Merkmale und Funktionsweisen von destruktiven Gruppierungen am Beispiel von Scientology

Yvonne Affolter

Zürich, Mai 2001

Zu dieser Schrift hat die Scientology Kirche Zürich eine kritische Stellungnahme verfasst, die unten im Appendix eingefügt ist. 

 

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

Teil I: Merkmale von vereinnahmenden Gruppierungen

1 Ideologie

1.1 Zur Ideologie von Scientology

1.1.1 Selbstdarstellung
1.1.2 Entstehung / Geschichte
1.1.3 Lehre / Ideologie
1.1.4 Scientology und Dianetik
1.1.5 Dualistisches Weltbild
1.1.6 Gesamtweltverständnis

2 Zentrale Figur: Führer, Guru, Meister

2.1 Der Religionsstifter Ron Hubbard

3 Gruppenstruktur

3.1 Die Organisationsstruktur von Scientology 

4 Kontakte nach Aussen; Umgang mit Ehemaligen und Gegnern 

4.1 Die „Handhabung“ von „Supressive Persons“ bei Scientology

5 Machtanspruch

5.1 Scientology in der Wirtschaft


Teil II: Funktionsweise von destruktiven Gruppierungen

1 Destruktive Gruppierungen: Realität in einer pluralistischen Gesellschaft

2 Crash-Kurse für die Psyche

3 Bewusstseinsmanipulation

3.1 Mentale Umprogrammierung
3.2 Die drei Stadien von Schein

4 Rekrutierung und psychische Manipulation bei Scientology

4.1 Der prototypische Einstieg in die Scientology-Organisation
4.2. Die „Therapiemethode“ von Scientology: Auditing

Diskussion

Literaturverzeichnis

 

Abstract

Die heutige Zeit ist geprägt durch den Zerfall traditioneller Werte und einer „neuen Unübersichtlichkeit“. Viele Zeitgenossen reagieren darauf, indem sie sich Bewegungen anschliessen, die ihnen Veränderungen der Gegebenheiten, Einheit und Sinn versprechen.

Psychogruppen mit autoritärem Führerkult, einer absolutistischen Doktrin, einer hierarchischen Gruppenstruktur und aggressivem Vorgehen gegen Andersdenkende, verstricken Menschen in ein Netz von Abhängigkeiten und rauben dem Individuum die freie Selbstbestimmung. Sie geben klare, schnelle und umsetzbare Antworten auf alle Fragen des Lebens und versprechen Persönlichkeitsentwicklung, Erfolg und Lebenssinn. Durch den Einsatz von manipulativen Psychotechniken üben sie einen tiefgreifenden Einfluss auf ihre Mitglieder aus.

Inhalt


Einleitung

In der öffentlichen Diskussion wird der Sektenbegriff kontrovers behandelt. Er unterliegt einer ständigen Anpassung neuer Definitionen und Umbenennungen. Der Begriff „Sekte“ dient heute als negativer Idealtypus zur Beschreibung von Gruppen, die sich auffällig von der Gesellschaft abgrenzen (Sträuli 2000, S. 194).

Es ist nicht in erster Linie das Ziel dieser Arbeit den Sektenbegriff zu erläutern und zu definieren. Trotzdem erscheint es an dieser Stelle vorerst sinnvoll, eine kurze Einführung in die Thematik zu geben, um das weitere Begriffsverständnis in der vorliegenden Arbeit zu erleichtern.

Was sind eigentlich Sekten? Keine Gruppe nennt sich selber Sekte. Die Gruppen nennen sich eher Gruppierung, Bewegung, Verein, Orden, Bund oder wie beispielsweise Scientology Kirche. Der Begriff „Sekte“ wird von aussen an eine bestimmte Gruppe herangetragen. Im Alltagsgebrauch des christlichen Umfeldes wurde der Begriff „Sekte“ eingeengt auf die Gegenüberstellung von „Kirche“ und bezeichnete fortan Abtrünnige vom wahren Dogma. Der theologische Sektenbegriff wird dabei längst nicht mehr berücksichtigt. Denn dieser klassische Sektenbegriff bezeichnet eine Abspaltung von der christlichen Kirche (lat.: secare = abspalten, abtrennen). Diese „Abspaltungen“ sind bereits vor mehreren Generationen entstanden, und haben einen christlichen Hintergrund. Sie unterscheiden sich von Kirchen durch ihren Absolutheitsanspruch, und verstehen sich als ideale, gottgewollte Gemeinschaft. Sie distanzieren sich von Politik und nehmen somit auch nicht an Wahlen teil. Mitunter verweigern sie jegliche Weltverantwortung. Die klassischen Sekten sind „endzeitlich“ ausgerichtet, und sehen sich als eine Gemeinschaft der Geretteten vor der Apokalypse (Hemminger 1996, S. 15). Beispiele für klassische Sekten sind die Zeugen Jehovas und die Neuapostolische Kirche.

Daneben existieren auch „neue klassische Sekten“. Diese haben christliche und/oder esoterische Grundlagen und werden meistens von einem „neuen Offenbarer“ geführt, der den Willen Gottes an seine Anhänger weitergibt. Auch diese Bewegungen haben für sich den Absolutheitsanspruch auf das Heil sowie die Endzeiterwartung beansprucht. Solche Gruppen üben totalitäre Herrschaft nach Innen aus. Kritiker und Gegner werden aggressiv bekämpft. Die Anhänger befinden sich meistens in der jüngeren Adoleszenz und neigen nach sozialpsychologischen Kriterien zu Radikalität und Kommunikationsproblemen mit der Aussenwelt. (ebd., 1996 S. 17-18). Beispiele für neue „klassische“ Gruppen sind Universelles Leben, Fiat Lux und die Michaelsvereinigung.

Um eine Verwechslung mit diesen „klassischen Sekten“ zu vermeiden, wurden eine Vielzahl von neuen Begriffen für Gruppierungen mit konfrontativer Stellung zur Gesellschaft eingeführt wie beispielsweise „Jugendreligionen“, „Neue Religiöse Bewegungen“, „Totalitäre Kulte“, „Weltanschauungsgemeinschaften“, „Sondergruppen“, „Psychogruppen“ und „Politgruppen“.

Aus den USA kam erstmals der Begriff „Destructive Cults“[1] und Hugo Stamm spricht sogar von „Gruppen mit vereinnahmender Tendenz“ (Stamm 1994).

Die für die vorliegende Arbeit interessanteste Gruppierung sind Psycho- und Politgruppen, zu denen man unter anderem die macht- und erfolgsorientierte Gruppe der Scientology-Organisation zählen kann.[2] Die Psycho- und Politgruppen sind organisierte Weltanschauungsgemeinschaften auf ideologischer oder „wissenschaftlicher“ Basis. Sie machen therapeutische Angebote und versprechen mit ihren Methoden und Techniken Lebenshilfe. Gleichsam verspricht Scientology dem Menschen, mit ihren magisch- okkulten Seminarangeboten, finanziellen Gewinn und enormen Machtzuwachs (Hemminger 1996, S. 20).

Im Alltagsgebrauch der Öffentlichkeit wird Sekte nach wie vor als Sammelbegriff für all diese konfliktträchtigen Gruppierungen verwendet. In den nachstehenden Ausführungen wird deshalb weitgehend auf den Begriff „Sekte“ verzichtet. Anstelle dessen, werden die obengenannten Begriffe zur Beschreibung von Gruppierungen mit Konfliktpotential synonym verwendet.

Wie sich schon herauskristallisiert hat, sollen in dieser Arbeit Psycho- respektive destruktive Kulte etwas genauer betrachtet werden. Dabei sind ganz bestimmte Merkmale solcher Gruppierungen von grosser Relevanz. Um diese Thematik besser zu veranschaulichen, werden diese deskriptiven Merkmale am Beispiel der Scientology-Organisation reflektiert.

Ferner werden folgende Fragestellungen behandelt: Warum finden Sekten in der heutigen Zeit so grossen Zuwachs? Inwieweit tragen die Gruppierungen durch ihr Verhalten dazu bei, dass sich Menschen einer solchen Gruppe anschliessen? Gibt es so etwas wie psychische Manipulation? Welche Techniken wenden die Scientologen zur Rekrutierung neuer Mitglieder an?

Ausgeklammert wird aus Gründen des Umfangs die Frage, ob Scientology eine Religion ist oder nicht, sowie die Thematik der feindseligen Haltung, die Scientologen gegenüber Psychiatern und Psychologen haben.

In der scientologischen Literatur sowie in der vorliegenden Arbeit finden sich Begriffe wie beispielsweise Auditing, Aberration, Engramm oder Reinigungsrundown usw. Diese Begriffe sind in keinem Wörterbuch zu finden. Sie bilden eine eigene Terminologie und sollen die Wissenschaftlichkeit von Scientology verifizieren.

Sämtliche im vorliegenden Text vorkommenden „Fachwörter“ sind kursiv gedruckt und werden in einer Fussnote erklärt. Manchmal werden diese auch im Verlauf des Haupttextes erläutert.

Inhalt


Teil I: Merkmale von vereinnahmenden Gruppierungen

Ein unabdingbares Merkmal der Definition eines Kultes beziehungsweise einer Psychogruppe ist ihre autoritäre Struktur. Kulte sind an ihrer Wertvorstellungen zu erkennen, die sich weitgehend auf Macht, Geld und uneingeschränkte Autorität des Führers gründen. Geheimnistuerei, bewachte Grenzen und strenge Regeln in Bezug auf Auskunftserteilung sind Tatsachen, die sich mit der öffentlich propagierten Offenheit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit nicht vereinbaren lassen. Ein weiteres Hauptmerkmal solcher vereinnahmenden Gruppen ist, dass sie die freie, eigenverantwortliche Selbstbestimmung der Anhänger beeinträchtigen und deren Autonomie untergraben (Eschmann 2000, S. 26-37).

Es gibt bestimmte Merkmale zur Beurteilung problematischer Gruppen. Dazu gehört unter anderem das Gefahrenpotential der „Versektung“ (Gross 1996, S. 34). Die Ausprägung dieser Merkmale ist abhängig von der Grösse, dem Alter und der Organisationsstruktur der Gruppen sowie der Vielschichtigkeit der Lehre. Je mehr dieser Merkmale in einem ausgeprägten Ausmass auf eine Gemeinschaft zutreffen, desto eher kann es sich um einen destruktiven Kult handeln und desto mehr kann von Vereinnahmung, suggestiver Beeinflussung und Indoktrination ausgegangen werden.

Es sollen nachfolgend einige dieser wesentlichen Merkmale destruktiver Gruppierungen erläutert und beispielhaft anhand der Scientology-Organisation reflektiert werden. Dabei ist die Zahl der behandelten Merkmale in der vorliegenden Arbeit auf die prägnantesten Aspekte beschränkt. Die Erläuterung sämtlicher Merkmale würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Inhalt

1 Ideologie

Grundlage jeder Sondergemeinschaft ist eine ausgefeilte Ideologie. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Differenziertheit/Strukturiertheit und der Dauer der Existenz einer Gruppe (Gross 1996, S. 34). Wenn folgende Tendenzen vorliegen, kann die Ideologie als problematisch gelten:

a) Monopolanspruch: Die Ideologie wird als einziges gültiges Welterklärungssystem betrachtet und jede andere Lehre wird diskreditiert. Sie ist ein in sich geschlossenes Welt- oder Menschenbild, und hat unbeschränkte Gültigkeit. Es bietet auf alle Fragen oder Probleme eine Antwort.

b) Allmachtsphantasien: Den Anhängern wird die absolute spirituelle oder religiöse Erlösung versprochen. Es herrscht eine Art Grössenwahn vor, alles sei in den Griff zu bekommen (ebd., 1996, S. 35).

