Sociology in Switzerland Schweizer Gemeindestudien

Schweizer Gemeindestudien: Online Texte

 


 

1. Gemeindepolitik

Hans Geser: Linke Frauen in der Kommunalpolitik

In Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen damit hat auch die vorliegende Studie über kommunale Exekutivmitglieder zum Ergebnis geführt, dass Frauen signifikant weiter links als Männer politisieren, indem sie einerseits bevorzugt für linksstehende Parteien kandidieren, andererseits aber auch innerhalb der meisten Parteien sich häufiger auf dem linken Ast der Skala verorten und im breiten Spektrum konkreter sachpolitischer Vorlagen eher linke Positionen unterstützen. Die Ubiquität dieser Geschlechterdivergenz (die klassenspezifische Differenzen bei weitem übertrifft)  zeigt sich hinreichend darin, dass sie sich auf alle drei Sprachregionen sowie auf ländliche und städtische Gemeinden aller Grössenklassen erstreckt, alle Bildungsniveaus und politischen Herkunftsmilieus einbegreift und sich innerhalb fast aller Parteien  manifestiert. Und ihre Stabilität erweist sich daran, dass sich in fast allen Altersgruppen (am schwächsten allerdings bei den jüngeren Kohorten) vorfindet. Eindeutig unterstützt wird sie durch die Expansion der formalen Bildung: weil Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen besonders drastisch nach links rücken und in ein erhöhtes Polarisierungsverhältnis zu den Männern treten, deren politische Positionen eher vom elterlichen Herkunftsmilieu als vom Bildungsweg abzuhängen scheinen.

Andreas Ladner / Reto Steiner: Die Schweizer Gemeinden im Wandel: Konvergenz oder Divergenz?

In einer Vielzahl von Aufgabengebieten stossen 1998 mehr Gemeinden an Leistungsgrenzen als 1994. Eine Analyse nach Gemeindegrösse zeigt aber auch hier auf, dass nach Subgruppen unterschieden werden muss. Das Problembewusstsein zwischen den einzelnen Gemeindegrössen ist 1998 zwar ähnlicher geworden als 1994, dennoch ist ein grosser Teil der Gemeinden von ganz unterschiedlichen Problemen betroffen. Gibt es für die Mehrheit der Gemeinden ein verbindliches Reformziel, so ist es zurzeit die Steigerung der Handlungsfähigkeit des politischen Systems, und dies kann auf unterschiedliche Art und Weise erreicht werden. Und was schliesslich die politischen Akteure anbelangt, so deutet vieles auf eine duale Entwicklung hin. In grösseren Gemeinden und Städten sind die politischen Parteien nach wie vor bedeutungsvoll, während in den kleinen Gemeinden und in bestimmten Kantonen eine Ent(partei)-politisierung der Lokalpolitik stattfindet.

Hans Geser: Von der "projektiven" zur "reaktiven" Kommunalpolitik - html / pdf

Im Vergleich zu den 60er und 70er-Jahren haben die Spielräume für neue langfristige Projekte und Planungen stark abgenommen, und der optimistische Glaube, durch umfassende Strategien die Gemeindeentwicklung fördern und das Auftreten von Problemen verhindern zu können, hat sich verflüchtigt. Stattdessen hat überall eine defensive, reaktive "Reparaturmentalität" überhandgenommen, die wenig Raum für die Verwirklichung neuer Ideen bietet.
Immer mehr werden die Gemeinden auch als "letzte Auffangstationen" für Problemfälle in Anspruch genommen, die durch das Versagen der überlokalen Institutionen entstanden sind.

Hans Geser: Sind Gemeindeangelegenheiten "politisch"?

Kommunale Entscheidungsangelegenheiten werden von den lokalen Parteien überwiegend (und im Zeitraum 1989 bis 2002 zunehmend) als "unpolitisch" charakterisiert. Im besonderen gilt dies für Parteien, die in kleineren Gemeinden angesiedelt sind, keiner überlokalen Parteiorganisation angehören und über eine Mehrheit der Wählerstimmen verfügen. Eine eher "politische" Auffassung von Kommunalpolitik v ertreten hingegen minoritäre Linksparteien: vor allem wenn sie über eine gebildetere Anhängerschaft verfügen und dem programm der Kanntonalpartei eine hohe Bedeutung beimessen.

Mathias Buckecker et. al.: Wege zu einem lebendigen Dorf. Wie Bewohnerinnen und Bewohner ihr Dorf mitgestalten können

Dieses Web-Paket richtet sich an alle, die sich für ein lebendiges
Dorf oder ein lebendiges Quartier einsetzen wollen (z.B. Gemeindebehörden, PlanerInnen, Schule, Kirche, Vereine, Interessengruppen, Interessierte). Ein lebendiges Dorf zeichnet sich besonders durch zwei Qualitäten aus: 
a) engagierte Bewohner und Bewohnerinnen
b) geeignete Möglichkeiten, innovative Ideen auszutauschen und neue Wege der Zusammenarbeit zu finden. 
Beides hängt eng zusammen. Das Web-Paket zeigt Ihnen Wege auf, wie diese Qualitäten gefördert werden können.
Die Projektdatenbank enthält Informationen über verschiedene laufende oder abgeschlossene Mitgestaltungsprojekte im In- und Ausland. Sie dient dazu, den Erfahrungsaustausch zwischen den Beteiligten zu fördern und initiative Gemeinden miteinander zu vernetzen.

Andreas Ladner et. al: Gemeindereformen zwischen Handlungsfähigkeit und Legitimation  Schlussergebnisse der Projektphase 1 (1997-1999)

In den Schweizer Gemeinden sind seit Beginn der 1990er-Jahre verschiedene Reformen eingeleitet worden, um die Leistungsfähigkeit der Gemeinden zu steigern. Im Forschungsprojekt wurden die wichtigsten kommunalen Reformprojekte (NPM, Kooperationen/Fusionen und Neuordnung der Aufgabenteilung) erstmals durch ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Bern (Institut für Organisation und Personal, Institut für Politikwissenschaften und Institut für öffentliches Recht) untersucht. Da viele der Reformvorhaben erst in Umsetzung sind, war es noch nicht möglich, die Auswirkungen umfassend festzustellen. Es war vor allem das Ziel, die Reformaktivitäten auf kommunaler Ebene in Raum und Zeit zu bestimmen und damit eine Grundlage für eine umfassende und vergleichende Analyse von Reformen ganz allgemein zu bilden.

Urs Meuli: Die SP Münchenbuchsee in ihrer öffentlichen Wahrnehmung - pdf

Eine Umfrage bei allen  wahlberechtigten Bürger(innen) der Gemeinde Münchenbuchsee (vom Dez. 2004) gibt Einblick in die öffentliche Wahrnehmung  der sozialdemokratischen Ortspartei. Im besonderen wird deutlich, wie die öffentliche Präsenz, Regierungsbereitschaft, politisch-ideologische Orientierung, Sachkompetenz sowie die öffentlichen Aktivitäten der Lokalsektion von Mitgliedern und Aussenstehenden beurteilt werden, und welche Gründe für die relativ geringe Bereitschaft zur Mitgliedschaft verantwortlich sind.


aktualisiert am 13.11.2009