sich hier nur um die Analogie des methodischen Betrachtens und seiner Entwicklung; um die Aufdeckung der zarten Fäden, der minimalen Beziehungen zwischen Menschen, von deren kontinuierlicher Wiederholung all jene großen, objektiv gewordenen, eine eigentliche Geschichte bietenden Gebilde begründet und getragen werden.

Diese ganz primären Prozesse, die aus dem unmittelbaren, individuellen Material Gesellschaft bilden, sind also, neben den höheren und komplizierteren Vorgängen und Gebilden, der formalen Betrachtung zu unterziehen, die besonderen Wechselwirkungen, die sich in diesen, dem theoretischen Blick nicht ganz gewohnten Maßen bieten, sind als gesellschaftsbildende Formen, als Teile der Vergesellschaftung überhaupt, zu prüfen.

Ja, diesen scheinbar unbedeutenden Relationsarten wird zweckmäßig eine um so eingehendere Betrachtung zu widmen sein, je mehr die Soziologie sie sonst zu übersehen pflegt.

 

Gerade aber mit dieser Wendung scheinen die hier geplanten Untersuchungen nichts andres zu werden, als Kapitel der Psycho (-> 17) logie, allenfalls der Sozialpsychologie.

Nun ist freilich kein Zweifel, daß alle gesellschaftlichen Vorgange und Instinkte ihren Sitz in Seelen haben, daß Vergesellschaftung ein psychisches Phänomen ist und dass es zu ihrer fundamentalen Tatsache: daß eine Mehrheit von Elementen zu einer Einheit wird—in der Welt des Körperlichen nicht einmal eine Analogie gibt, da in dieser alles in das unüberwindliche Außereinander des Raumes gebannt bleibt.

Welches äußerliche Geschehen auch immer wir als gesellschaftliches bezeichnen, es wäre ein Marionettenspiel, nicht begreiflicher und nicht bedeutungsvoller als das Ineinanderrinnen der Wolken oder das Durcheinanderwachsen der Baumzweige, wenn wir nicht ganz selbstverständlich seelische Motivierungen, Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, nicht nur als Träger jener Äußerlichkeiten, sondern als ihr Wesentliches und uns eigentlich allein Interessierendes erkennten.

Das kausale Verständnis jeglichen sozialen Geschehens wäre also in der Tat gewonnen, wenn psychologische Feststellungen und ihre Entwicklung gemäß »psychologischen Gesetzen« — so problematisch uns ihr Begriff ist —diese Ereignisse vollkommen zu deduzieren gestatteten.

Auch ist kein Zweifel, daß die uns zugängigen Begreifbarkeiten des geschichtlich‑gesellschaftlichen

Daseins nichts andres sind, als seelische Verkettungen, die wir entweder mit instinktiver oder mit methodischer Psychologie nachbilden und zu innerer Plausibilität, zu dem Gefühl einer seelischen Notwendigkeit der fraglichen Entwicklungen bringen.

Insofern ist jede Geschichte, jede Schilderung eines sozialen Zustandes, eine Ausübung psychologischen Wissens.

Allein es ist von der äußersten methodischen Wichtigkeit und geradezu entscheidend für die Prinzipien der Geisteswissenschaften überhaupt, daß die wissenschaftliche Behandlung seelischer Tatsachen noch keineswegs Psychologie zu sein braucht; auch wo wir ununterbrochen von psychologischen Regeln und Kenntnissen Gebrauch machen, wo die Erklärung jeder einzelnen Tatsache nur auf psychologischem Wege möglich ist ‑wie es innerhalb der Soziologie der FaIl ist—, braucht Sinn und Absicht dieses Verfahrens durchaus nicht auf Psychologie zu gehen; d. h. nicht auf das Gesetz des seelischen Prozesses, der einen bestimmten Inhalt freilich allein tragen kann, sondern auf diesen Inhalt und seine Konfigurationen selbst.

Es liegt hier ein nur gradueller Unterschied gegen die Wissenschaften von der äußeren Natur vor, die sich, als Tatsachen des geistigen Lebens, doch schließlich auch nur innerhalb der Seele abspielen: die Entdeckung jeder astronomischen oder chemischen Wahrheit ebenso wie das Nach‑ Denken einer jeden, ist ein Bewußtseinsereignis, das eine vollendete Psychologie rein aus seelischen Bedingungen und Entwicklungen restlos deduzieren könnte.

Allein jene Wissenschaften entstehen, insofern sie statt der seelischen Prozesse deren Inhalte und ihre Zusammenhänge sich zum Gegenstand machen, ungefähr wie wir ein Gemälde nach seiner ästhetischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung nicht aus den physikalischen Oszillationen deduzieren die seine Farben ausmachen und die freilich die ganze reale Existenz des Gemäldes zustandebringen und tragen.