Die Gruppe verfügt zudem über ein enormes c) Elitebewusstsein. Die Mitglieder haben das Gefühl, die einzig wahre Weltsicht zu besitzen und zu den Auserlesenen zu gehören, die befähigt sind, die Menschheit zu retten. Sie verlieren sich in ihrer Überschätzung der eigenen Bedeutung. Der Grad des Fanatismus’ ist hoch (ebd., 1996, S. 39).

 

1.1 Zur Ideologie von Scientology

Als erstes soll die Ideologie von Scientology detailliert aufgezeigt werden, um ein Bild dieser Organisation zu vermitteln. Daraus wird schnell ersichtlich, wie ausgefeilt und durchstrukturiert deren „Heilstheorie“ ist und konsequenterweise, wie stark der Monopolanspruch, die Allmachtsphantasien und das Elitebewusstsein ausgeprägt sind:

1.1.1 Selbstdarstellung

Scientology beschreibt sich selber in der Öffentlichkeit als eine angewandte religiöse Philosophie, die ein Verfahren zur geistigen Beratung entwickelt hat. Sie stellt eine weltweite Religionsgemeinschaft dar, die sich mit dem Studium des menschlichen Geistes in seiner Beziehung zu sich selbst, zum Universum und zu anderem Leben befasst. Sie verspricht Patentrezepte gegen psychiatrische Missbräuche sowie die Lösung von Erziehungs- und Drogenproblemen (Funke 1995, S. 164). Diese „gesellschaftlichen Probleme“ sollen mit der Heilstheorie von Scientology gelöst werden können. Ebenso soll das Therapieverfahren den fähigen Menschen noch fähiger machen.

1.1.2 Entstehung / Geschichte

Die Scientology-Bewegung basiert auf den Lehren des Science-Fiction-Autors Lafayette Ron Hubbard. Er beschäftigte sich 1935 mit der Erforschung der Anatomie des menschlichen Verstandes. Im Jahre 1950 gelang ihm der literarische Durchbruch, er legte erstmals seine „Forschungsergebnisse“ in Form eines Buches vor: Dianetics - The modern Science of Mental Health. Das Buch wurde in den USA unmittelbar nach seiner Veröffentlichung zum Bestseller.

Bereits 1952 wird die „Church of Scientology of California“ erstmals gegründet. Die Lehre breitet sich zunächst im amerikanischen und englischen Raum aus.

1.1.3 Lehre / Ideologie

Der Mensch besteht nach den Grundlagen von Scientology aus drei Teilen: Dem Verstand, dem Thetan und dem Körper.

Verstand (mind)

Hubbard vergleicht den Verstand mit einem Computer, in dem man alle Daten speichern kann. Im Verstand befindet sich die Aufzeichnung sämtlicher Erlebnisse, die eine Person jemals hatte. Diese bestehen aus Bildern und deren Ablauf ist chronologisch [3]. Der Mind lässt sich in den analytischen und den reaktiven Mind unterteilen. Der analytische Mind speichert bewusst alle aufgenommenen Wahrnehmungen in eine Datenbank, kombiniert diese und zieht Schlussfolgerungen. Der reaktive Mind ist eine Art Unbewusstes und speichert alle negativen Ereignisse, wie seelischen und körperlichen Schmerz in seiner Datenbank. Alle negativen Geschehnisse, die mit Schmerz oder mit Trauer verbunden sind, enthalten ein gewisses Mass an Bewusstlosigkeit. Gemäss Scientology-Axiomen nimmt man in einem negativen Bewusstseinszustand die Umgebung nicht mehr bewusst wahr (Jacobi 1999, S.15). Abbildung 1 aus Jacobi 1999, S.16

Thetan

Hinter dem reaktiven und dem analytischen Mind entdeckt Hubbard Mitte 60er Jahre den Thetan: ein geistiges, masseloses und unsterbliches Wesen. Der Begriff ist eine Erfindung/Kunstwort und beschreibt die Seele oder den Geist des Menschen. Der Thetan löst sich beim Tod vom Körper los, um sich wieder einen neuen Körper zu suchen (Reinkarnation). Er kann sich laut Hubbard innerhalb des Kopfes oder auch ausserhalb des Körpers befinden und ihn von aussen kontrollieren (Jacobi 1999 S.13). Thetan ist also der eigentliche Mensch, der unabhängig von seinem Körper, seinem Bewusstsein und seinem Verstand existieren kann. Er unterliegt deswegen auch nicht den Beschränkungen von Zeit, Raum und Materie. Er existiert über dem Universum und hat die Fähigkeit, sich dieses Universum aus Materie, Energie, Raum und Zeit - MEST genannt- eigens zu erschaffen. So kann es für den Thetan verschiedene Seins-Zustände geben (Hauth, 1979, S. 48). Der Thetan bestimmt sich selbst. Er ist selbst die Ursache für Wirkungen.

Körper

Grundsätzlich wird der Körper ignoriert. Er ist nur ein massives, physisches Anhängsel des Thetans und macht diesen äusserlich erkennbar. Er dient dem Thetan gleichsam als Kommunikationszentrum und besteht aus einer Kohlen-/Sauerstoff-Verbindung. Damit diese „Maschine“ funktionieren kann, benötigt sie eine Temperatur von 37°C (ebd., 1999 S. 18).

Hindernisse, die den Mind davon abhalten fähig zu werden, sind sogenannte Engramme. Engramme sind Bewusstseinsinhalte, die im Unterbewussten (etwa vergleichbar mit dem Unbewussten nach S. Freud) den Verstand steuern. Diese Engramme sind Ursache von Aberration [4] und psychosomatischen Krankheiten. Dieses „Fehlverhalten“ hindert den Menschen an der totalen geistigen und spirituellen Freiheit. Kernpunkt der Lehre ist also das Erreichen des absoluten Heils des Thetans und dass er fähig wird, sich selbst zu bestimmen und selbst Ursache für Wirkung zu sein.

Versprochen wird ein Zustand, in dem der Mensch zur „absoluten Fähigkeit“ gelangt. Die Scientology-Bewegung will den Menschen über die Brücke [5] zu einem neuen geistigen Zustand, zu einem neuen geistigen Dasein führen. Als Clear [6] ist das Mitglied der ideale Mensch, der sagenhafte Fähigkeiten zurückgewinnt, wie zum Beispiel im All zu überleben oder sich an zwei Orten gleichzeitig aufhalten zu können (Poweleit 1996, S. 91.). Die nächste Konsequenz ist dann die OT-Stufe (Operating-Thetan [7]). Dieser Weg ist auf einer Klassifizierungskarte, die aufsteigende Bewusstseinszustände beschreibt, genau festgelegt. Er symbolisiert die Reise von der Unwissenheit zur Offenbarung (Die Brücke zur völligen Freiheit).

1.1.4 Scientology und Dianetik

Zur Verbreitung ihrer Lehre bedient sich Scientology zweier Techniken, bekannt unter dem Namen „Scientology“ und „Dianetik“.

Scientology ist eine Weiterentwicklung von Dianetik und hat diese als Teilgebiet integriert. Man kann es auch dahingehend formulieren, dass sich Dianetik auf praktische Anwendung bezieht, und dass es sich bei Scientology um den dazugehörigen theoretischen Rahmen, eine Art philosophisches Raster handelt (Hauth 1979 S. 46).

Der Begriff Scientology setzt sich zusammen aus den Wörtern „logos“ (griech.: die Lehre von...) und „Scio“ (lat.: Wissen). Es bedeutet demnach „die Lehre vom Wissen“ oder „Wissen, wie man weiss“.

„Scientology“ umfasst, wie bereits erwähnt, das Studium des menschlichen Geistes in seiner Beziehung zum Universum und dessen Lebensformen.

Dianetik ist ebenfalls ein Kunstwort (griech.: dia = durch, netik = Verstand) und ermittelt, wie durch die Klärung des Verstandes ein optimales Verhältnis der menschlichen Seele zum Körper hergestellt werden kann (Baumgartner 1993, S. 92). Die Methode ist eine Art Psychotraining, welches sich an den Körper richtet und daher verwendet wird, Krankheiten, negative Emotionen und Schmerz zu eliminieren.

1.1.5 Dualistisches Weltbild

Der Thetan als Geisteswesen ist der wahre Mensch, die Person selbst. Nicht der Körper, nicht sein Name und nicht das physische Universum. Nicht der Verstand des Menschen, sondern das, was sich bewusst ist im Menschen: das „Sich-Bewusst-Sein“, das „Selbstbewusstsein“ (Baumgartner 1993, S. 96). In dieser Weltanschauung ist so etwas wie eine Zweiteilung der Welt konzipiert, etwa analog zur cartesischen Zweiteilung der Welt in res extensa [8] und res cogitans [9]. Beide stellen nach R. Descartes die dualistische Ontologie des Seienden dar. Diese beiden Welten sind nach Hubbard nur durch einen Unglücksfall miteinander in Berührung gekommen. Das Ziel soll also sein, die res cogitans zu befreien.

1.1.6 Gesamtweltverständnis

Der „neue Mensch“ wird buchstäblich herangezüchtet. Das ultimative Ziel der Scientologen ist aber, den ganzen Planeten mit all seinen Bewohnern clear zu machen - clear the planet: Eine Welt ohne Krieg, Kriminalität und Wahnsinn. Eine Welt mit paradiesischen Zuständen, da alle Ursachen menschlicher Unzulänglichkeiten und Verirrungen ausgeschaltet sind. Dieses Bestreben zeigt deutlich die Allmachtsphantasien und das Innehaben eines absoluten Monopolanspruchs:

Scientology ist in keiner Weise tolerant gegenüber anderen Gruppierungen, Techniken oder Weltanschauungen. Die Gruppe nimmt für sich in Anspruch, im Besitz der einzigen, absoluten Wahrheit zu sein. Ein ehemaliges Mitglied berichtet, dass das Gedankengut der Gruppe nützlich und ethisch sei, und dass diese Tatsache keine Diskurse zulasse. Alles von Scientology abweichende Gedankengut wird als illegal diskreditiert und geächtet [10] (Penny „o.J.“). Viele Mitglieder, die sich in diese Organisation begeben haben, erlebten bald ein totalitäres System, das seine Anhänger brutal diszipliniert und reglementiert. Totalitäre Systeme sind einander ähnlich. Sie begründen auf Faszination, Bevormundung und Manipulation der Mitglieder sowie auf Unterdrückung der Opposition (siehe Kapitel 2.5.1.) durch eine alleinherrschende Elite. Durch Kurse wird den Novizen das Bewusstsein vermittelt, dass sie nun in den Kreis der Scientologen aufgenommen werden, und dass sie somit zu den wenigen auserwählten Menschen, also zu einer Elite, die noch zu Lebzeiten höhere Bewussteinszustände erreichen kann, gehören. So wird den Neo-Scientologen suggeriert, sie könnten menschliche Vollkommenheit erreichen und bisher ungeahnte intellektuelle und geistige Fähigkeiten entwickeln (Funke 1995, S. 166)

Ähnlich wie beim Nationalsozialismus, bei dem es darum ging die „arische Herrenrasse“ heranzuzüchten, zielt Scientology darauf ab, „geklärte Wesen“ und „operierende Thetanen“ in den Stand einer überlegenen Spezies zu erheben (Widmer „o.J.“). Da Scientologen Inhaber einer absoluten Wahrheit und psychisch „voll fähige“ Übermenschen sind, zählen sie sich wie die arische Rasse zu einer erhabenen Elite der Gesellschaft.

