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Linke Frauen in der Kommunalpolitik
Dramatische ideologische „Gender gaps“ in den kommunalen Exekutiven
Hans
Geser
Oktober 2009

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Bibliographische Zitierung:
Geser Hans: Linke Frauen in der Kommunalpolitik. In: „Schweizer
Gemeindestudien“. Online Publikationen, Zürich, Oktober 2009.
http://socio.ch/gem/t_hgeser10.htm Zusammenfassung
In Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen damit hat auch die vorliegende Studie über kommunale Exekutivmitglieder zum Ergebnis geführt, dass Frauen signifikant weiter links als Männer politisieren, indem sie einerseits bevorzugt für linksstehende Parteien kandidieren, andererseits aber auch innerhalb der meisten Parteien sich häufiger auf dem linken Ast der Skala verorten und im breiten Spektrum konkreter sachpolitischer Vorlagen eher linke Positionen unterstützen. Die Ubiquität dieser Geschlechterdivergenz (die klassenspezifische Differenzen bei weitem übertrifft) zeigt sich hinreichend darin, dass sie sich auf alle drei Sprachregionen sowie auf ländliche und städtische Gemeinden aller Grössenklassen erstreckt, alle Bildungsniveaus und politischen Herkunftsmilieus einbegreift und sich innerhalb fast aller Parteien manifestiert. Und ihre Stabilität erweist sich daran, dass sich in fast allen Altersgruppen (am schwächsten allerdings bei den jüngeren Kohorten) vorfindet. Eindeutig unterstützt wird sie durch die Expansion der formalen Bildung: weil Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen besonders drastisch nach links rücken und in ein erhöhtes Polarisierungsverhältnis zu den Männern treten, deren politische Positionen eher vom elterlichen Herkunftsmilieu als vom Bildungsweg abzuhängen scheinen.
Inhalt
1.
Einleitung
2. Daten und
Methodologie
3.
Empirische Ergebnisse
4.
Schlussfolgerungen
Literatur
1.
Einleitung
In den letzten Jahren sind zahlreiche
empirische Belege dafür vorgelegt worden, dass sich in der Schweiz
zwischen beiden Geschlechtern eine ideologische Kluft geöffnet hat, die
den traditionellen Spaltungen zwischen sozialer Klassen,
Konfessionsgruppen, Regionen oder Stadt- und Landbewohnern mindestens
nahekommt oder sie sogar übertrifft.
So liefern die Ergebnisse des "World
Values Survey" und des "European Social Survey" 2005) Hinweise darauf,
dass sich in der Schweizer Gesamtbevölkerung in den letzten Jahren bei
beiden Geschlechtern auf der Links-Rechts-Dimension markante
Veränderungen vollzogen haben.
Vor allem im jüngsten Zeitraum (nach
1996) hat sich die ideologische Divergenz der beiden Geschlechter
offensichtlich dramatisch verstärkt (Geser 2006; 2007). Mit Ausnahme der
Niederlande weist heute kein anderes europäisches Land einen ähnlich
hohen Linksanteil bei den Frauen auf – und innerhalb aller 80 Länder des
WVS wird dieser Prozentsatz nur noch von Israel (wo allerdings auch ein
starker Rechtsflügel existiert) leicht übertroffen.
Mit ihrer ausgeprägten ideologischen
Polarisierung der Geschlechter scheint die Schweiz eine weltweite
Sonderstellung einzunehmen, die nur noch in Mazedonien annähernd
erreicht wird und vor allem mit allen unseren Nachbarländern
kontrastiert, wo es in der Regel die Männer sind, die sich häufiger
links von der Mitte plazieren. Besonders deutlich zeigt sich diese
ideologische Kluft neuerlich bei den Segmenten mit höherer (=tertiärer)
Bildung, wo einem markanten Linkstrend der Frauen eine fast ebenso
deutliche Rechtsdrift der Männer gegenübersteht.
Natürlich ist die Frage naheliegend, ob
diesen Divergenzen in der Skaleneinordnung auch gleichläufige
Unterschiede bei den sachpolitischen Einstellungen entsprechen.