Es ist immer eine Wirk (->18) lichkeit, die wir in ihrer Unmittelbarkeit und Totalität nicht wissenschaftlich erfassen können, sondern von einer Reihe gesonderter Standpunkte her aufnehmen müssen und damit zu einer Mehrzahl voneinander unabhängiger Wissenschaftsobjekte ausgestalten.

Dies ist nun auch gegenüber denjenigen seelischen :Ereignissen erfordert, deren Inhalte sich nicht zu einer selbständigen Raumeswelt zusammenschließen und sich ihrer seelischen Realität nicht anschaulich entgegenstellen.

Die Formen und Gesetze einer Sprache z. B., die doch gewiß nur aus Kräften der Seele zu Zwecken der Seele gebildet ist, werden dennoch von einer Sprachwissenschaft behandelt, die von jener allein gegebenen Realisierung ihres Gegenstandes völlig absieht und diesen letzteren rein nach seinem Sachgehalt und den nur an diesem Inhalt selbst bestehenden Formungen darstellt, analysiert oder konstruiert.

Ähnlich nun verhält es sich mit den Tatsachen der Vergesellschaftung.

Daß Menschen einander beeinflussen, daß der eine etwas tut oder leidet, ein Sein oder ein Werden zeigt, weil andre da sind und sich äußern, handeln oder fühlen — das ist natürlich ein seelisches Phänomen und das historische Zustandekommen jedes einzelnen Falles seiner ist nur durch psychologisches Nachformen, durch die Plausibilität psychologischer Reihen, durch die Interpretation des äußerlich Konstatierbaren mittels psychologischer Kategorien zu begreifen.

Allein nun kann eine besondere wissenschaftliche Absicht dies seelische Geschehen als solches ganz außer acht lassen und die Inhalte desselben, wie sie sich unter dem Begriff der Vergesellschaftung anordnen, für sich verfolgen, zerlegen, in Beziehungen setzen.

Es wurde also z. B. festgestellt, daß das Verhältnis eines Mächtigeren zu Schwächeren, das die Form des primus inter pares hat, typischerweise dahin gravitiert, zu einer absoluten Machtstellung jenes zu werden und die Gleichheitsmomente allmählich auszuscheiden.

Obgleich dies in der historischen Wirklichkeit ein seelischer Vorgang ist, so interessiert uns jetzt vom soziologischen Blickpunkt aus nur: wie sich die verschiedenen Stadien der Ueber- und Unterordnung hier aneinanderreihen, bis zu welchem Maße eine Überordnung in einer bestimmten Beziehung mit Gleichordnung in anderen Beziehungen verträglich ist und von welchem Maße der Übermacht an sie diese letztere völlig vernichtet; ob die Frage der Verbindung, die Möglichkeit der Kooperation, in dem früheren oder in dem späteren Stadium solcher Entwicklung die größere ist usw.

Oder es wird festgestellt, daß Gegnerschaften dann am erbittertsten sind, wenn sie sich auf der Grundlage einer früheren oder noch irgendwie fühlbaren Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit erheben, wie man als den glühendsten Haß etwa den unter Blutsverwandten bezeichnet hat.

Dies wird man als Ereignis nur psychologisch begreiflich machen, ja beschreiben können.

Aber als soziologische Formung betrachtet, ist nicht die in jedem von zwei Individuen abfallende seelische Reihe an sich von Interesse, sondern die Synopsis beider unter der Kategorie der Einung und der Entzweiung; wie weit das Verhältnis zweier Individuen oder Parteien Gegnerschaft und Zusammengehörigkeit einschließen kann, um dem Ganzen noch die (-> 19) Färbung der letzteren zu lassen oder ihm die der ersteren zu geben; welche Arten der Zusammengehörigkeit, als Erinnerung oder als nicht auszulöschender Instinkt, die Mittel zu grausamerer, tiefer verletzender Schädigung an die Hand geben, als sie bei von vornherein bestehender Fremdheit möglich ist; kurz, wie jene Beobachtung als Realisierung von Beziehungsformen der Menschen darzustellen ist, welche besondere Kombination der soziologischen Kategorien sie darstellt—darauf kommt es jetzt an, obgleich die singuläre oder typische Beschreibung des Vorganges selbst immer nur psychologisch sein kann.

Eine frühere Andeutung aufnehmend, kann man dies unter Vorbehalt aller Unterschiede mit der geometrischen Deduktion vergleichen, die sich an einer auf die Tafel hingezeichneten Figur vollzieht.

Was hier allein gegeben und gesehen werden kann, sind physisch aufgetragene Kreidestriche; was wir aber mit der geometrischen Betrachtung meinen, sind nicht sie, sondern ihre Bedeutung von dem geometrischen Begriff aus, der jener physischen Figur als einer Lagerung von Kreideteilchen völlig heterogen ist—während sie andrerseits auch als dieses physische Gebilde unter wissenschaftliche Kategorien gereiht und etwa ihr physiologisches Zustandekommen oder ihre chemische Beschaffenheit oder ihr optischer Eindruck Gegenstände besonderer Untersuchungen sein können.

