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Sociology of Work and Organization 


Bibilographische Zitation:
Geser, Hans:
Wissensstrukturen und Berufsstrukturen im gesellschaftlichen Wandel.
Der funktional-morphologische Ansatz als neuer Zugang zur Soziologie der Arbeitswelt. In: Sociology in Switzerland: Sociology of Work and Organization. Online Publikationen. Zürich, August 1998. http://socio.ch/arbeit/t_hgeser3.htm


 

Wissensstrukturen und Berufsstrukturen im gesellschaftlichen Wandel

Der funktional-morphologische Ansatz als neuer Zugang zur Soziologie der Arbeitswelt

Prof. Hans Geser
hg@socio.ch

Soziologisches Institut der Universität Zürich

(August 1998)


Inhalt

1. Zur Typologie der Wissensformen

1.1 Internales Wissen
1.2 Semi-externales Wissen
1.3 Externales Wissen

2. Regularitäten des historischen Wandels

3. Die prekäre Mittelposition des formalen Bildungswissens

 


Zu den faszinierendsten Erkenntnisgewinnen der Soziologie gehört die doppelte Einsicht, dass die Formen und Inhalte menschlichen Wissens einerseits nicht nur einem historischen Wandel, sondern auch einer kausalgesetzlichen Abhängigkeit von sozialen Verhältnissen unterliegen; andererseits aber auch diese selben Sozialverhältnisse mitkonstituieren. 
Die erstere, vom "Sein" zum "Bewusstsein" verlaufende Kausalitätslogik hat vom Marxismus Ausgang genommen und zu einer - vor allem im frühen 20. Jahrhundert florierenden - "Wissenssoziologie" geführt, die weitgehend auf makrosoziologische Themen beschränkt blieb und deshalb die empirische Forschung (die meist unterhalb der Gesellschaftsebene arbeitet) wenig befruchtet hat.
Die umgekehrte Blickrichtung knüpft einerseits an die subjektivistische (bzw. phänemomenologische) Position, dass jede soziale Realität eine von menschlichen Akteuren interpretierte (wenn nicht gar: "konstituierte") Realität darstellt, andererseits aber auch an die ungleich generellere - z. B. im Religionsbereich gut beobachtbare - Tatsache, dass kognitive Strukturen mitdeterminieren, ob und in welcher Weise Menschen in soziale Beziehungen (z. B. der Kooperation, Konkurrenz, Rangierung) zueinander treten und welche Formen der sozialen Systembildung (z. B. Bürokratien, Sozialbewegungen, Kasten und Stände, Geheimgesellschaften u.a.) günstige Entstehungs- und Ueberlebensbedingungen besitzen.
Es ist diese letztere Einsicht, die dem hier vorgeschlagenen Paradigma einer "funktionalen Wissensmorphologie" zugrunde liegt: einem Theorieansatz, der auf vielfältigen Einzelbefunden (z. B. der Kultur-, Organisations- und Berufssoziologie) aufbauen kann und darauf ausgerichtet ist, im Bereich der Mesosoziologie (wo eindeutig der Schwerpunkt der empirischen Sozialforschung liegt) seine hauptsächliche Analysekraft zu entfalten.


1. Zur Typologie der Wissensformen

Jeder Mensch, der arbeitet, diskutiert, einkauft oder sonst wie zielgerichtet handelt, stützt sich dabei Quellen kognitiver Orientierung (bzw. Wissensbestände), die ihm helfen, 
a) die Problemlagen und situativen Rahmenbedingungen, die das Handeln auslösen

b) die kausalen Mittel-Zweck-Beziehungen, die für ein wirkungsvolles Handeln massgebend sind

zu identifizieren.