Innerhalb der Organisation gibt es eine Ethikkommission. Der Zweck der scientologischen Ethik [11] ist nach Hubbard, dass Gegen- und Fremdabsichten aus der Umwelt entfernt werden müssen. Das heisst, kleinste Verhaltensabweichungen oder Meinungsdifferenzen werden durch die sogenannten „Ethic-Orders“ bestraft. Höchstes Ziel der Ethik ist das Überleben einer durch Scientology „geklärten Rasse“ (Langel 1995, S. 52).

Diese Äusserung zeigt, dass es bei Scientology nicht um das friedliche Nebeneinander von kontroversen Weltanschauungen geht. Der demokratisch-pluralistische Konsens unserer Gesellschaft wird verlassen und die Privatsache Religion wird zur öffentlichen Angelegenheit (Poweleit 1996, S. 94.).

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2. Zentrale Figur: Führer, Guru, Meister

Eine zentrale Rolle spielt der Initiators der Lehre. Falls der Führer den Anspruch hat, ein Monopol auf die Wahrheit zu haben, wenn er die oberste Autorität besitzt und über Recht und Unrecht entscheidet, wenn er kritiklose Loyalität verlangt und Widersprüche nicht duldet, zudem macht- und geldgierig ist, dann sind die wesentlichen Aspekte bezüglich Führerfigur erfüllt, um von destruktiven Kulten zu sprechen (Gross 1996, S. 36). Die Mitglieder, die in seinem Dienste stehen, sind vollkommen auf ihn fixiert. Ein kritisches Hinterfragen seines Verhaltens ist ihnen nicht mehr möglich. Seine Worte und Schriften sind heilige Weisheiten. Ein weiteres typisches Merkmal ist die Charismatisierung: Der Gründer hat schon als Kind Beachtliches geleistet, verfügt über erstaunliche Fähigkeiten und seine Lebensgeschichte wird nachträglich idealisiert. Ist der Kultführer verstorben, werden seine Aussagen immer noch verehrt. Eine Veränderung seiner Lehren wird a priori ausgeschlossen. Der Führer ist diktatorisch und reagiert aggressiv und schikanös auf Dissidenten (Langel 1995, S. 131).

 

2.1 Der Religionsstifter Ron Hubbard

Initiator ist der amerikanische Science-Fiction-Autor Lafayette Ronald (Ron) Hubbard (1911-1986). Über ihn existieren mehrere Biographien. Da sehr vieles erfunden zu sein scheint, sind die folgenden Angaben nur auf das Wesentliche, das als einigermassen gesichert gilt, beschränkt:

Von Hubbard wird berichtet, dass er schon in jungen Jahren die ganze Welt bereist und dabei unglaubliche Abenteuer erlebt habe. Schon mit 14 Jahren sei er mit seinem Vater nach China gereist, wo er mit buddhistischen Priestern in Kontakt kam und die östlichen Weltanschauungen erforscht habe. Mit 18 Jahren soll er eine Forschungsexpedition in Afrika und mit 20 Jahren mehrere Reisen in Südamerika (Jacobi 1999, S. 54) geleitet haben. In seinen Selbstdarstellungen wird immer wieder erwähnt, er sei schon als Kind mit ausserordentlichen Fähigkeiten ausgestattet gewesen. So konnte er beispielsweise reiten, bevor gehen konnte. Bereits mit 3,5 Jahren konnte er lesen und mit 12 Jahren habe er eine Vielzahl bekannter Klassiker der Erde gelesen.

Der Lebenslauf des Scientology-Gründers, ist gemäss Haack (1995, S. 20) eine Schöpfung der Organisation oder des Gründers selbst, und entspreche wohl weitgehend weniger der Wirklichkeit. Diesbezügliche Nachforschungen über Hubbard haben ergeben, dass er zwar viele Studien (Mathematik, technische Wissenschaften, Philosophie, Medizin und Kernphysik) angefangen, aber keine beendet habe. Im zweiten Weltkrieg habe Hubbard schwere Verletzungen erlitten, wie „starke Lähmungen und Erblindung“, die er durch seine eigenen Forschungen auf dem Gebiet des menschlichen Verstandes geheilt haben soll. In Wirklichkeit litt er aber an psychosomatischen Dysfunktionen wie Zwölffingerdarm-Geschwür, Arthritis und Bindehautentzündung (ebd., S. 33).

Nach dem Krieg wurde Hubbard Mitglied im „Ordo Tempoli Orientis“ in Kalifornien, einem okkulten Teufels- und Dämonorden, wo er viel über Magie lernte. Alistair Crowley, deren geistiger Führer und schwarze Magier, löste bei Hubbard grosse Bewunderung aus und so transferierte Hubbard Elemente seines Denkens in die Theorie der Scientology. In den 50er Jahren versetzte er seine Theorie mit Elaboraten aus früheren Schriftstellerzeiten und entwickelte so eine ausdifferenzierte Science-Fiction-Lebensphilosophie. Die Quellen seiner selbstgestrickten Theorie sind unter anderem auch: Die Veden, das Tao, Buddha, Jesus, Sokrates, Voltaire usw.

Die Tatsache, dass Hubbard Materialen aus allen möglichen Religionen, Philosophien und anderen Wahrheiten wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammengefügt hat, lässt den Eindruck eines hochintelligenten Mannes entstehen. Fehlende Fakten auf den oberen Stufen seiner Ideologie ersetzte Hubbard durch viel Phantasie. Dabei darf nicht vergessen werden, dass er es als Science-Fiction Autor verstand, Spannung zu erzeugen. Der Einfallsreichtum, mit dem er arbeitet, lässt auf ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen und eine unglaubliche Fähigkeit zum analytischen Denken schliessen. So ist ihm mit dem OT-Material (Operating Thetan) eine weitere Science-Fiction gelungen, aus deren Fangnetz es schwierig ist, zu entkommen (Jacobi 1999, S. 56).

Hubbard, der als Einzelkind bei seinen Grosseltern in Tilden/Nebraska aufgewachsen ist, und dort ein Blutsbruder der Schwarzfuss-Indiander war, scheint einen pathologischen Geltungswahn zu haben. Ein Zeuge berichtet, dass Hubbard ein Mann war, dem um jeden Preis Gehorsam geleistet werden musste. Man habe klatschen müssen, wenn er den Raum betrat (Nicholson 1972 zitiert nach Haack 1995, S. 18). Es ist leicht vorstellbar, wie er sich in der Bewunderung seiner Anhänger gesonnt und in seinem Grössenwahn bald selber geglaubt hat, der Retter der Menschheit zu sein, zumal seine ständig wachsende Anhängerzahl ihn immer mehr darin bestärkte.

Hubbard führt ein rigides Regiment. Die Tatsache der finanziellen Ausplünderung der Mitglieder, stiess schnell auf öffentliche Kritik. In mehreren Ländern wurde gegen Hubbard gerichtlich vorgegangen und zum Teil wurde er auch verurteilt.

Im Jahre 1966 zog er sich aus der Organisation zurück. Er hinterliess ein straff organisiertes, linientreues Management. 1968 wurde in England ein Einreiseverbot für die leitenden Personen der Scientology ausgesprochen.

Viele Jahre verbrachte Hubbard auf einem Schiff und unternahm eine Vielzahl von „Forschungsreisen“ auf den Weltmeeren. In der einschlägigen Literatur wird jedoch angenommen, dass der Aufenthalt auf dieser sogenannten „SeaOrg“, dem Zweck diente, nicht an Land zu gehen. Letztlich wurde er in zahlreichen Ländern polizeilich gesucht (Langel 1995, S. 46).

„Doch was Hubbard nun auch immer gewesen sein mag, sei es der bewusste Betrüger, der grössenwahnsinnige Psychopath, der manische Machthungrige, der eigennützige Seelenforscher oder alles zusammen - er hat jedenfalls sein Ziel erreicht: absolute Macht über mehrere Millionen Menschen und dabei von ihnen als Retter der Menschheit verehrt zu werden.“ (Jacobi 1999, S. 59)

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3. Gruppenstruktur

Totalitäre Ideologie und autoritäre Führerfigur sind alleine noch nicht Voraussetzungen, für das Entstehen eines Kultes. Ein wichtiges Merkmal ist mitunter auch die Struktur der Gruppe. Eine destruktive Gruppierung weist eine steile Hierarchie auf.

In fast allen vereinnahmenden Gruppen findet man ein mehr oder weniger ausgebildetes Disziplinierungssystem, welches eine übermässige Behinderung des freien Willens bewirkt. Typisch sind Spitzeleien untereinander oder eine Überwachung durch eine Art Geheimpolizei sowie Strafen bei Übertreten der Gruppennormen (Gross 1996, S. 40).

 

3.1 Die Organisationsstruktur von Scientology

An der Spitze der hierarchisch strukturierten Organisation steht das „Religious Technology Center“. Dieses wacht von Amerika aus über die gesamte Religion der Scientology. Als höchste geistliche Autorität von Scientology gilt das „Watchdog Committee“ (Wachhund-Komitee). Es steuert sämtliche Aktivitäten und wird von der sogenannten „Sea Organization“, einer Eliteorganisation von Scientologen unterstützt. Diese „SeaOrg“ ist streng militärisch strukturiert. Ihre Mitglieder tragen Marineuniformen und einen militärischen Titel. Die internationale Machtzentrale mit Sitz in Los Angeles hat Kontakt zu allen nationalen und regionalen Kirchen und Missionen. Sie überwacht diese mit einer Vielzahl von Führungsanweisungen.

Scientology verfügt über eine interne Motivationsstruktur: Eine solche Motivation wird durch ein Punkte-System aufrechterhalten. Dieses System orientiert sich an der Verkaufsleistung des Mitgliedes und regelt dessen Aufstieg und Autoritätsgewinn innerhalb der Organisation, vorrangig zum Zwecke der Gewinnmaximierung. Eine interne Ethik-Organisation regelt nach „dem Prinzip des finanziellen Anreizes“ Belohnungen und Bestrafungen, die mit sozialem Auf- und Abstieg in der Gruppe gekoppelt sind (Baumgartner 1993 S. 114). Der Leistungsdruck, der so bei den Mitgliedern entsteht, ist sehr hoch.

Die Ethik-Kommission hat auch noch eine andere Aufgabe: Sie ist ein internes Rechtssystem mit entsprechenden Gerichten und Strafen (Jacobi 1999, S. 74). Sobald ein Mitglied von einem nicht optimalen Verhalten eines anderen Mitgliedes erfährt oder selbst davon betroffen ist, ist es verpflichtet, einen „Wissensbericht“ darüber zu schreiben und bei der Ethik-Abteilung einzureichen. Die betreffende Person wird darauf hin gehandhabt [12]. Wer der Ethikkommission einen Wissensbericht vorenthält, wird selbst den Exekutiven der Kommission gemeldet und muss sich entsprechenden Aktionen unterziehen. Es handelt sich dabei also um ein gutfunktionierendes Bespitzelungssystem. Auf diese Weise ist die Kirche immer über ihre Mitglieder informiert und kann gegebenenfalls rechtzeitig Massnahmen einleiten.

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4. Kontakte nach Aussen; Umgang mit Ehemaligen und Gegnern

Viele Gruppen isolieren ihre Anhänger von der Aussenwelt beziehungsweise von ihrem früheren Beziehungsgeflecht, was zu Entfremdung und Kontaktabbrüchen führt. Vor allem dann, wenn sich Bezugspersonen (Partner, Freunde, Familie) nicht missionieren lassen oder Kritik gegenüber der Gruppe äussern. Den Mitgliedern innerhalb des Kultes werden Informationen über das Weltgeschehen vorenthalten. Ehemalige und Aussteiger werden zu „Feinden“ degradiert, denen man alles antun darf und zu denen jeglicher Kontakt untersagt ist. Sie werden mit Wiedereintrittsangeboten überhäuft und mit Kontaktversuchen verfolgt.