So also sind die Gegebenheiten der Soziologie seelische Vorgänge, deren unmittelbare Wirklichkeit sich zunächst den psychologischen Kategorien darbietet; aber diese, obgleich für die Schilderung der Tatsachen unentbehrlich, bleiben außerhalb des Zweckes der soziologischen Betrachtung, der vielmehr nur in der von den psychischen Vorgängen getragenen und oft nur durch sie zu schildernden Sachlichkeit der Vergesellschaftung liegt—wie etwa ein Drama von Anfang bis Ende nur psychologische Vorgänge enthält, nur psychologisch verstanden werden kann, und dennoch seine Absicht nicht in psychologischen Erkenntnissen hat, sondern in den Synthesen, die die Inhalte der seelischen Vorgänge unter den Gesichtspunkten der Tragik, der Kunstform, der Lebenssymbole bilden [2]

 

Wenn die Lehre von der Vergesellschaftung als solcher, abgesondert von allen Sozialwissenschaften, die von einem besonderen Inhalt des gesellschaftlichen Lebens aus bestimmt sind, als die einzige Wissenschaft erschien, die zu dem Namen der Gesellschaftswissenschaft schlechthin berechtigt ist, so ist das Wichtige natürlich nicht diese Namengebung, sondern die Auffindung jenes neuen Komplexes von Einzelproblemen.

Der Streit, was denn Soziologie eigentlich bedeute, erscheint mir, solange er sich nur um die Zu- (-> 20) erkennung dieses Titels an bereits bestehende und behandelte

Aufgabenkreise dreht, als etwas völlig Belangloses.

Wenn indes für diese Aufgabensammlung der Titel Soziologie mit dem Anspruch erwählt ist, den Begriff der Soziologie völlig und allein zu decken, so muß dies noch einer andern Problemgruppe gegenüber gerechtfertigt werden, die unleugbar nicht weniger, über die inhaltlich bestimmten stimmten Gesellschaftswissenschaften hinaus, Aussagen über die Gesellschaft als solche und als ganze zu gewinnen suchen.

 

Wie jede andre exakte, auf das unmittelbare Verständnis des Gegebenen gerichtete Wissenschaft, ist auch die soziale von zwei philosophischen Gebieten eingegrenzt.

Das eine umfasst die Bedingungen, Grundbegriffe, Voraussetzungen der Einzelforschung, die in dieser selbst keine Erledigung finden können, da sie ihr vielmehr schon zugrunde liegen; in dem andern wird diese Einzelforschung zu Vollendungen und Zusammenhängen geführt und mit Fragen und Begriffen in Beziehung gesetzt, die innerhalb der Erfahrung und des unmittelbar gegenständlichen Wissens keinen Platz haben. Jenes ist die Erkenntnistheorie, dieses die Metaphysik der fraglichen Einzelgebiete.

Die letztere bedeutet eigentlich zwei Probleme, die indes in der wirklichen Denkbehandlung mit Recht ungeschieden zu bleiben pflegen: die Unbefriedigung an dem fragmentarischen Charakter der Einzelerkenntnisse, an dem frühen Ende der sachlichen Feststellbarkeiten und der Beweisreihen führt zu der Ergänzung dieser Unvollkommenheiten mit den Mitteln der Spekulation  ; und eben dieselben dienen dem parallelen Bedürfnis, die Zusammenhangslosigkeit und gegenseitige Fremdheit jener Stücke zur Einheit eines Gesamtbildes zu ergänzen.

Neben dieser, auf den Grad des Erkennens gerichteten metaphysischen Funktion, geht eine andre auf eine andre Dimension des Daseins, in der die metaphysische Bedeutung seiner Inhalte liegt: wir drücken sie aus als den Sinn oder den Zweck, als die absolute Substanz unter den relativen Erscheinungen, auch als den Wert oder die religiöse Bedeutung.

Der Gesellschaft gegenüber ergibt diese geistige Attitüde Fragen wie diese:

Ist die Gesellschaft der Zweck der menschlichen :Existenz oder ein Mittel für das Individuum?

Ist sie etwa für dieses nicht einmal ein Mittel, sondern umgekehrt eine Hemmung?

Liegt ihr Wert in ihrem funktionellen Leben oder in der Erzeugung eines objektiven Geistes oder in den ethischen Qualitäten, die sie an den Einzelnen hervorruft?

Offenbart sich in den typischen Entwicklungsstadien der Gesellschaften eine kosmische Analogie ?—so daß die sozialen Beziehungen der Menschen in eine allgemeine, für sich nicht in die Erscheinung tretende, alle Erscheinungen aber fundamentierende Form oder Rhythmus einzuordnen wären, die auch die Wurzelkräfte der materiellen Tatsachen lenkt? Kann es überhaupt eine metaphysisch‑ religiöse Bedeutung von Gesamtheiten geben, oder ist diese den individuellen Seelen vorbehalten?