Dabei erweist es sich als fruchtbar, diese Wissensquellen -ungeachtet ihrer unabsehbaren Vielfalt in allen übrigen Eigenschaften - auf einem eindimensionalen Kontinuum danach zu ordnen, ob sie - bezogen auf den Handelnden - eher einen "internalen" oder einen "externalen" Charakter tragen:

1.1 Internales Wissen

1a) Am äussersten internalen Pol des Kontinuums finden jene völlig personengebundenen Quellen kognitiver Orientierung, die mit Begriffen wie "Talent", "Begabung" oder "Intuition" umschrieben werden. Vom Standpunkt sozialer Systeme aus sind es völlig exogene Qualifikationen, die man nicht objektiv messen und nicht planmässig erzeugen, steigern oder interpersonell übertragen kann, so dass sie idiosynkratisch und unkontrollierbar bleiben und mit jedem Personalwechsel wieder aus dem System verschwinden. 
1b) Bereits etwas 'externaler' ist das Erfahrungswissen, weil es immerhin durch umweltorientierte Wahrnehmungs- und Lernprozesse erworben wird. Aber es bleibt ebenfalls ausserhalb sozialer Kontrolle, insofern es individualistisch (d. h. ausserhalb sozial regulierter Ausbildungsprozesse) erzeugt und im Privatbesitz verwaltet wird und höchstens in sehr aufwendigen mikrosozialen Kommunikationsprozessen teilweise weitervermittelt werden kann.

1.2 Semi-externales Wissen

Hat die Eigenschaft, dass es auf kollektiver Ebene verwaltet, tradiert, diffundiert und weiterentwickelt wird, andererseits aber nur über Mechanismen der Internalisierung (z. B. durch Sozialisation oder Ausbildung) im Handeln wirksam werden kann.

2a) Noch relativ gering ist diese Sozialkontrolle beim "informellen Traditionswissen", das jene unübersehbaren Wissensbestände umfasst, die (wie z. B. die Kenntnisse der Muttersprache, der Haushaltarbeit oder des gewerblichen Handwerks) innerhalb bestimmter Volks-, Status- oder Berufsgruppen ohne spezielle Planung und institutionelle Arrangements in beiläufigen Sozialisationsprozessen übermittelt werden.
2b) Ungleich ausgeprägter ist diese überpersonelle Verankerung im Falle des formalen Ausbildungswissens, das sowohl in seiner Auswahl, Gestaltung und Explikation wie auch in den Formen seiner Vermittlung einer zuverlässigen institutionellen Steuerung und Normierung (durch speziell dafür ausdifferenzierte Rollen- und Organisationsstrukturen) unterliegt.

1.3 Externales Wissen

Ist von individuellen Einflüssen weitgehend unabhängig, weil es nicht im physischen Gedächtnis von Menschen, sondern auf materiellen Medien gespeichert wird und in Handlungen wirksam werden kann, ohne dass dafür umfangreiche Prozesse des subjektiven Erlernens notwendig sind.

3a) Schriftliches Regelwissen umfasst die in Textdokumenten (z. B. in Gesetzen und Dienstreglementen, Betriebsanleitungen, Kochrezeptbüchern oder Enzyklopädien) explizierten kognitiven Orientierungen, die immerhin noch der individuellen Kenntnisnahme bedürfen, aber in Form und Inhalt völlig auf überindividueller Ebene (z. B. von Bürokratien) gestaltet, interpretiert, ausser Geltung gesetzt oder weiterentwickelt werden.
3b) Materialisiertes Wissen schliesslich ist ein Sammelbegriff für die in der Form physischer technischer Apparaturen (z. B. Maschinen) oder maschinenlesbarer Programmierung (z. B. Software) inkarnierten Wissensbestände, die - z. B. beim Drehen elektrischer Schalter oder beim Starten eines Computers - vom individuellen Akteur völlig ohne einschlägige Kenntnisse in Wirkung gesetzt werden können.