Kritiker und Gegner werden nach der Kriegslogik behandelt. Es existiert nur ein Freund-Feind-Schema. Die Destruktivität ist dann gegeben, wenn Kritiker aggressiv behandelt werden und als verrückt, geisteskrank und kriminell abgestempelt werden (Hemminger 1996; Poweleit 1996; Eschmann 2000, S. 26). So kommt es immer wieder vor, dass Kritiker und Aussteiger verunglimpft, Prozesse angedroht und manchmal eigentliche Feldzüge auf publizistischer oder juristischer Ebene geführt werden. Je destruktiver ein Kult, desto eher greift er beim Umgang mit Kritikern auch zu illegalen Mitteln: körperliche Attacken, Gerichtsprozesse, Telefonterror, Drohungen, Spionage in der Vergangenheit, öffentlich diffamieren und mundtot machen.

 

4.1 Die Handhabung von „Supressive Persons“ bei Scientology

Die Realität besteht für Scientologen aus Mitglieder und Nicht-Mitglieder. Wer sich gegen die Errettung des Planeten Erde wehrt oder den Versuch unternimmt, diesen Weg zu kritisieren, wird von Scientology als eine SP (Suppressive Person = Unterdrücker) betrachtet und muss gehandhabt werden, weil er dem Heilsweg entgegensteht.

Unterdrücker gibt es sowohl intern als auch extern. All jenen, die sich seiner Mission, die Weltherrschaft zu übernehmen, in den Weg stellen, widmet Hubbard ausführliche Beschreibungen und stilisiert sie zum Feindbild der gesamten Organisation hoch. Dabei befolgt er ein wesentliches Erfolgsrezept bei der Bildung von (religiösen) Massenbewegungen, wie es Eric Hoffer in seinem Buch The True Believer (zu dt.: Der Fanatiker) beschreibt. „Massenbewegungen können auch ohne den Glauben an einen Gott florieren, niemals aber ohne den Glauben an einen Teufel.“ (Hoffer 1999, S. 114). Und der Teufel der Scientology ist „die unterdrückerische Person“.

Um diese Unterdrücker daran zu hindern, ihre Arbeit gegen die Erlösung der Welt zu tun, hat Hubbard seine eigenen „ethischen“ Grundsätze entworfen (Baumgartner 1993 S. 105). Es werden Kurse angeboten, eigens zu dem Zweck, Kritiker ausfindig zu machen und die PTS (Potential Trouble Source = Menschen mit Gefahrenpotential [13]oder Ärgernisverursacher) und SP zu entdecken, zu handhaben und weiterzuleiten. Denn diese Unterdrücker seien am üblen Zustand der Welt Schuld. In einem Richtlinienbrief von Hubbard steht: „Wenn jemand eingeschrieben ist, so ist er an Bord, und wenn er an Bord ist, dann ist er zu den selben Bedingungen hier wie alle anderen von uns (...). Du bist hier, also bist du Scientologe, was auch immer geschieht. Wir haben dich lieber tot, als unfähig.“ (1965, zitiert nach Poweleit 1996, S. 90).

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5. Machtanspruch

Aus der Ideologie eines destruktiven Kultes lässt sich ein ausgeprägter Machtanspruch ableiten, der über die religiösen Zielsetzungen hinaus geht. Die Anhänger werden gedrängt Spenden zu zahlen und die Vermittlung der Heilslehre ist mit Kosten verbunden. Die Gruppe ist durch ihre Expansion finanziell gut abgesichert, wenn nicht sogar sehr reich. Mitglieder beteiligen sich am Missionsauftrag, indem sie Bücher, Broschüren, Seminare und andere Angebote verkaufen (Stamm 1995).

 

5.1 Scientology in der Wirtschaft

Scientology ist ein auf den Verkauf von Büchern und Kursen orientiertes Unternehmen und gilt unter Experten als aggressivste, aktivste und grösste Wirtschaftssekte der Welt (Gross 1996, Poweleit 1996).

Geld zu machen ist zum wichtigsten Credo geworden. Schon 1947 sagte der Gründer Ron Hubbard auf einem Schriftstellerkongress, es zeuge von Dummheit, auch nur für einen Penny ein Wort zu schreiben. Wenn man eine Million Dollar machen wolle, so sei der beste Weg, eine eigene Religion zu gründen (Hubbard 1947, zitiert nach Gross 1996 S. 11). Ein anderes Zitat, das auf die Habgier des Initiators hinweist, stammt aus den 50er Jahren, kurz nach der Gründung: „Mach Geld, mach mehr Geld, sorge dafür, dass andere Geld machen.“ (Vgl. ebd., 1996, S. 11). Diese Aussage kann mit folgendem Zitat aus einer eidesstattlichen Erklärung vom 7. März 1980 untermauert werden:

„Die Öffentlichkeit ist zu befragen, und es ist herauszufinden, was sie braucht. Wenn man weiss, was sie will, dann ist der Öffentlichkeit zu sagen, dass Scientology diesen Bedarf decken wird. Das ist einzuhämmern (...) Man nehme einen laufenden Scientology-Kurs und zerlege ihn in mehrere Teile. Dann verkaufe man jeden einzelnen Teil für mehr Geld als der ursprüngliche Kurs kostet. Wenn wir einen Kurs erweitern, ohne jeglichen neuen Inhalt hinzuzufügen, dann machen wir mehr Geld. Wir verdreifachen die Einnahmen, ohne irgend etwas zusätzliches zu bieten“ (ABI 1980, S. 8-9)

Es fällt auf, dass alle Bereiche, in denen rasch viel Geld gemacht werden kann, ein für Scientology interessantes Einzugsgebiet darstellen. Besonders beliebt sind zur Zeit Personal- und Unternehmensberatung sowie Management Seminare, das Immobiliengeschäft, die Computerbranche und die Farb- und Stilberatung (Gross 1996, S. 11.; Poweleit 1996, S. 88). Ohne dass die Verbindung zu Scientology offensichtlich ist, werden Scientologen in entsprechende Schlüsselstellen eingeschleust. Dieser Vorgang wird in einer internen Verwaltungsanordnung ED 1040 mit dem Titel „Ein Plan für die Ausweitung von Scientology auf das Geschäftsleben“ genau beschrieben:

  1. Such dir ein Geschäft aus, welches bereits sehr gut arbeitet

  2. Wende dich an den höchsten Direktor. Biete ihm an, dafür zu sorgen, dass sein Geschäft ihm immer mehr Geld einbringt

  3. Lokalisiere SPs in der Organisation und wirf sie hinaus

  4. Auditiere die leitenden Angestellten und zeige ihnen, um was es sich handelt, das wird dann den Zyklus in Gang setzen: die leitenden Angestellten werden die Jungmanager und das andere Personal dazu drängen, Auditing zu nehmen (Hubbard „o.J.“ zitiert nach Poweleit 1996, S. 88).

Die Organisation von Scientology ist unterteilt in verschiedene Bereiche: In eine eigentliche Kirche, die den Verkauf von Büchern und Kommunikationsseminaren betreibt. ABLE (Association for better living and Education) nimmt Einfluss im sozialen und kulturellen Bereich. WISE (World Institut of Scientology Enterprises), ist der bedeutsamste Bereich, weil er für die Vermarktung des Persönlichkeitstests “Oxford Capacity Analysis” (OCA) verantwortlich ist. Dieser Test wird dazu verwendet, Menschen auf der Strasse zu missionieren, sie auf ihre seelischen Probleme aufmerksam zu machen und ihnen gleichzeitig den Weg zur Erlösung (Die Brücke zur Freiheit) anzubieten. Mit Hilfe dieses Tests, auch als U-Test bekannt und mit Managementseminaren wird auf die Personalpolitik in Unternehmen Einfluss genommen. Dafür gibt es eine entsprechende Unterorganisation mit dem Namen „Choice International“. Weder kleine, mittlere noch grosse Unternehmen sind vor der Unterwanderung der Scientologen gefeit. Die Frage, wieweit der Einfluss von Scientology in Gesellschaft und Wirtschaft fortgeschritten ist, würde sich durch Bilanzen und Zahlen verdeutlichen lassen. Da Scientology aber über eine kartellartige Organisationsstruktur verfügt und die Bilanzen verschleiert, lässt sich der Einfluss nur schwer schätzen, geschweige denn exakt bestimmen. Experten gehen aber davon aus, dass der Umsatz weltweit mehrere Milliarden Dollar beträgt (Poweleit 1996, S. 88).

Scientology unterhält zudem mehrere Unterorganisationen, sog. Tarnorganisationen wie z.B.:

  • Narconon (Drogenrehabilitation)

  • Scientology Missions International

  • WISE (Welt-Institut von Scientology-Unternehmungen)

  • ABLE (Assoziation für besseres Leben und Erziehung)

  • New Era Publications

  • Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte

  • Dianetik-Zentren

  • Aktionskomitee „Sag NEIN zu Drogen“

  • College für angewandte Philosophie

  • Z.I.E.L. (Zentrum für individuelles und effektives Lernen)

  • U-Man International (Personalberatung) (Funke, Klaus, 1995)

Es gibt zwei Gründe für die Schaffung von Neben- und Unterorganisationen: Einerseits geht es darum, für spezielle Zielgruppen ein spezifisches Angebot zu erstellen und andererseits soll das schlechte Image oder die Stigmatisierung der Sekte in der Gesellschaft vertuscht werden, um so den Menschen versteckt ihre Ideologie zu verkaufen (Gross 1996, S. ).

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Teil II: Funktionsweise von destruktiven Gruppierungen

Weltanschauungsgemeinschaften finden immer mehr Zulauf. Der enorme gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass zunehmend mehr Menschen unter Sinnkrisen leiden. Gleichzeitig ist auch die Zahl der um die einzelnen Menschen missionierenden (und zum Teil mit Einsatz von Propagandamittel operierenden) Gruppierungen stetig gestiegen. Warum finden diese Gruppen in der heutigen Zeit des Individualismus und der „kultivierten Selbstbestimmung“ (Flammer, Philipp, 2000, S. 70) immer noch Zulauf, obwohl die Problematik der „Sektentätigkeiten“ publiziert und die Bevölkerung weitgehend über ihre Machenschaften informiert ist? Wie kommt es, dass Scientology zunehmend expandiert, obwohl der Name in der Öffentlichkeit längst bekannt und negativ konnotiert ist?

Eine einfache Antwort auf die Frage nach den Ursachen gibt es nicht. Wahrscheinlich muss von einem multifaktoriellen Bedingungsgefüge ausgegangen werden, um zu erklären, warum immer mehr Menschen Zugang in entsprechende Kulte finden. Meines Erachtens scheint es sinnvoll, die Gründe nicht nur beim Individuum, sondern auch bei den „Sinnanbietern“ zu suchen. Das Zustandekommen einer Mitgliedschaft ist Resultat einer wechselseitigen Beziehung zwischen beiden Parteien und eine eindeutige Kausalität ist inexistent oder kann zumindest nicht bestimmt werden.

In den nachstehenden Unterkapiteln sollen folgende Fragen thematisiert werden: Warum fruchten destruktive Kulte in der heutigen Gesellschaft (Kapitel 3.1. und 3.2.)? Inwieweit tragen die Gruppierungen durch ihr Verhalten dazu bei, dass sich Individuen dem Zwang einer Gruppe unterwerfen? Gibt es so etwas wie psychische Beeinflussung (Kapitel 3.3. und 3.4)? Wie rekrutiert Scientology ihre Mitglieder und wie sehen ihre Praktiken aus. (Kapitel 3.5.)?