Allein diese und unzählige Fragen ähnlicher Art scheinen mir nicht diejenige kategoriale Selbständigkeit, dasjenige einzigartige Verhältnis zwischen Gegenstand und Methode zu besitzen, das sie zur Gründung der Soziologie als einer neuen Wissenschaft, die den (-> 21) bestehenden nebengeordnet wäre, Legitimierte.

Denn alles dies sind schlechthin philosophische Fragen und daß sie als ihren Gegen stand die Gesellschaft aufgenommen haben, bedeutet nur die Erstreckung einer ihrer Struktur nach bereits gegebenen Erkenntnisart auf ein weiteres Gebiet.

Mag man Philosophie überhaupt als Wissenschaft anerkennen oder nicht: die Philosophie der Gesellschaft hat keinerlei Rechtsgrund, sich den Vorteilen oder Nachteilen ihrer Zugehörigkeit zur Philosophie überhaupt durch ihre Konstituierung zu einer besonderen Wissenschaft der Soziologie zu entziehen.

 

Nicht anders steht es mit dem Typus philosophischer Probleme, die nicht, wie die bisherigen, die Gesellschaft zur Voraussetzung haben, sondern vielmehr nach den Voraussetzungen der Gesellschaft selbst fragen,—nicht in dem historischen Sinne, als sollte das Zustandekommen irgendeiner einzelnen Gesellschaft oder die physikalischen und anthropologischen Bedingungen, auf Grund deren Gesellschaft entstehen kann, beschrieben werden. Auch nicht um die einzelnen Triebe handelt es sich hier, die ihr Subjekt, indem es andern Subjekten begegnet, zu den Wechselwirkungen bewegen, deren Arten die Soziologie beschreibt.

Sondern darum: wenn ein derartiges Subjekt besteht —welches sind die Voraussetzungen seines Bewußtseins, ein Gesellschaftswesen zu sein?

In jenen Teilen an und für sich liegt noch nicht Gesellschaft; in den Wechselwirkungsformen ist sie schon wirklich — welches sind nun die inneren und prinzipiellen Bedingungen, auf Grund deren die mit solchen Trieben ausgestatteten Individuen die Gesellschaft überhaupt zustandebringen, das Apriori, das die empirische Struktur des Einzelnen, insofern er Gesellschaftswesen ist, ermöglicht und formt ?

Wie sind nicht nur die empirisch entstehenden Einzelgestaltungen, die unter dem Allgemeinbegriff der Gesellschaft stehen, möglich, sondern die Gesellschaft überhaupt als eine objektive Form subjektiver Seelen?

 

Sehen wir die unendliche Komplikation des gesellschaftlichen Lebens an, die eben aus der ersten Roheit sich erhebenden Begriffe und Methoden, mit denen sie geistig bezwungen werden soll, so wäre es ein Größenwahn, jetzt schon eine bis zum Grunde hinunterreichende Klarheit der Fragen und Richtigkeit der Antworten hoffen zu wollen. Es scheint mir würdiger, dies von vornherein zuzugeben, da auf diese Weise wenigstens ein entschiedener Anfang gemacht ist, statt mit der Behauptung des Abschlusses sogar diese Bedeutung derartiger Versuche fraglich zu machen. — So sind also die Kapitel dieses Buches der Methode nach als Beispiele, dem Inhalte nach nur als Fragmente dessen gedacht was ich für die Wissenschaft von der Gesellschaft halten muß. In beiden Hin sichten schien es angezeigt, die Themata möglichst heterogen zu wählen, ganz Allgemeines und Spezialistisches zu mischen. Je weniger das hier Gebotene sich zu einem systematischen Zusammenhang abrundet, je weiter seine Teile auseinander liegen, um so umfassender erscheint der Kreis, zu dem eine künftige Vervollkommnung der Soziologie ihre schon jetzt festlegbaren vereinzelten Punkte verbinden wird. Wenn ich damit den völlig bruchstückhaften und unvollständigen Charakter dieses Buches selbst hervorhebe, so will ich mich nicht gegen dahin lautende Einwände durch ein billiges Prävenire decken. Denn, wenn seine, für das Ideal objektiver Vollendung zweifellose Zufälligkeit in der Auswahl der Einzelprobleme und der Exemplifizierungen als ein Fehler erschiene so würde dies nur beweisen, daß ich seinen Grundgedanken nicht hinreichend deutlich zu machen verstanden habe. Denn diesem nach kann es sich nur um Anfang und Wegweisung für einen unendlich langen Weg handeln, und jede systematisch abschließende Vollständigkeit wäre mindestens eine Selbsttäuschung. Vollständigkeit kann der Einzelne hier nur in dem subjektiven Sinne erreichen daß er alles mitteilt, was ihm zu sehen gelungen ist

 



[1].