Tatsächlich zeigt sich anhand vorläufiger Analysen, dass Frauen häufiger
als Männer dazu tendieren, Massnahmen zum Ausgleich der Einkommen zu
unterstützen, den Trend zur Privatisierung staatlicher Unternehmen zu
stoppen, verstärkte staatliche Kontrollen des individuellen Verhaltens
sowie gleiche Bildungschancen für Frauen und Männer zu befürworten oder
die Bevorzugung von Männern oder Einheimischen bei der Stellenvergabe
abzulehnen. Ebenso zeigen sie eine ausgeprägtere Skepsis gegenüber den
Vorzügen des Wettbewerbs, während andererseits bei Einstellungen zu
Patriotismus und Entwicklungshilfe keine Unterschiede erkennbar sind (Geser
2006; 2007).
Eine vergleichende Analyse der
Alterskohorten ergibt überraschenderweise, dass die die ideologische
Polarisierung der Geschlechter keineswegs durch nachwachsende jung
Wählergruppen verursacht wird, sondern in erster Linie in
Gesinnungswandlungen bestehender (=älterer) Wählerkohorten ihre Ursache
hat (Geser 2007).
Für den engeren Bereich der Stimmbürgerschaft zeigen die Auswertungen
der Nationalratswahlen, dass die linken Parteien (SP und Grüne) ihren
Frauenanteil an der Wählerschaft seit 1979 zunehmend (auf über 50%)
gesteigert haben, während die beiden Parteien rechts der Mitte (FDP und
SVP) nach wie vor ein mehrheitlich männliches Elektorat rekrutieren
(Müller 2000). Es lässt sich nachweisen, dass sich diese politischen
Richtungsunterschiede keineswegs nur auf die Ebene der Parteipräferenzen
beschränken, sondern auch auf die Sphäre sachpolitischer Einstellungen
erstrecken. So hat sich in einer 2004 bei 18-35-jährigen Schweizer
Stimmbürgern durchgeführten Untersuchung bei Männern eine signifikant
deutlichere Rechtsorientierung als bei Frauen gezeigt (Golder et. al.
2004). Ebenso macht die Aufstellung der nationalen
Volksabstimmungsergebnisse zwischen 1993 und 2000 (VOX-Analysen)
hinreichend deutlich, wie sehr die Frauen in einem weiten Spektrum
sozial-, umwelt-, wirtschafts- und familienpolitischer Themen immer
wieder eher etatistische und sozialistische anstatt liberale Positionen
vertreten haben. Zumindest in drei Fällen (Moratorium für
Atomkraftwerke, neues Eherecht und Antirassismusgesetz) ist es ihnen
eindeutig gelungen, gegen eine Mehrheit ablehnender Männer die Annahme
zu erwirken(Longchamp/Bieri 2001).
Drittens gibt es Hinweise dafür, dass auch innerhalb der des besonders
aktiven Segments politischer Kandidaten und Mandatsträger analoge
geschlechtsspezifische Divergenzen bestehen. Aufschlussreich sind hier
zum Beispiel die Ergebnisse der im Rahmen des „Smartvote“ Projekts
durchgeführten Online-Befragungen vom Herbst 2003, in die 1200
Kandidatinnen und Kandidaten für den Kantonsrat der Kantone St. Gallen
und Thurgau einbezogen worden sind. Dabei hat sich gezeigt, dass die
Frauen in allen Parteien deutlich links von ihren männlichen
Parteikollegen politisieren. (Rouiller et al. 2004a; 2004b. Fivaz/Schwarz
2004).
Im Rahmen seiner eigenen Forschung hat
der Autor bereits 1989 in einer landesweiten Studie über Lokalparteien
nachweisen können, dass Frauen bevorzugt linke Parteien aufsuchen, um
sich aktiv politisch zu betätigen Dank diesem Zustrom weiblicher
Mitglieder ist es den Ortssektionen der SP und der Grünen in den 80er
Jahren besser als den bürgerlichen Parteien gelungen, trotz des
verbreiteten Exodus der Männer ihre Mitgliederbestände zu stabilisieren
(vgl. Geser 1991).
Ebenso lässt sich in den Parlamenten beobachten, dass gewählte
Volksvertreterinnen nicht nur sehr häufig linken Parteigruppierungen
angehören, sondern auch innerhalb ihrer jeweiligen Gruppierung eine
relativ linke Politik betreiben. So hat beispielsweise eine Analyse von
120 Namensabstimmungen im Nationalrat gezeigt, dass nur elf von
insgesamt 45 Frauen auf der rechten Hälfte des politischen Spektrums
angesiedelt sind, und dass die Frauen praktisch aller Parteien links von
ihren männlichen Ratskollegen politisieren (Jeitziner und Hohl 2000).