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1. Destruktive Gruppierungen: Realität in einer pluralistischen Gesellschaft

Die heutige Gesellschaft, gekennzeichnet durch Individualisierung, Zersplitterung, ausgeprägten Pluralismus, was religiöse und philosophische Fragen betrifft, sich zuspitzende berufliche Spezialisierung bei gleichzeitiger Transformation der Berufswelt, zunehmende globalisierende Wirtschaft, sowie durch zunehmende Informationsflut, befindet sich in einer Komplexitätsexplosion. Die Gesellschaft verliert sich zunehmend in Ängsten vor Arbeitslosigkeit, soziokulturellem Wandel, Umweltkrisen oder sogar vor Krieg. Kurz: die Welt ist im Umbruch.

Aber auch in der nächsten Umgebung macht sich Unsicherheit breit. Menschliche Grundbedürfnisse nach sozialer Integration und einem vertrauten Netzwerk werden verdrängt. Die Familie als Ort der Sicherheit zerfällt zunehmend und ein grosser Teil der Gesellschaft lebt als Single.

Die Glaubwürdigkeit von Autoritäten schwindet in allen Bereichen: Die Politik macht mit ihren Korruptionsskandalen und Spendenaffären in den Medien von sich reden und das soziale Engagement der Kirche ist zwar gesellschaftlich immer noch anerkannt, doch der dogmatisch-religiöse Hintergrund verliert zunehmend an Relevanz (Langel 1995, S. 169). Unsere Gesellschaft ist, wie gesagt, geprägt von Komplexität und Differenziertheit. Für das Individuum ist die Vielgestaltigkeit gesellschaftlicher Zusammenhänge derart unübersichtlich geworden, dass es sich in seine individuelle Sphäre zurückzieht und dort auf eine einfache, überschaubare Antwort wartet (Gross 1996).

Zudem werden sowohl das gesellschaftliche Normsystem, als auch ethisch-moralischen Werte immer mehr in Frage gestellt. „Viele Menschen fühlen sich in der Frage, welche Werte denn nun wirklich und allgemein verbindlich gelten sollten, alleine gelassen.“ (Langel 1995, S. 172). Habermas (1996) hat diesen Vorgang einmal als „Die neue Unübersichtlichkeit“ bezeichnet.

Der rasche Wandel fördert die Unsicherheit des Individuums und steigert das Frustrationspotential. Verlust an Orientierung, Geborgenheit, Sinn und Zukunft löst Unsicherheit aus und mündet bei vielen Menschen in eine Identitätskrise. Daraus entsteht ein Bedürfnis nach Sicherheit und Einfachheit. Gesundheit, geistige und materielle Weiterentwicklung, innerer Frieden und Bewusstseinserweiterung werden angestrebt respektive gesucht (Poweleit 1996, S. 103). Das Verlangen nach einer Veränderung drängt die Individuen. Menschen neigen dazu, die Ursachen, die unser Leben gestalten, ausserhalb, also der Umwelt zu attribuieren (Hoffer 1999, S. 15). Erfolg und Misserfolg sind in unserem Bewusstsein häufig mit äusseren Bedingungen verknüpft. Und so ist für zufriedene Menschen die Welt, so wie sie ist, in Ordnung und soll zukünftig auch so bleiben. Der Enttäuschte dagegen verlangt nach (radikaler) Veränderung. Eric Hoffer schreibt, es sei eine Binsenwahrheit, dass viele, die sich einer aufkeimenden revolutionären Bewegung anschliessen, von der Aussicht auf plötzliche und durchgreifende Veränderungen in ihren Lebensbedingungen dazu verleitet werden. Denn revolutionäre Bewegungen seien ein ausgezeichnetes Instrument zur Herbeiführung solcher Veränderungen (ebd., 1999, S. 11).

Die Doktrin oder die Heilslehre, die eine Gruppe anbietet, spielt beim Entschluss, sich der entsprechenden Gruppe anzuschliessen, eine sekundäre Rolle. Vielmehr ist die Tatsache, dass eine Gruppierung Zuflucht vor „Ängsten, Unfruchtbarkeit und Bedeutungslosigkeit der eigenen Existenz“ bietet, von zentraler Bedeutung (ebd., 1999, S. 56).

Gleichzeitig offeriert der „Psychomarkt“ - in einer Zeit des Wertewandels mit den damit verbundenen Unsicherheiten - ein Gemeinschaftsgefühl. Er kompensiert die soziale Isolation, er gibt dem Individuum eine Identität und liefert Antworten auf Sinnfragen.

Der Psychomarkt holt den Menschen quasi dort ab, wo er sich befindet und dementsprechend ist er auch zu einem Wachstumsmarkt geworden. Immer häufiger gibt es neue (pseudo) religiöse Trends. Für jede Zielgruppe gibt es Angebote. Immer mehr Menschen holen sich ihre Sinnsysteme im „spirituellen Supermarkt“ (Gross 1997, S. 7).

Praktisch alle destruktiven Gruppierungen behaupten, über Konzepte und Lösungswege zu verfügen, welche die höchst verdorbene und unvollkommene Gesellschaft verbessern können. Während in der „nichtsektiererischen Welt“ Problemanalysen und Lösungsansätze nicht von Anfang an gegeben sind, sondern intensiv um und über solche gestritten und debattiert wird, bis sich ein Konsens abzeichnet, wissen diese Gruppen nicht nur, wo die Probleme tatsächlich liegen, sondern bieten auch die perfekten und einzig brauchbaren Lösungskonzepte an (Flammer 2000, S. 71).

Ferner bieten Kulte dem desorientierten Novizen ein Raster mit zwei gegenteiligen Polen: Es gibt nur gut-böse, schwarz-weiss, Freund-Feind. Diese einfache Lebensanschauung hilft, sich in einer immer komplizierter werdenden Welt zurecht zu finden. Mangelerscheinungen in der heutigen Gesellschaft hinsichtlich globaler, politischer, religiöser, gesundheitlicher und sozialer Krisen sind für viele Menschen präsent. Durch die Heilsversprechen der Gruppe wird der Mensch „gezwungen“, sich der Ideologie der Gemeinschaft anzuschliessen. Zu Beginn wird der Novize durch grosse Zuwendung (love-bombing) bestärkt. Es gelingt ihm so manch leidvolle Erfahrungen zu bekämpfen und sich auf die „wichtigen Aufgaben“ zu konzentrieren (Poweleit 1996, S.104).

Wie schon erwähnt, kommt dabei den Führungspersönlichkeiten beziehungsweise den Leitern der Gruppen eine beachtliche Bedeutung zu. Sie werden zu Identifikationsfiguren. Durch ihre charismatischen Fähigkeiten und durch ihr Wirken werden sie für die Mitglieder zu Vorbildern. Sie führen und sind für das „Gemeinwohl“ der Gruppe verantwortlich. Die Verantwortung wird an sie delegiert. Dies erleichtert die Entscheidungsfindung und die Wertorientierung in mancher Hinsicht, was wiederum den Leidensdruck der Betroffenen mindert, aber auch die Abhängigkeit fördert (ebd., 1996, S. 104).

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2. Crash-Kurse für die Psyche

Persönlichkeitstrainings, Motivationsseminare und Crash-Kurse für die Psyche liegen im Trend. Statt langfristiger Verhaltensänderungen und mühsamer Selbstreflexionen sind schnelle Patentrezepte gefragt. Die Persönlichkeitsveränderung soll schnell und effektiv sein. Diese Trainings basieren oft auf der Vermittlung von Techniken, die es ermöglichen sollen, in kürzester Zeit, mit sehr wenig Aufwand, grossen Erfolg zu erzielen. Scientology beispielsweise verspricht den Menschen in kurzer Zeit mehr Leistung, Erfolg, Freude, Gesundheit und Freiheit, wenn man sich der Gruppe anschliesst. Aufgrund all dieser Versprechen ist Scientology mit den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft völlig kompatibel. „Jeder dieser Begriffe ist, im Querschnitt der Gesellschaft gesehen, positiv besetzt.“ (Potthoff 1993, S. 42).

Gerade Manager gehen davon aus, dass sich bei richtigem Training die Erfolgspersönlichkeit schnell entwickelt. Doch nicht jedes Training hält, was es verspricht. Beim Rekrutieren neuer Anhänger greifen zahlreiche Anbieter beziehungsweise Gruppierungen auf fragwürdige und manipulative Methoden zurück. Sie erzeugen geschickt Erfolgserlebnisse und in vielen Unternehmen werden sie sogar als Geheimtipp gehandelt (Schwertfeger 2000, S. 92). Im Training werden autoritärer Drill und Demütigung als Weg zur Leistungsfähigkeit und Selbstbewusstsein verherrlicht. Mit wenig Schlaf, exzessiven Gruppensitzungen und Schweigegebot sollen die inneren Blockaden überwunden werden. Entsprechend dem Auditing (siehe Kapitel 4.2.) bei Scientology soll der Kursnehmer sein Innerstes preisgeben, emotional belastende Übungen absolvieren und danach nichts über das Seminar erzählen, damit sich auch künftige Teilnehmer ganz auf den Prozess einlassen können. Die Teilnehmer lassen diese Methoden über sich ergehen und lassen sich zu unmündigen Marionetten degradieren und befolgen unkritisch abstruse Befehle der Trainer. Ein Beispiel für eine solche Methode ist das Reinigungsrundown bei Scientology. Bei diesem Verfahren wird der Körper von Drogen-, Medikamenten- und Strahlungsrückständen durch tägliche Saunagänge gereinigt, kombiniert mit der Einnahme von hochdosierten Vitaminen. Das Ziel des Reinigungsrundowns ist erstens, bessere Fortschritte im Auditing zu erreichen, und zweitens, künftige Immunität gegen radioaktive Strahlungen zu erlangen (Jacobi 1999, S. 109).

Die Teilnehmer sind so im doppelten Sinne gefährdet: zum einen erwarten sie am Ende die Erlösung. Und nur wer brav mitmacht, der wird den versprochenen Erfolg haben. Zum anderen ist es im nachhinein schwierig, sich selbst und dem Umfeld einzugestehen, dass man sich degradieren liess. Tatsächlich sind viele danach begeistert und schwärmen von der „intensivsten Zeit meines Lebens“ (Schwertfeger 2000, S. 92).

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3. Bewusstseinsmanipulation

Im selben Ausmass, in dem destruktive Gruppierungen dazu neigen, in ihrer Ideologie zu Totalitarismus, Fanatismus und Extremismus zu tendieren, neigen sie auch dazu, eine totalitäre oder allumfassende Kontrolle über das Verhalten ihrer Mitglieder auszuüben. Die meisten Gruppierungen erwarten von ihren Mitgliedern, dass sie zunehmend mehr Zeit, Energie, Geld oder andere Ressourcen für die Ziele der Gruppe einsetzen. Dieses Engagement könnte bei Scientology beispielsweise im vermehrten Besuch von Kursen, erhöhter Spendentätigkeit, Kontaktabbruch von potentiellen Gefahrenquellen (PTS = Potential Trouble Source, beispielsweise Familienangehörige), oder dem Bruch mit dem bisherigen Lebensstil bestehen. Die zunehmende Isolation von der Aussenwelt ist eine der verbreitetsten Mechanismen, wie Mitglieder zum Zwecke der Kontrolle abhängig gemacht werden (Singer 1995, S. 38). Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt für die Manipulation ist nicht etwa physische Gewalt, sondern die Sprache. Schon in Orwells Vision von 1984 zeigte sich, dass ein lächelnder „Grosser Bruder“ leichter Macht über das Denken und die Entscheidungen von Menschen zu gewinnen vermag, als jemand, der offensichtlich bedrohlich und gefährlich wirkt (Orwell 2000).