 

[2]Die Einführung einer neuen Betrachtungsweise der Tatsachen muss die verschiedenen Seiten ihrer Methode durch Analogien anerkannter Gebiete stützen aber erst der—vielleicht endlose—Prozeß, in dem das Prinzip seine Durchführungen innerhalb der konkreten Forschung bestimmt und diese Durchführungen das Prinzip als fruchtbar legitimieren, kann solche Analogien von dem reinigen, worin zunächst die Verschiedenheit der Materien die jetzt ent. scheidende Formgleichheit iiberdeckti dieser Prozeß nimmt ihnen ihre Miß. verständlichkeit freilich nur in dem Grade, in dem er sie überflüssig macht.

 

 

Kapitel IX: Der Raum und die räumlichen Ordnungen der Gesellschaft

Exkurs über den Fremden (S. 509-512)

Wenn das Wandern als die Gelöstheit von jedem gegebenen Raumpunkt der begriffliche Gegensatz zu der Fixiertheit an einem solchen ist, so stellt die soziologische Form des »Fremden« doch gewissermaßen die Einheit beider Bestimmungen dar - freilich auch hier offenbarend, dass das Verhältnis zum Raum nur einerseits die Bedingung, andrerseits das Symbol der Verhältnisse zu Menschen ist.

Es ist hier also der Fremde nicht in dem bisher vielfach berührten Sinn gemeint, als der Wandernde, der heute kommt und morgen geht, sondern als der, der heute kommt und morgen bleibt - sozusagen der potentiell Wandernde, der, obgleich er nicht weitergezogen ist, die Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat.

Er ist innerhalb eines bestimmten räumlichen Umkreises - oder eines, dessen Grenzbestimmtheit der räumlichen analog ist - fixiert, aber seine Position in diesem ist dadurch wesentlich bestimmt, dass er nicht von vornherein in ihn gehört, dass er Qualitäten, die aus ihm nicht stammen und stammen können, in ihn hineinträgt.

Die Einheit von Nähe und Entferntheit, die jegliches Verhältnis zwischen Menschen enthält, ist hier zu einer, am kürzesten so zu formulierenden Konstellation gelangt: die Distanz innerhalb des Verhältnisses bedeutet, dass der Nahe fern ist, das Fremdsein aber, dass der Ferne nah ist.

Denn das Fremdsein ist natürlich eine ganz positive Beziehung, eine besondere Wechselwirkungsform; die Bewohner des Sirius sind uns nicht eigentlich fremd - dies wenigstens nicht in dem soziologisch in Betracht kommenden Sinne des Wortes -, sondern sie existieren überhaupt nicht für uns, sie stehen jenseits von Fern und Nah.

Der Fremde ist ein Element der Gruppe selbst, nicht anders als die Armen und die mannigfachen »inneren Feind« - ein Element, dessen immanente und Gliedstellung zugleich ein Außerhalb und Gegenüber einschließt.

Die Art nun, wie repellierende und distanzierende Momente hier eine Form des Miteinander und der wechselwirkenden Einheit bilden, mag durch folgende - keineswegs als erschöpfend gemeinte - Bestimmungen angedeutet werden.

In der ganzen Geschichte der Wirtschaft erscheint der Fremde allenthalben als Händler bzw. der Händler als Fremder.

Solange im wesentlichen Wirtschaft für den Eigenbedarf herrscht oder ein räumlich enger Kreis seine Produkte austauscht, bedarf es innerhalb seiner keines Zwischenhändlers; ein Händler kommt nur für diejenigen Produkte in Frage, die ganz außerhalb des Kreises erzeugt werden.

Insofern nicht etwa Personen in die Fremde wandern, um diese Erforderlichkeiten einzukaufen - in welchem Falle sie dann in diesem andern (> 510) Gebiete eben die »fremden« Kaufleute sind - muss der Händler ein Fremder sein, für einen andern ist keine Existenzgelegenheit.

Diese Position des Fremden verschärft sich für das Bewusstsein, wenn er, statt den Ort seiner .Tätigkeit wieder zu verlassen, sich an ihm fixiert.

Denn in unzähligen Fällen wird ihm auch dies nur möglich sein, wenn er vom Zwischenhandel leben kann.

Ein irgendwie geschlossener Wirtschaftskreis, mit aufgeteiltem Grund und Boden und Handwerken, die der Nachfrage genügen, wird nun auch dem Händler eine Existenz gewähren; denn allein der Handel ermöglicht unbegrenzte Kombinationen, in ihm findet die Intelligenz noch immer Erweiterungen und Neuerschließungen, die dem Urproduzenten mit seiner geringeren Beweglichkeit, seinem Angewiesensein auf einen nur langsam vermehrbaren Kundenkreis, schwer gelingen.