Evidenterweise haben all diese Wissensformen ihre je spezifische Affinität zu bestimmten sozialen Strukturen. Z. B. begünstigt Intuition und Erfahrung sehr dezentralisiert-individualisierte Sozialsysteme, wie sie z. B. in den bürgerlichen Unternehmer- oder Intellektuellenschichten, Künstlergruppen oder in mystisch orientierten religiösen Bewegungen ihre Ausprägung haben. Das Traditions- und Bildungswissen dient hingegen eher dem Erhalt kohäsiver gemeinschaftlicher Gruppenkollektive (Zünfte, Gilden oder Professionen), und das externale Wissen steht in eindeutiger Affinität zu formal-bürokratischen und hochtechnisierten Organisationen.
Ebenso eindeutig unterscheiden sie sich andererseits auch in ihren funktionalen Leistungskapazitäten: d.h. in ihrer Eignung für verschiedene Aufgaben und Problemkonstellationen. Intuitionswissen z. B. ist dort gefragt, wo infolge der Einmaligkeit und Unvergleichlichkeit der Problemfälle nicht auf ein vorgängig akkumuliertes Erfahrungs- oder Kollektivwissen zurückgegriffen werden kann, während das technisierte Regelwissen eindeutig bei kausal völlig transparenten in identischer Form immer wiederkehrenden Aufgabentypen im Vordergrund steht. Das Traditions- und Bildungswissen hat seinen Schwerpunkt dort, wo Problemfälle zwar unvorhersehbar variieren, aber mit Hilfe eines konstanten Kanons an Wissensbständen lösbar sind (z. B. in Rechtsberufen, in der wissenschaftlichen Forschung oder in der kurativen Medizin).


2. Regularitäten des historischen Wandels

Wenn man die neuere Kultur- und Sozialgeschichte unter diesem neuen wissensmorphologischen Blickwinkel ins Auge fasst, lässt sich - in gröbster Vereinfachung - die These formulieren, dass innerhalb der vergangenen 500 Jahre ein Trend zur "heteromorphen Poiarisierung" vorherrschend war.

Während im Mittelalter sowohl in der Landwirtschaft wie im Handwerk, in der Kunst wie in der Wissenschaft, Erziehung und Religion das "informelle Traditionswissen" dominiert hat (welches für die ständische Differenzierung ebenso wie für die Familienzentrierung und die lokale Segmentierung der Gesellschaft mitverantwortlich war), so lässt sich die Zeit seit der Renaissance durch zwei scharf geschiedene, andererseits aber komplementär aufeinander bezogene Trends charakterisieren:

Die erstere, bekanntere Entwicklung besteht aus der Summe jener Vorgänge der Wissensexternalisierung, die unter Begriffen wie "Verschulung", "Bürokratisierung", "Mechanisierung", "Automatisierung" und neuerdings "Informatisierung" subsumiert werden und allesamt darauf ausgerichtet sind, implizites informelles Traditionswissen durch expliziteres, personenunabhängigeres, der institutionellen Kontrolle und Weiterentwicklung besser zugängliche Wissensbestände zu ersetzen.

In der Sozialwissenschaft haben diese Prozesse, in denen man die Hauptursachen für die tiefgreifenden sozio-ökonomischen und kulturellen Wandlungen der letzten paar Jahrhunderte sieht, in verschiedenen einflussreichen Theoriekonzepten ihren Niederschlag gefunden:

  • in der marxistischen Vorstellung, dass industrielle Organisation und Maschinentechnologie traditionelles Handwerkswissen überflüssig mache und den Arbeiter zum unqualifizierten, austauschbaren Proletarier degradiere;

  • im Konzept des "Taylorismus", wo explizit das Ziel statuiert wird, das bisher von den Arbeitern privat (bzw. gruppenmässig verwaltete) informelle Produktionswissen mittels schriftlicher Explikation in den Kollektivbesitz des Unternehmens zu überführen;

  • im Idealtypus der auf gesatztem Recht, formalen Regeln und schriftlichen Akten basierenden bürokratischen Herrschaft, in der sich gemäss Max Weber die rationalistischen Maximen des Okzidents ihren gesellschaftlich verbindlichsten und wirkungsvollsten Ausdruck finden.