 

3.1 Mentale Umprogrammierung

Mentale Umprogrammierung wird durch einen graduellen Prozess der Destabilisierung und Umwandlung erreicht. Diese Form der Manipulation sozialer und psychologischer Einflussfaktoren wird nach Singer (1995) „Programme“ bezeichnet, weil der Wandel systematisch und Schritt für Schritt erfolgt. Da diese Veränderungen dazu führen, dass bestimmte Einstellungen erlernt und angenommen werden, die in der Regel auch bestimmte Verhaltensweisen nach sich ziehen, wird das Ergebnis „mentale Umprogrammierung“ genannt.

Das Ziel dieser Umprogrammierung ist:

  1. Das Selbstgefühl einer Person zu destabilisieren.

  2. Die Person dazu zu bewegen, ihre herkömmliche Lebensgeschichte neu zu interpretieren, und ihre Weltsicht zu ändern, um neue Zusammenhänge zu akzeptieren.

  3. Die Person von der Gruppe abhängig und dadurch zu einem Werkzeug der Organisation zu machen (Singer 1995, S.93).

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3.2 Die drei Stadien von Schein

Wie Sekten Anhänger werben und sie gefügig machen, beschreibt Margaret Singer in ihrem Buch „Sekten - wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können“. Sie analysiert darin Grundmuster psychischer Manipulationsmethoden. Dabei berücksichtigt sie drei mögliche Vorgehensweisen, wovon eine näher erklärt werden soll: Die drei Stadien von Edgar Schein (1961). Er entwickelte ein Konzept der „zweifachen Identität“, das den Prozess psychischer Deformation beschreibt.

Die Bearbeitung mit Hilfe der Bewusstseinskontrolle beginnt, so heisst es, unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit der Gruppe (beispielsweise nach einem Persönlichkeitstest bei Scientology oder einem Workshop). Der Einfluss der Gruppe weitet sich kontinuierlich auf Gefühle, Gedanken und Verhalten des Betroffenen aus. Die Umgestaltung der Persönlichkeitsstruktur durchläuft die drei Stadien „Aufbrechen (Unfreezing), Verändern (Changing) und Fixieren (Refreezing)“.

1. Aufbrechen: In dieser ersten Phase werden Persönlichkeit, Einstellungen und das gesamte Selbstgefühl des Angeworbenen zunächst destabilisiert, indem die Realität einerseits durch physiologische Desorientierung (Schlafentzug, Veränderung der Ernährung), durch strenge Regeln und aufwühlenden Übungen und andererseits durch Gruppenprozesse (Gruppenvorträge, Belohnung/Bestrafung usw.) erschüttert wird. Es erfolgt eine emotionale Destabilisierung und eine Identitätskrise. Das neue Mitglied soll zu der Meinung gebracht werden, sein ganzes vergangenes Leben sei schlecht und falsch gewesen. Der ganze Vorgang bewirkt, dass das Mitglied wirklich nicht mehr weiss, was richtig und falsch ist, was es tun, und wie es sich entscheiden soll. Das Selbstvertrauen wird völlig minimiert und ausgehöhlt. Dieser Zustand macht die Person suggestibel und verstärkt ihre Abhängigkeit von der Gruppe, weil sie nach dem „richtigen Denken“ und dem „richtigen Verhalten“ sucht. Von der Gruppe erhält man die richtigen Lösungen vorgesetzt (Singer 1995, S.106).

2. Verändern: In der Phase des Veränderns entsteht beim Mitglied der Eindruck, dass die angebotenen Lösungen ein guter Weg sind. Unsicherheit und Selbstzweifel nehmen am Anfang spürbar ab, wenn sich der Novize die Konzepte der Gruppe zu eigen macht. Zusätzlich dienen die anderen Gruppenmitglieder als Modell und der Novize beginnt deren Verhalten nachzuahmen (vgl. Banduras Theorie (1979) Lernen am Modell).

Wenn man öffentlich eine Meinung vertritt, so ist man auch bestrebt, dieses öffentliche Bekenntnis durch sein eigenes Verhalten zu bekräftigen. Hat das Mitglied nun diesen inneren Mechanismus in der Gruppe vollzogen, adaptiert es schnell an das Denken der Gruppe. Daraus resultiert, dass wenn es so denkt wie die Gruppe (und das in einem Umfeld, von dem das Mitglied nicht weiss, dass es zwangsstrukturiert ist beziehungsweise manipuliert wird), so beginnt der Anhänger zu glauben, er sei selbst auf diesen Gedanken gekommen (Singer 1995, S. 108).

3. Fixieren: In der dritten Phase werden erwünschtes Verhalten vom Novizen durch soziale und psychologische Belohnungen positiv verstärkt und negative Einstellungen bestraft (vgl. Skinner’s Theorie (1953) des Operanten Konditionierens). So wird der ideale Anhänger „produziert“: Ein gefügiges, gehorsames und hart arbeitendes Gruppenmitglied (Singer 1995, S. 108).

Diese neue, „sektenkonforme“ Persönlichkeitsstruktur wird dadurch fixiert. Eine weitere Form von Fixierung besteht dann darin, dem Mitglied irrationale Ängste vor dem Ausstieg aus der Gruppe zu induzieren.

Das Mitglied hat eine neue, artifizielle Identität mit neuen Werten und neuer Sprache entwickelt. Diese Identität überlagert die alte, und so hat das Mitglied gewissermassen zwei Identitäten, nämlich eine authentische und eine „Pseudoidentität“ (ebd., 1995, S. 111).

Die Betroffenen merken meist nicht, dass ihre Einstellungen verändert wurden. Sie reagieren begeistert, weil sie durch einen raffinierten Prozess dazu konditioniert wurden, begeistert zu reagieren. Menschen, die unwissentlich manipuliert wurden, fühlen sich nie extern beeinflusst (Schwertfeger 2000, S. 96). Sie sind davon überzeugt, dass sich ihre Einstellungsänderung von ganz alleine ergeben hat, und dass sie freiwillig zu ihren neuen Überzeugungen und Erkenntnissen gekommen sind. Daraus resultiert, dass die Mitglieder die Gruppe respektive den Kult gar nicht mehr verlassen wollen. Sie haben die Illusion, sie würden sich in der Gruppe wohl fühlen (Hassan, 1993, S. 112-121).

Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz (1957) hilft, die Dynamik des Prozesses dieser graduellen Manipulation zu verstehen. Sie besagt, dass Personen im allgemeinen motiviert sind, einstellungskonsonante Informationen aktiv aufzusuchen und einstellungsdissonante Informationen zu vermeiden, um eine bereits getroffene Entscheidung oder Einstellung zu stabilisieren und auf diese Weise kognitive Dissonanz zu vermeiden. Kognitive Dissonanz löst beim Menschen eine aversive Spannung aus, und wird deshalb vermieden. Auf die Manipulation der Sekten übertragen, heisst das, dass Veränderungen des Denkens oder Verhaltens zu einem Anpassungsdruck führen und es zu einer Angleichung der Einstellung kommt.

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4. Rekrutierung und psychische Manipulation bei Scientology

Um sich diese graduelle, soziale Anpassung besser vorstellen zu können, wird im folgenden am Beispiel von Scientology gezeigt, wie sie bei der Rekrutierung neuer Anhänger vorgehen (Kapitel 4.1.) und welche Technik sie benutzen, um das Selbstkonzept ihrer Mitglieder zu destabilisieren (Kapitel 4.2.)

4.1 Der prototypische Einstieg in die Scientology-Organisation

Der Einstieg erfolgt häufig über einen kostenlosen Persönlichkeitstest mit 200 Fragen, zu dem man auf der Strasse von einem adretten jungen Scientologen eingeladen wird. Die Missionare werden für diese Werbefeldzüge intensiv geschult. Dem Adressenten gilt es deutlich zu zeigen, dass er die freie Wahl hat, sich das Material anzusehen. Reagiert ein Angesprochener aggressiv oder feindselig, so heisst die Parole: „Abgleiten lassen, freundlich bleiben“ (Langel 1995, S. 39). Die Auswertungen dieser, von Kritikern umstrittenen, Persönlichkeitstests führen in der Regel zu einem schlechten Ergebnis für den Probanden. Der Testperson wird erzählt, sie hätte grosse Fähigkeiten, allerdings mit einigen kleinen Mängeln, die man aber leicht beseitigen könne. Der Getestete erhält in einem Dianetik-Zentrum ein Verkaufsgespräch für scientologische Bücher und Kurse. Mit diesem Material wird dem Betroffenen die Lösung seiner „Probleme“ in Form eines ersten „Kommunikationskurses“ angeboten. Dieser Kommunikationskurs, der auf den Dianetik-Methoden beruht, bietet die Möglichkeit des Aufstiegs, eine reife, erfolgreiche Persönlichkeit zu werden. Die Grundlagen der Hubbardschen Lehre lassen sich mit anderen alten und auch neuen psychologischen und philosophischen Lehren in Einklang bringen oder haben gewisse Ähnlichkeiten. Mit deren Anwendung lassen sich vorerst auch gute Resultate erzielen und das ist eine der Missionsstrategien von Scientology. Denn mit diesen propagierten Wahrheiten werden Novizen schnell einmal zu überzeugten Anhängern (Jacobi 1999, S.11).

Gleichzeitig wird der Novize von der Gruppe gelobt und darin bestärkt, unbedingt weiter zu machen und weitere Kurse zu besuchen, um mehr Fähigkeiten zu erlangen. Der Gruppendruck ist gross. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich mit konträrem Gedankengut auseinander zu setzten, da man rund um die Uhr von anderen Mitgliedern umgeben ist. Weil man immerzu mit scientologischem Gedankengut eingedeckt wird, bleibt kaum Raum und Zeit für die eigene Privatsphäre, ganz zu schweigen davon, überhaupt Zweifel zu entwickeln (Jacobi 1999, S.8). Die Fähigkeit, durch Vergleich mehrerer Informationen zu einer eigenständigen Meinung zu gelangen, geht verloren.

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4.2 Die „Therapiemethode“ von Scientology: Auditing

Scientology verfügt über eine Technik, die sogenannten Thetanen von ihren Engrammen zu befreien. Um dieses Seelenheil nun zu erreichen, bietet Scientology ein System von aufeinander aufbauenden Kursen an (dass diese Kurse aufeinander aufbauen, ist die notwendige Strategie zur sukzessiven Beeinflussung und zeigt deutlich den graduellen Prozess der Psychomutation).

Die Kurse bieten dem preclearen [14] Thetan an, seine Engramme Stück für Stück zu zerstören und zu einem OT (Operating Thetan) zu werden. Es sind 8 Stufen zu durchlaufen (OT-VIII), bis man diesen Zustand erreicht hat.

Die Grundlage beziehungsweise der Startpunkt des Weges zur absoluten geistigen Freiheit ist ein Kurs in Form eines Frage-Antwort-Spiels, genannt Auditing (lat.: audiere = hören) unter Zuhilfenahme eines E-Meters [15] (Elektropsychometer), einer Art Lügendetektor, der den Widerstand der Haut misst. Da die Engramme angeblich elektrisch geladen sind, kann man sie mit diesem Gerät aufspüren und löschen (Langel 1995, S. 40).

Im Auditing werden also solche Engramme aus früheren Lebensphasen (in fortgeschrittenen Kursen sogar aus früheren Inkarnationen) ins Bewusstsein geholt und sofort gelöscht.

Vorerst ist das Ziel dieses therapeutischen Verfahrens die Erreichung der Befreiungsstufe Clear. Der Clear ist gegen eine Vielzahl von Krankheiten immun, er hebt seinen moralischen Standard, ist in seiner Persönlichkeit enorm gestärkt, wird dynamisch, konstruktiv und schöpferisch. Mit Auditing erreicht man nach Hubbard sogar die Fähigkeit, beim Schachspiel einen Zug in zehn Sekunden berechnen zu können, für den ein „normaler“ Spieler eine halbe Stunde brauchen würde. Es erstaunt deshalb nicht, wenn Hubbard zum Schluss kommt, dass sich ein Clear zu einem Durchschnittsmenschen so verhält, wie ein Durchschnittsmensch zu einem Geisteskranken (Hauth 1979, S. 50).