Der Handel kann immer noch mehr Menschen aufnehmen als die primäre Produktion, und er ist darum das indizierte Gebiet für den Fremden, der gewissermaßen als Supernumerarius in einen Kreis dringt, in dem eigentlich die wirtschaftlichen Positionen schon besetzt sind.

Das klassische Beispiel gibt die Geschichte der europäischen Juden.

Der Fremde ist eben seiner Natur nach kein Bodenbesitzer, wobei Boden nicht nur in dem physischen Sinne verstanden wird, sondern auch in dem übertragenen einer Lebenssubstanz, die, wenn nicht an einer räumlichen, so an einer ideellen Stelle des gesellschaftlichen Umkreises fixiert ist.

Auch in den intimeren Verhältnissen von Person zu Person mag der Fremde alle möglichen Attraktionen und Bedeutsamkeiten entfalten; aber er ist, so lange er eben als Fremder empfunden wird, in dem Andern kein »Bodenbesitzer«.

Nun gibt jene Angewiesenheit auf den Zwischenhandel und vielfach, wie in einer Sublimierung hiervon, auf das reine Geldgeschäft, dem Fremden den spezifischen Charakter der Beweglichkeit; in dieser, indem sie innerhalb einer umgrenzten Gruppe stattfindet, lebt jene Synthese von Nähe und Ferne, die die formale Position des Fremden ausmacht: denn der schlechthin Bewegliche kommt gelegentlich mit jedem einzelnen Element in Berührung, ist aber mit keinem einzelnen durch die verwandtschaftlichen, lokalen, beruflichen Fixiertheiten organisch verbunden.

Ein andrer Ausdruck für diese Konstellation liegt in der Objektivität des Fremden.

Weil er nicht von der Wurzel her für die singulären Bestandteile oder die einseitigen Tendenzen der Gruppe festgelegt ist, steht er allen diesen mit der besonderen Attitüde des »Objektiven« gegenüber, die nicht etwa einen bloßen Abstand und Unbeteiligtheit bedeutet, sondern ein besonderes Gebilde aus Ferne und Nähe, Gleichgültigkeit und Engagiertheit ist.

Ich verweise auf die Auseinandersetzung - im Kapitel » Über- und Unterordnung« - über die dominierenden Stellungen des Gruppenfremden, als deren Typus die Praxis jener italienischen Städte erschien, ihre Richter von auswärts zu berufen, weil kein Eingeborener von der Befangenheit in Familieninteressen und Parteiungen frei war.

Mit der Objektivität des Fremden hängt auch die vorhin berührte Erscheinung zusammen, die freilich hauptsächlich, aber doch nicht ausschließlich, dem weiterziehenden gilt: dass ihm oft die überraschendsten Offenheiten und Konfessionen, bis zu dem Charakter der Beichte, entgegengebracht werden, die man jedem Nahestehenden sorgfältig vorenthält..

Objektivität ist keineswegs Nicht-Teilnahme, - denn diese steht überhaupt jenseits von subjektivem und objektivem Verhalten - sondern eine positiv-besondere Art der Teilnahme - wie Objektivität einer theoretischen Beobachtung durchaus nicht bedeutet, dass der Geist eine passive tabula rasa wäre, in die die Dinge ihre Qualitäten einschrieben, sondern die volle Tätigkeit des nach seinen eigenen Gesetzen wirkenden Geistes, nur so, dass er die zufälligen Verschiebungen und Akzentuierungen ausgeschaltet hat, deren individuell-subjektive Verschiedenheiten ganz verschiedene Bilder von dem gleichen Gegenstand liefern würden.

Man kann Objektivität auch als Freiheit bezeichnen. der objektive Mensch ist durch keinerlei Festgelegtheiten gebunden, die ihm seine Aufnahme, sein Verständnis, seine Abwägung des Gegebenen präjudizieren könnten.

Diese Freiheit, die den Fremden auch das Nahverhältnis wie aus der Vogelperspektive erleben und behandeln lässt, enthält freilich allerhand gefährliche Möglichkeiten.

Von jeher wird bei Aufständen aller Art von der angegriffenen Partei behauptet, es hätte eine Aufreizung von außen her, durch fremde Sendlinge und Hetzer stattgefunden.

Soweit das zutrifft, ist es eine Exzaggerierung der spezifischen Rolle des Fremden: er ist der Freiere, praktisch und theoretisch, er übersieht die Verhältnisse vorurteilsloser, (> 511) misst sie an allgemeineren, objektiveren Idealen und ist in seiner Aktion nicht durch Gewöhnung, Pietät, Antezedentien gebunden.1)

Denn indem sie die Fiktion aufbringen: die Rebellen wären eigentlich gar nicht schuldig, sie wären nur aufgehetzt, die Rebellion ginge gar nicht von ihnen aus - exkulpieren sie sich selbst, negieren sie von vornherein jeden realen Grund des Aufstandes.