Bezeichnenderweise haben praktisch alle progressivistischen gesellschaftstheoretischen Entwürfe an diesen Externalisierungsprozessen festgemacht: in der richtigen Einsicht, dass nur externale Wissensbestände einer nach oben hin offenen Anreicherung und Weiterentwicklung zugänglich sind, während z. B. das Intuitions- und Erfahrungswissen infolge seiner Personengebundenheit immer auf demselben niedrigen Niveau verharrt. In diesem Sinne hat etwa der Fortschrittsoptimismus der Aufklärung in die Erziehung und schulische Bildung des Menschen beträchtliche Hoffnungen gesetzt, während der Begriff "Industriegesellschaft" die im wirtschaftlichen Produktionsbetrieb sichtbare Kombination aus Organisierung und Technisierung ins Zentrum rückt, und mit dem aktuellen Konzept "Informationsgesellschaft" die Vorstellung verbunden ist, dass der aktuelle und künftige Wandel in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft auf der Digitalisierung des Wissens (d.h. seiner Ueberführung in einen völlig externalen und fungiblen Aggregatzustand) basiere.

Der gegenteilige Trend zur Informalisierung und Personalisierung des Wissens manifestiert sich vor allem in der hohen gesellschaftlichen Bedeutung von Funktionsgruppen, die - wie z. B. Unternehmer oder Intellektuelle (aber auch Erfinder, Entdecker und Pioniere aller Art) - ihre Fähigkeiten zumindest nicht primär auf formale Bildungsqualifikationen abstützen, sondern auf diffuse idiosynkratische Talente und Begabungen, die nicht planmässig erzeugbar oder interpersonell übertragbar sind.

Besonders drastisch zeigt sich dieser Internalisierungsprozess am Beispiel der bildenden Kunst, die bis ins Spätmittelalter als ein regulär erlernbares und zunftmässig kollektiviertes Handwerk galt, seit der Renaissance - und in verabsolutierter Form seit der Romantik - aber als eine individualisierte Aktivität betrachtet wird, in der sich das unverwechselbare schöpferische Genie des einzelnen Werkautors manifestiert.

Parallel dazu hat sich auch bei sozialen Berufen die Auffassung durchgesetzt, dass z. B. die Qualität und Wirksamkeit von Erziehern, Lehrern, Seelsorgern, Militäroffizieren, Sozialarbeitern oder Sterbebegleitern höchstens in lockerem Masse mit ihrer Formalbildung zu tun habe, sehr viel mehr hingegen mit Faktoren persönlicher Ausstrahlung, intuitiver Einfühlung oder charakterlicher Integrität, die an der partikulären Persönlichkeit haften und nicht ex ante erlernt und abgeprüft werden können, sondern bloss ex post (d.h. im Rahmen der Rollentätigkeit) in Erscheinung treten.

Während die Informalisierung der kulturellen Berufe viel damit zu tun hat, dass institutionelle Normierungen (z. B. über die ästhetische Gestaltung von Bildwerken) verschwunden sind und ein Zwang zur andauernden Originalität und innovativen Kreativität überhand genommen hat, so hängt die Subjektivierung sozialer Berufe damit zusammen, dass die betreuten Individuen zunehmend als autonome (und damit: unberechenbare) ALTER EGO's mit je einzigartigen Charaktermerkmalen, Fähigkeiten und Entwicklungspotentialen in Rechnung gestellt werden - anstatt wie früher als Subjekte, die mit standardisiertem Drill in eine ganz bestimmte kulturelle Tradition einsozialisiert werden sollen. 

Ebenso zeigt sich darin, dass trotz (oder vielleicht wegen?) der Entfaltung der Humanwissenschaften weniger als jemals an deterministische Theorien menschlichen Verhaltens geglaubt wird, auf die sich profesionelle Erzieher oder Therapeuten abstützen könnten: mit der Folge, dass man Waisenkinder lieber in beliebigen Pflegefamilien als in Heimen mit Spezialpersonal unterbringt und man Drogensüchtige lieber dem Dilettantismus ihrer Wohngemeinde ausliefert anstatt sie in Spezialanstalten professionellen Heilverfahren zu unterziehen.