Der Preclear befindet sich während des Auditings in einem Zustand konzentrierter Aufmerksamkeit. Der Auditor („Therapeut“) hilft dem Patienten in den reaktiven Verstand einzudringen, indem er eine bestimmte Frage immer wieder im selben Wortlaut stellt, gleichgültig wie oft der Preaclear die Frage schon beantwortet hat. Jedes Mal, wenn der Preclear eine Antwort gegeben oder einer Anweisung Folge geleistet hat, wird diese Antwort vom Auditor mit „gut“ oder „danke“ bestätigt. Zu Beginn werden allgemeine Informationen aus der Standard Gedächtnis Bank wie Alter, Herkunft, Beruf etc. abgefragt. So kann der Auditor auf der Zeitspur zurück gehen, und alle positiven und negativen Eindrücke aufspüren. Trifft der Auditor auf ein Engramm, so muss der Preclear alle Einzelheiten über dieses unangenehme Ereignis immer wieder von neuem schildern. Die Engramme werden auf diese Weise hervorgeholt und gelöscht. Sie werden entladen und in den analytischen Mind umgespeichert. Gleichzeitig kann der Auditor auf dem E-Meter alle Gefühlsregungen des Preclearen ablesen und ist somit nicht mehr auf objektiv beobachtbare Verhaltensweisen angewiesen (ebd., 1979, S. 51).

Das Inhumane an diesem Verfahren ist, dass der Auditor den Preclearen mit sich alleine lässt. Der Auditor hat zwar das Recht, den „Patienten“ immer wieder auf seine Probleme hin anzusprechen, darf sich aber nicht um ihn kümmern. Hier findet keine Kommunikation statt, sonder eine Manipulation (Baumgartner 1993 S. 101). Der Betroffene wird zum Objekt des Auditingverfahrens und wird auf sich selbst zurückgeworfen, das heisst er ist völlig isoliert, oder wie es Singer ausdrückt, destabilisiert. Gleichzeitig erlebt sich der Patient über mehrere Kurse hinweg in immer grösserer Abhängigkeit von diesem Verfahren.

Das Ergebnis ist eine „Psychomutation“, also eine Veränderung der seelischen Disposition des Preclearen. Er wird sukzessive in seiner Selbsteinschätzung jemand anderer. Als Konsequenz davon verlieren die Kandidaten zunehmend ihr Selbstkonzept und werden immer abhängiger von der Organisation. Unter Anwendung des Konzeptes von Schein, wäre hier bereits das Ausklingen der ersten Stufe erkennbar. Dadurch, dass der Auditor immer wieder auf den Schilderungen des Geschehenen beharrt und die Ereignisse als Probleme des Kandidaten bewertet, fühlt sich die auditierte Person immer unsichererer bezüglich der Interpretation ihrer eigenen Lebensgeschichte. Sie verliert zunehmend ihr Selbstkonzept und ist sich nicht mehr sicher, ob sie in ihrem „alten Leben“ wirklich alles richtig gemacht hat und begibt sich auf die Suche nach neuen Lösungsansätzen. Die psychische Destabilisierung ist beinahe abgeschlossen.

Die ersten Auditingverfahren sind nun beendet. Auf dem Weg in den Zustand Clear gibt es aber noch mehr Kurse (insgesamt 35 Stufen) mit den entsprechenden Büchern dazu. In diesen Kursen wird der neue Scientologe mit Hubbards Theorien eingedeckt und gleichzeitig werden Lösungswege angeboten. Da die ersten Erfolge bereits verzeichnet sind, beginnt das Mitglied an die Theorien zu glauben. Das Mitglied erhält von der Gruppe die notwendige „Unterstützung“ und es kann gleichsam sehen, dass andere Mitglieder mit dieser Methode ebenfalls Erfolge erzielen. Die zweite Phase des Veränderns ist im Gang.

Mittlerweile sind es 15 OT-Stufen, wobei die letzten sieben noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben wurden (deshalb kennt man nur die Stufen bis OT-VIII).

Das Material der OT-Stufen ist Geheimmaterial. Es wird strengstens unter Verschluss gehalten und für den Novizen zu Beginn ein Mysterium. Hubbard begründet die Geheimhaltung mit der Erklärung, das Material sei so machtvoll, dass es für einen Preclear schädlich sein könnte. Die Geheimhaltung erfolgt also nach Hubbard aus Sicherheitsgründen. Durch diese Geheimniskrämerei werden die Scientologen auf den unteren Stufen neugierig. Ehrfürchtig schauen sie zu jenen empor, die das Material bereits kennen. Dies ist eine perfekt durchdachte Strategie. Laut Hubbard soll jede Dienstleistung mit einem Mysterium enden, das nur in der nächsten Dienstleistung zu lösen ist. Auf diese Weise könne man Leute ausgezeichnet durch immer mehr Kurse und Auditings ziehen, vorausgesetzt, man war von Anfang an richtig geheimnisvoll. Er bringt es sogar auf den Punkt: „Eine der grössten Kontrollfaktoren, die es gibt, sind Geheimnisse. Etwas als Geheimnis zu präsentieren, kann zu einer Versklavung führen.“ (Jacobi 1999, S. 29).

Eine weitere Erklärung der Geheimhaltung liegt möglicherweise auch darin, dass ein Novize für das Science-Fiction-Gedankengut, dass sich erst in den OT-Stufen präsentiert, noch gar nicht bereit wäre. Er wurde noch nicht genug missioniert, diesen Glauben anzunehmen. Und da nur die obersten Eingeweihten über dieses Geheimwissen verfügen, kann noch mehr Macht ausgeübt werden (Baumgartner 1993, S. 102).

Wie im Kapitel 3.1. erläutert, wird in der letzten Phase, der Fixierung, das Verhalten des Scientologen durch Belohnung und Bestrafung verstärkt, was einen Einfluss auf den sozialen Auf- und Abstieg des Scientologen hat. Das Mitglied ist nicht mehr in der Lage zu erkennen, dass seine Einstellungen und sein Verhalten systematisch beeinflusst wurden, sondern es anerkennt die neuen Wertvorstellungen als die eigenen.

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Diskussion

Aus eingehender Auseinandersetzung mit diesem Thema, resultiert als wichtigste Erkenntnis, dass das Zustandekommen solcher vereinnahmenden Bewegungen immer auf zwei Seiten beruht: einerseits auf der Seite der „Sinnsuchenden“, andererseits auf derjenigen der anbietenden Gruppierung. Dies möchte ich am Beispiel der Führerschaft erläutern.

Der Führer einer destruktiven Gruppierung spielt sicherlich eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer Gruppierung mit Konfliktpotential. Es bleibt aber kein Zweifel, dass der charismatische Führer mit all seinen Fähigkeiten und Stärken selbst nicht die Bedingungen schaffen kann, die das Zustandekommen eines destruktiven Kultes letztendlich möglich machen. Ehe ein Führer mit einer Gruppierung in Aktion treten kann, müssen Menschen das Verlangen nach Gefolgschaft und Gehorsam haben (Hoffer 1999, S. 141), was eine gewisse Freiwilligkeit bedingt. Diese Freiwilligkeit stellt die entscheidende Voraussetzung für eine nachfolgende soziale Beeinflussung dar. Der „manipulierte Mensch“ bringt natürlich auch seinen Anteil mit, indem seine unbefriedigten Bedürfnisse und Nöte den Nährboden für eine wirksame Manipulation bereiten. Aus der modernen Psychologie ist bekannt, dass beim Menschen eine Neigung besteht, sich sozialen Machtansprüchen zu unterwerfen. Diese Unterwerfung oder Gehorsamsbereitschaft wird im Nachhinein mit guten Gründen und Überzeugungen (beispielsweise mit einer Verantwortungsverschiebung auf die Autorität) gerechtfertigt. Dass Autoritätsgehorsam keine Seltenheit darstellt, zeigte beispielsweise das bekannte Milgramexperiment [16] der Sozialpsychologie aus den 70er Jahren. Ferner gibt es eine völlig unbeeinflusste, eigenständige Entscheidung praktisch nicht und Beeinflussung wird bis zu einem gewissen Grade gesellschaftlich toleriert (Werbung/Medien) oder ist sogar erwünscht (Sozialisation/Erziehung).

Ein weiterer Punkt, der mich beschäftigt hat, ist die Äusserung nicht weniger Menschen, sie seien vor der manipulativen Wirkung der Methoden solcher Gruppierungen gefeit. Diese Äusserungen können wiederum im Zusammenhang mit dem oben erwähnten Milgramexperiment gesehen werden. Dort fand man ein kulturübergreifendes Ergebnis, dass unbeteiligte Menschen von sich behaupteten, sie wären nicht gehorsam gewesen und hätten sich der Autorität widersetzt. Was liegt solchen Äusserungen zu Grunde? In solchen subjektiven Erklärungsversuchen passieren Fehler bei der Ursachenzuschreibung. Diesen Vorgang nennt man in der Psychologie einen fundamentalen Attributionsfehler. Man versteht darunter die Tendenz zur Unterschätzung situativer und zur Überschätzung persönlicher Faktoren. Das heisst, dass Ursachen primär auf Personen (also auch auf ihre Eigenschaften, wie zum Beispiel: „das ist eine sehr labile Person“) und weniger auf personenexterne Ursachen (also die Situation, wie zum Beispiel die Tatsache der subtilen manipulativen Technik) attribuiert werden.

Bei der Literaturrecherche ist aufgefallen, dass sich das Thema der destruktiven Gruppierungen auf viele weitere Themen ausweiten liesse. So zum Beispiel auf die Problematik totalitärer politischer Systeme. Das eindrücklichste historische Beispiel liefert in dieser Hinsicht zweifellos der Nationalsozialismus. Auch dort existierte mit Hitler ein charismatischer Führer. Ebenso war die Zielgruppe (das Volk) durch Veränderungsbedürfnisse gekennzeichnet. Bei all diesen Parallelen (bezüglich totalitärer Vorgehensweisen) mag es daher wenig überraschen, dass das Hakenkreuz und das Scientologykreuz gemeinsame Ursprünge haben. Es liegt insgesamt also die Vermutung nahe, dass Massenbewegungen -seien sie religiöser, sozialer oder politischer Natur- aufgrund vergleichbarer Voraussetzungen entstehen und durch ähnliche Funktionsweisen aufrechterhalten werden.

Inhalt


Literaturverzeichnis

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Widmer, Peter („o.J.“): Die Wurzeln von Scientology Teil 1 und 2. Gesehen im November 2000 unter: http://www.pewid.ch/SCI/SCIstart.html

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Fussnoten

[1] Die Kulte werden destruktiv genannt, weil es totalitär strukturierte Gruppen sind, die mit verschiedenen Techniken der Persönlichkeitsveränderung ihre Anhänger ausbeuten und abhängig machen. Ausserdem stellen sie eine Gefahr für die Demokratie dar, weil sie einen Monopolanspruch auf die Wahrheit haben und über einen Weltrettungsplan verfügen, der verwirklicht werden soll (Gross 1996, S. 32). Beispiele für solche Kulte sind: Die Kinder Gottes, Mun-Bewegung, Transzendentale Meditation, Hare Krishna, Sri Chinmoy-Bewegung und Scientology.

[2] Weiter gehören dazu die Aktionsanalytische Organisation (AAO), die La-Rouche-Bewegung, der Bund gegen Anpassung, der EST-Konzern und der Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis.

[3] Dies nennt Hubbard eine Zeitspur (Hubbard 1999, S.272-289).