Endlich gewinnt die Proportion von Nähe und Entferntheit, die dem Fremden. den Charakter der Objektivität gibt, noch einen praktischen Ausdruck in dem abstrakteren Wesen des Verhältnisses zu ihm, d. h. darin, dass man mit dem Fremden nur gewisse allgemeinere Qualitäten gemein hat, während sich das Verhältnis zu den organischer Verbundenen auf der Gleichheit von spezifischen Differenzen gegen das bloß Allgemeine aufbaut.

Nach diesem Schema vollziehen sich überhaupt, in mannigfachen Anordnungen, alle irgendwie persönlichen Verhältnisse. über sie entscheidet nicht nur, dass bestimmte Gemeinsamkeiten zwischen den Elementen bestehen, neben individuellen Differenzen, die die Beziehung entweder beeinflussen oder sich jenseits ihrer halten. jenes Gemeinsame selbst vielmehr wird in seiner Wirkung auf das Verhältnis dadurch wesentlich bestimmt, ob es nur zwischen den Elementen eben dieses besteht und so nach innen zwar allgemein, nach außen aber spezifisch und unvergleichlich ist oder ob es für die Empfindung der Elemente selbst ihnen nur gemeinsam ist, weil es überhaupt einer Gruppe oder einem Typus oder der Menschheit gemeinsam ist.

In dem letzteren Fall tritt, proportional der Weite des den gleichen Charakter tragenden Kreises, eine Verdünnung der Wirksamkeit des Gemeinsamen ein, es funktioniert zwar als einheitliche Basis der Elemente, aber es weist nicht gerade diese Elemente aufeinander hin, eben diese Gleichheit könnte ein jedes auch mit allen möglichen andern vergemeinsamen.

Auch dies ist ersichtlich eine Art, in der ein Verhältnis gleichzeitig Nähe und Ferne einschließt: in dem Maße, in dem die Gleichheitsmomente allgemeines Wesen haben, wird der Wärme der Beziehung, die sie stiften, ein Element von Kühle, ein Gefühl von der Zufälligkeit gerade dieser Beziehung beigesetzt, die verbindenden Kräfte haben den spezifischen, zentripetalen Charakter verloren.

Diese Konstellation nun scheint mir in dem Verhältnis zu dem Fremden ein außerordentliches prinzipielles Übergewicht über die individuellen, nur der in Frage stehenden Beziehung eigenen Gemeinsamkeiten der Elemente zu besitzen

Der Fremde ist uns nah, insofern wir Gleichheiten nationaler oder sozialer, berufsmäßiger oder allgemein menschlicher Art zwischen ihm und uns fühlen; er ist uns fern, insofern diese Gleichheiten über ihn und uns hinausreichen und uns beide nur verbinden, weil sie überhaupt sehr Viele verbinden.

In diesem Sinne kommt leicht auch in die engsten Verhältnisse ein Zug von Fremdheit.

Erotische Beziehungen weisen in dem Stadium der ersten Leidenschaft jenen Generalisierungsgedanken sehr entschieden ab: eine Liebe wie diese habe es überhaupt noch nicht gegeben, weder mit der geliebten Person noch mit unsrer Empfindung für sie sei irgend etwas zu vergleichen.

Eine Entfremdung pflegt - ob als Ursache, ob als Folge, ist schwer entscheidbar - in dem Augenblick einzusetzen, in dem der Beziehung ihr Einzigkeitsgefühl entschwindet; ein Skeptizismus gegen ihren Wert an sich und für uns knüpft sich gerade an den Gedanken, dass man schließlich mit ihr nur ein allgemein menschliches Geschick vollzöge, ein tausendmal dagewesenes Erlebnis erlebte, und dass, wenn man nicht zufällig eben dieser Person begegnet wäre, irgendeine andre die gleiche Bedeutung für uns gewonnen hätte.

Und irgend etwas davon mag keinem, noch so nahen Verhältnis fehlen, weil das Zweien Gemeinsame vielleicht niemals bloß ihnen gemeinsam ist, sondern einem allgemeinen Begriff zugehört, der noch viel andres einschließt, viele Möglichkeiten des Gleichen; so wenig sie sich verwirklichen mögen, so oft wir sie vergessen mögen, hier und da drängen sie sich doch wie Schatten zwischen die Menschen, wie ein jedem bezeichnenden Worte enthuschender Nebel, der erst wie zu fester Körperlichkeit gerinnen müsste, um Eifersucht zu heißen.