Ein Blick auf neueste Reorganisationsentwicklungen im Unternehmensbereich zeigt, dass analoge Informalisierungen auch - ja gerade - in sehr moderne Zweige wirtschaftlicher Produktion eindringen. So verschiebt sich bei "lean production" das qualifikatorische Anforderungsprofil erheblich zu jenen Sozialkompetenzen und Personalqualifikationen, wie sie für eine produktive Kooperation in selbständigen Arbeitsteams und für den flexiblen Umgang mit Kunden und Lieferanten unverzichtbar sind. Dies hat erwiesenermassen dazu geführt, dass Arbeitgeber bei der Auswahl von Lehrlingen eher auf deren persönliches Auftreten, familiäres Umfeld und soziale Freizeitaktivitäten als auf Schulzeugnisse oder berufsbezogene Vorqualifizierungen achten.


3. Die prekäre Mittelposition des formalen Bildungswissens

Während im Gefolge von Verwissenschaftlichung, Technisierung und Informatisierung einerseits die externalen Wissensbestände beschleunigt anwachsen, scheint andererseits die - gerade durch diese genannten Prozesse herbeigeführte - zunehmende Expansivität, Komplexität und Dynamik der aktuellen Gesellschaft zu bewirken, dass informelle Traditions- und formelle Bildungswissen zugunsten von Intuitions- und Begabungswissen relativ an Bedeutung verliert. 

Diese (vergleichsweise) Zweitrangigkeit des Bildungswissen manifestiert sich beispielsweise darin, dass es neben den Aerzten und Juristen nur wenigen Berufen gelungen ist, sich im Vollsinne als "Professionen" zu etablieren: d.h. als Gruppen, die allein aufgrund formaler Bildungsqualifiation einen Alleinvertretungsanspruch über ein bestimmtes Aufgabenfeld durchsetzen können.

Bei den meisten andern höherqualifizierten Berufen (z. B. Lehrern, Ingenieuren, Apothekern u.a.) handelt es sich um "Semi-Professionen", die ihren Status in einem "Zweifrontenkrieg" gegen erodierende Einflüsse verteidigen müssen:

1) gegen Uebergriffe von "Dilettanten" (z.B. "Quacksalber"), die behaupten, auch ohne Formalbildung (z. B. aufgrund von Talent, Erfahrung oder informellem Wissen) dieselben Leistungen gleich gut (oder gar besser) erbringen zu können.

2) gegen noch viel unausweichlichere Tendenzen zur Routinisierung und Technisierung, durch die formales Bildungswissen überflüssig wird. So sehen sich z. B. die Apotheker nicht nur von jenen Kräuter- und Wunderheilern bedroht, die volkskulturell oder pseudoreligiös verankerte Rezepte verwenden, sondern noch viel fundamentaler durch die Pharmaindustrie, die sie dazu disqualifiziert, zu blossen Verteilstellen vorgefertigter Präparate zu werden und den Klienten Ratschläge mitzugeben, die auch - dazu noch viel zuverlässiger - auf der Packungsbeilage lesbar sind.

Von manchen Berufsgruppen (z.B. Revisoren und Informatikern) ist in Fallstudien dokumentiert, dass sie ihre Professionalität paradoxerweise durch die Ergebnisse ihrer eigenen Tätigkeit unterminieren: z. B. indem sie all ihr Wissen in leicht handhabbare Computerprogramme einspeichern, die nachher von Personen mit viel niedrigerer Qualifikation benutzt werden können.

Verständlicherweise setzen manche Experten der Entwicklung sogenannter "Expertensysteme" Widerstand entgegen, die zum Ziel haben, das von ihnen persönlich akkumulierte Erfahrungs- und Traditionswissen digital zu externalisieren, um es einer systematischen Integration mit dem Wissen anderer Experten und einer weltweiten niederschwelligen Zugänglichkeit (ohne teure Honorarforderungen) entgegenzuführen.

An diesem letzteren Beispiel wird - wie schon beim obigen Hinweis auf den "Taylorismus" deutlich, dass es nicht nur funktionale Problemerfordernisse, sondern auch soziale Machtkämpfe sind, die auf den Wandel unserer Wissensstrukturen (bzw. die daraufhin zielenden Strategien) einen bestimmenden Einfluss haben.

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Last update: 02 Feb 15

 

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