[4] Abberation meint ein Abweichen vom vernünftigen Denken oder Verhalten. Im Wesentlichen bedeutet es, sich zu irren, Fehler zu machen oder fixe Ideen zu haben, die nicht wahr sind (Hubbard 1999, S.585). Es ist gleichsam ein Sammelbegriff für Psychosen, Neurosen und jegliche Art von Zwangsvorstellungen (Hauth 1979, S. 45).

[5] Die Brücke zur völligen Freiheit beschreibt den Weg von der Unwissenheit zu absoluten Erleuchtung.

[6] Clear sein meint, dass das Denken völlig rational und logisch ist, und dass man unter keinen psychosomatischen Krankheiten mehr leidet. Man ist geklärt (aus Jacobi, 1999).

[7] Ein Operating Thetan (OT) ist ein geistiges Wesen, das sich ausserhalb des Körpers befindet und daher in der Lage ist, sich selbst und seine Umwelt perfekt zu kontrollieren und zu handhaben.

[8] Res extensa: die äusserliche materielle, ausgedehnte Welt. Das physische, die Materie, der Leib, körperliche Erscheinungen.

[9] Res cogitans: die geistige Welt drinnen, das denkende Wesen, Geist, Seele, Bewusstsein. Res extensa und res cogitans stellen nach Descartes’ dualistischer Ontologie die Erscheinungsweisen des Seienden dar (dtv-Lexikon 1999).

[10] Dies ist sehr gut in der Auseinandersetzung zu beobachten, die Scientologen mit Psychiatern und Psychologen führen (siehe beispielsweise die Tarnorganisation Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte Kap. 5.1.). Weiterführende Literatur zu diesem Thema findet sich in jeweiligem Werbematerial von Scientology (siehe Literaturverzeichnis).

[11] Ethik: Erstens: Vernunft in Bezug auf optimales Überleben; eine Handlung, die Scientology. Schaden zufügt, ist also in höchstem Masse unethisch. Zweitens: Eigene Abteilung der Scientology (Jacobi 1999, S. 106). Das Ethiksystem hat mit dem allgemeinen Verständnis von Ethik und Moral nichts zu tun. Unter Ethik versteht man bei Scientology ein rigides Normsystem, das Mitglieder auf autoritärer Strukturen festlegt (Langel 1995, S. 52).

[12] Jemanden oder etwas handhaben meint, etwas zur Zufriedenheit beenden. Wenn man eine Person oder eine Situation handhabt, dann vollzieht man eine spezifische Handlung, die bestehende Probleme auflöst (Jacobi 1999, S. 107).

[13] Als PTS stufte Hubbard jene Menschen ein, die mit „Suppressive Persons“ in Kontakt stehen.

[14] Preclear ist jemand, der sich auf dem Weg zum „Clear“ befindet, den Zustand selber aber noch nicht erreicht hat. Allgemein gebräuchlich für jemanden der Auditing hat (Jacobi 1999, S. 109).

[15] Es handelt sich dabei um ein Gerät, dass die „Realität einer Person“ messen soll. Das Gerät besteht aus zwei Konservendosen, die durch ein Kabel verbunden sind. Dadurch sollen geistige und emotionale Zustände gemessen werden können (Jacobi 1999, S. 105).

[16] Detailinformationen liefert das gleichnamige Buch von Stanley Milgram (siehe Literaturverzeichnis).

 


Appendix

 

Brief der Scientology Kirche Zürich vom 11. Juli 2003 an Frau Yvonne Affolter:

 

Sehr geehrte Frau Affolter

aus dem Internet erhielten wir Kenntnis von Ihrer Arbeit vom Mai 2001.

Wir haben sie gelesen, haben aber zahlreiche Inkorrektheiten gefunden, die wir Ihnen hier aufzeigen.

Wir erwarten, dass Sie die Studie entsprechend korrigieren oder unsere Korrekturen am Schluss anhängen, da es ja auch nicht in Ihrem Sinne sein kann, dass falsche Informationen verbreitet werden.

Wir sind gerne bereit Ihnen Dokumente zukommen zu lassen, haben aber leider keine Adresse von Ihnen.

Wir gehen hier nicht auf Wertungen oder Meinung ein, die z.T. ebenfalls logisch falsch sind.

Wir sprechen Ihnen nicht das Recht ab. Scientology kritisch unter die Lupe zu nehmen. Davon können wir auch selber lernen. Aber es geht nicht an, mit falschen Informationen falsche Schlüsse zu ziehen und diese als Studie zu veröffentlichen, es sei denn, es besteht die Absicht zu manipulieren.

Wir erlauben uns auch eine Kopie dieses Schreibens an die Universität zu senden, mit der Bitte, die falschen Informationen zu korrigieren. Wir wären eventuell bereit zu akzeptieren, wenn diese Korrekturen als Anhang an die Studie angehängt werden.

- Monopolanspruch: In Scientology wird nicht „jede andere Lehre diskreditiert“. Tatsächlich sieht man in den Schriften Hubbards, dass er sich oft lobend über andere frühere geistige Strömungen auslässt und von dort auch Ideen eingearbeitet hat.

- Der Körper wird nicht ignoriert, sondern sichergestellt, dass mit korrekter Ernährung, Bewegung usw. dieser gepflegt wird. Hubbard hat an vielen Orten auf die Wichtigkeit hingewiesen, sich um den Körper zu kümmern.

- Scientology pflegt sehr gute Beziehungen mit anderen Gemeinschaften, führt interreligiöse Gottesdienste durch. Andere Gruppen werden geachtet und auch deren Gedankengut akzeptiert.

- Völlig absurd ist der Vergleich mit dem Nationalsozialismus. Dieser Vergleich ist in sich schon rassistisch.

Das Ziel der Scientology ist es, die wahre Persönlichkeit der einzelnen Person zu fördern und sie so zu einem Individuum zu bilden, das für sich entscheiden kann.. genau das Gegenteil was in der Studie suggeriert wird.

Oberste Maxime in Scientology ist: „Nur das ist für Dich wahr, was Du selber beoboachtet hast“.

- Es ist schlicht falsch dass Verhaltensabweichungen und Meinungsdifferenzen mit Ethics-Orders geregelt werden. Die Definition von Ethik in Scientology ist „Vernunft“.

- Das Wort Rasse wird in Scientology in keinster Weise verwendet und eine derartige Ideologie widerspricht dem Gedankengut Hubbards. Fakt ist, dass es wohl keine andere Religionsgemeinschaft gibt, die derart offen mit anderen kooperiert und diese akzeptiert.

- Die Biographie Hubbards lässt sich durch Dokumente nachweisen.

Es gibt zahlreiche Berichte von Nicht-Scientologen, die zeigen, dass Hubbard weder „Grössenwahn“ noch Arroganz gezeigt hat, sondern sehr beliebt war, da er auf die Menschen einging.

- Es gibt ein Urteil aus Frankreich das Hubbard in absentia verurteilt. Er hatte nie eine Anklageschrift erhalten und konnte sich nicht verteidigen. Andere Urteile existieren nicht. Es ist daher unlauter zu behaupten: „in mehreren Ländern..“. Genauso falsch ist die Aussage, dass er „polizeilich gesucht worden sei“.

- Auch die Aussage, dass ein Einreiseverbot in England bestand ist unvollständig. Dies existierte zwar, wurde aber später unter Entschuldigungen wieder aufgehoben. Wieso wird ein derartiger Fakt ausgelassen?

- es ist eine Tatsache, dass Mitarbeiter Statistiken führen...diese orientieren sich aber nicht an der „Verkaufsleistung“. Falsch ist auch der „finanzielle Anreiz“ , denn niemand arbeitet in Scientology, um reich zu werden, was Ihnen jeder Scientologe, aber auch Ex-Scientologe bestätigen kann.

- Kritik von Aussenstehenden führt nicht dazu, dass jemand als SP betrachtet wird. Im Gegenteil, konstruktive Kritik wird gefördert, was man auch in Richtlinien von Hubbard nachlesen kann.

Der Vorwurf der Weltherrschaft ist genauso absurd wie derselbe Vorwurf den die Nazis gegenüber den Juden gemacht haben. Da könnten Sie Parallelen aufzeigen!

- Das angebliche Zitat „mit der Gründung einer Religion Millionen zu machen“, stammt nicht von Hubbard sondern von George Orwell.

Auch das Zitat von „Mach Geld“ ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen und ist an eine interne Person gerichtet, was im Fall einer Insolvenz zu tun ist. 99% der Scientologen kennen dieses Zitat nicht. Hier von „Credo“ zu sprechen ist unlauter.

- Scientology führt keine Firmen. Die Ausführungen über angebliche Milliardenumsätze sind so absurd wie die Behauptung, dass die katholische Kirche Millionen von Firmenbilanzen verschleiert, und dies damit begründet wird, dass die Firmen von gläubigen Katholiken geleitet werden. Oder käme jemand auf die Idee, die katholische Kirche der Unterwanderung zu bezichtigen?

- Scientology „unterhält keine Unter- oder Tarnorganisationen“. In der Auflistung werden auch soziale Gruppen und Firmen etc in bunter Reihe durcheinandergewürfelt. Entweder sind diese Gruppen eigenständige Vereine, Unterabteilungen der Scientology Kirche (z.B. Dianetik) oder schlicht unabhängige Firmen, die nichts mit Scientology zu tun haben.

- Das Reinigungsprogramm hat nichts damit zu tun „Immunität“ gegen Radioaktivität zu erlangen. Dies wird auch nirgends in Scientology behauptet.

- Margaret Singer wird wiederholt als Expertin herangezogen. Tatsache ist jedoch, dass ihr ihre wissenschaftliche Kompetenz auf diesem Gebiet von Kollegen abgesprochen wurde.

- Weder gibt es in Scientology den Schlafentzug noch eine geänderte Ernährung.

- Der Kommunikationskurs beruht nicht auf Dianetikmethoden, hat mit Dianetik gar nichts zu tun.

- 95% der Scientologen sind keine Mitarbeiter (die sich 40 Stunden für Scientology einsetzen). Die passiven Mitglieder sind völlig in der Gesellschaft integriert. Es ist entsprechend falsch zu behaupten, dass man „rund um die Uhr von anderen Gruppenmitgliedern umgeben ist“.

- Der Auditor kümmert sich sehr wohl um den Preclear. Auch die Reaktionen des Preclears werden völlig falsch dargestellt, was jedes Mitglied bestätigen könnte.

- Es gibt keine 35 Stufen bis zum Zustand Clear. Es handelt sich um 9-11 Stufen.

- Absurd wird es dann wenn das Hakenkreuz und das Scientologykreuz denselben Ursprung haben sollen! Unabhängig davon dass das Hakenkreuz ein altes religiöses Symbol ist, müsste auch ein Blinder abtasten können, dass das Kreuz der Scientology keinerlei Aehnlichkeiten mit dem Hakenkreuz hat.

- Für eine wissenschaftliche Studie ist es ebenfalls bemühend zu sehen, dass als Literatur (ausser dem ersten Buch Hubbards) keinerlei Primärliteratur herangezogen wurde. Auch Bücher und Studien, die viele Ausführungen der Bücher, die sie anführen, widerlegen, finden sich nicht.

Eine letzte Frage stellt sich: wenn Sie schon derart intensiv auf das Thema eingehen: wieso haben Sie sich nicht die Mühe gemacht, auch mit Scientology in Kontakt zu treten und Informationen an der Quelle zu beziehen?

Wir bitten um umgehende Stellungnahme, wie diese falschen Informationen korrigiert werden.

Mit freundlichen Grüssen

Jürg Stettler
Scientology Kirche Zürich
Freilagerstrasse 11
8047 Zürich

 

  Last update: 31 Jan 15

 

Editor:

 

Prof. Hans Geser
Soziologisches Institut
der Universität Zürich

hg@socio.ch