Vielleicht ist das in manchen Fällen die generellere, mindestens die unüberwindlichere Fremdheit, (> 512) als die durch Differenzen und Unbegreiflichkeiten gegebene: dass zwar eine Gleichheit, Harmonie, Nähe besteht, aber mit dem Gefühle, dass diese eigentlich kein Alleinbesitz eben dieses Verhältnisses ist, sondern ein Allgemeineres, das potenziell zwischen uns und unbestimmt vielen Andern gilt und deshalb jenem allein realisierten Verhältnis keine innere und ausschließende Notwendigkeit zukommen lässt. -

Andrerseits gibt es eine Art von »Fremdheit«, bei der gerade die Gemeinsamkeit auf dem Boden eines Allgemeineren, die Parteien Umfassenden, ausgeschlossen ist; hierfür ist etwa das Verhältnis der Griechen zum barbaroV typisch, all die Fälle, in denen dem Andern gerade die generellen Eigenschaften, die man als eigentlich und bloß menschlich empfindet, abgesprochen werden.

Allein hier hat »der Fremde« keinen positiven Sinn, die Beziehung zu ihm ist Nicht-Beziehung, er ist nicht das, als was er hier in Frage steht: ein Glied der Gruppe selbst.

Als solches vielmehr ist er zugleich nah und fern, wie es in der Fundamentierung der Beziehung auf eine nur allgemein menschliche Gleichheit liegt.

Zwischen jenen beiden Elementen aber erhebt sich eine besondere Spannung, indem das Bewusstsein, nur das überhaupt Allgemeine gemein zu haben, doch gerade das, was nicht gemeinsam ist, zu besonderer Betonung bringt.

Dies ist aber im Falle des Land-, Stadt-, Rassefremden usw. auch wieder nichts Individuelles, sondern eine fremde Herkunft, die vielen Fremden gemeinsam ist oder sein könnte.

Darum werden die Fremden auch eigentlich nicht als Individuen, sondern als die Fremden eines bestimmten Typus überhaupt empfunden, das Moment der Ferne ist ihnen gegenüber nicht weniger generell als das der Nähe.

Diese Form liegt z. B. einem so speziellen Fall wie der mittelalterlichen Judensteuer, wie sie in Frankfurt, aber auch sonst gefordert wurde, zugrunde.

Während die von den christlichen Bürgern gezahlte Beede nach dem jedes Maligen Stande des Vermögens wechselte. war die Steuer für jeden einzelnen Juden ein für allemal festgesetzt.

Diese Fixiertheit beruhte darauf, dass der Jude seine soziale Position als Jude hatte, nicht als Träger bestimmter sachlicher Inhalte.

In Steuersachen war jeder andre Bürger Besitzer eines bestimmten Vermögens, und seine Steuer konnte den Wandlungen dieses folgen.

Der Jude aber war als Steuerzahler in erster Linie Jude, und dadurch erhielt seine steuerliche Position ein invariables Element; am stärksten tritt dies natürlich hervor, sobald sogar diese individuellen Bestimmungen, deren Individualität durch die starre Unabänderlichkeit begrenzt war, fallen, und die Fremden eine durchgehend gleiche Kopfsteuer bezahlen.

Mit all seiner unorganischen Angefügtheit ist der Fremde doch ein organisches Glied der Gruppe, deren einheitliches Leben die besondere Bedingtheit dieses Elementes einschließt; nur dass wir die eigenartige Einheit dieser Stellung nicht anders zu bezeichnen wissen, als dass sie aus gewissen Maßen von Nähe und gewissen von Ferne zusammengesetzt ist, die, in irgendwelchen Quanten jedes Verhältnis charakterisierend, in einer besonderen Proportion und gegenseitigen Spannung das spez

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Anmerkungen

1) Wo jenes aber seitens der Angegriffenen fälschlich behauptet wird, entstammt es der Tendenz der Höherstehenden, die Tieferen, die bisher in einem einheitlichen, engeren Verhältnis zu ihnen gestanden haben, doch noch zu exkulpieren. (zurück)

 

Georg Simmel: Soziologie
Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung

Duncker & Humblot, Berlin 1908 (1. Auflage) 

Das Problem der Soziologie

Exkurs über das Problem: wie ist Gesellschaft möglich?

Die quantitative Bestimmtheit der Gruppe

Über- und Unterordnung

Exkurs über die Überstimmung

Der Streit

Das Geheimnis und die geheime Gesellschaft

Exkurs über den Schmuck
Exkurs über den schriftlichen Verkehr

Die Kreuzung sozialer Kreise

Der Arme

Exkurs über die Negativität kollektiver Verhaltensweisen

Die Selbsterhaltung der sozialen Gruppe

Exkurs über das Erbamt
Exkurs über Sozialpsychologie
Exkurs über Treue und Dankbarkeit

Der Raum und die räumlichen Ordnungen der Gesellschaft

Exkurs über die soziale Begrenzung
Exkurs über die Soziologie der Sinne
Exkurs über den Fremden

Die Erweiterung der Gruppe und die Ausbildung der Individualität

Exkurs über den Adel
Exkurs über die Analogie der individualpsychologischen und der soziologischen Verhältnisse