Generell zeigt sich, dass sowohl am
linken wie am rechten Rande des Parteienspektrums zwischen Männern und
Frauen relativ Einklang herrscht, während die Mitte-Parteien von sehr
ausgeprägten Geschlechterpolarisierungen heimgesucht werden, die
wahrscheinlich eine wichtige Ursache für ihre aktuellen Richtungskämpfe
und Profilierungsschwierigkeiten bilden (Fivaz und Schwarz 2004).
Vor allem in der FDP und der CVP ist es ein Alltagsphänomenen geworden,
dass ihre Frauen heute manche politischen Ziele mittragen, die von den
Frauen linken Parteien initiiert worden sind - und damit innerhalb ihrer
Partei mancherlei Spannungen und Verunsicherungen erzeugen. So steht die
FDP momentan unter dem Druck, dem Drängen ihrer gut organisierten
Frauengruppe nach Schulblockzeiten, Tageschulen und einer Ausweitung des
Mutterschutzes Rechnung zu tragen - und sich generell als "Mittepartei"
zu verstehen, das ihrem angestammten rechtsliberalen Profil
widerspricht. Ein analoger Konflikt besteht in der Steuerpolitik, wo die
FDP-Frauen im Gleichschritt mit der SP eine völlig
zivilstandsunabhängige Form der Familienbesteuerung befürworten, von der
sich die Parteimehrheit aufgrund des zu hohen bürokratischen Aufwands
distanziert. 1)
Schliesslich gibt es auch deutliche Hinweise dafür, dass sich diese auf
individuellem Niveau bestehenden Differenzen auch auf die kollektive
politische Meinungsbindung und Entscheidungsfindung auf Parteienebene
übertragen. So hat sich gezeigt, dass lokale Parteisektionen mit hohem
Frauenanteil sowohl auf allgemein-ideologischer Ebene wie auch auf dem
Niveau spezifischer sachpolitischer Fragen linkere Positionen als
männerdominierte Gruppierungen vertreten, und dass dieser rein
statistische Zusammenhang zwischen 1989 und 2002 eine erhebliche
Verstärkung erfuhr (Geser 2005).
Wichtig ist dabei die Beobachtung, dass
sich die sachpolitische Linksaffinität der Frauen sich keineswegs auf
einen engeren Kreis "typisch weiblicher" (z. B. frauenpolitischer oder
ökologischer Themen) beschränkt, sondern sich über die ganze Spannweite
linker Ideologie und Programmatik erstreckt und insbesondere auch
Aspekte der Arbeitnehmer- und Sozialpolitik mitumfasst, die eindeutig
dem Kanon "klassisch-sozialistischer" Interessenpolitik zuzuordnen sind.
Allerdings fällt auf, dass Frauen all diese sachpolitischen Anliegen
teilweise auch unabhängig vom Denken in ideologischen
Links-Rechts-Kategorien zu unterstützen pflegen: ein Hauptgrund dafür,
dass auch bürgerlichen Mitte- und Rechtsparteien eine etwas "linkere"
Sachpolitik betreiben, wenn sie über einen umfangreichen Frauenanteil in
ihrer Anhängerschaft verfügen. Analog dazu sind aber auf
frauendominierte Sektionen der SP in ihrer Sachpolitik
"fundamentalistischer" als die Sektionen, in denen noch mehrheitlich
Männer die Parteilinie bestimm. So haben die Frauen die politische
Parteienpolarisierung einerseits abgeschwächt, indem sie den (von den
Männern forcierten) neueren Rechtsdrall der bürgerlichen Parteien
abgemindert haben, andererseits aber auch verstärkt, insofern sie
innerhalb der Sozialdemokratie eine kompromisslosere Linkspolitik
unterstützen (Geser 2005).
Bisher unbeantwortet ist die Frage, inwiefern dieselbe
Geschlechterpolarisierung auch die Entscheidungsgremien auf exekutiver
Ebene durchdringt. Auf Bundes- und Kantonsebene ist sie natürlich schwer
zu beantworten, da es angesichts der geringen Zahl weiblicher Mitglieder
kaum möglich ist, generelle , vom Geschlecht ausgehende Determinanten
von idiosynkratisch-individuellen Einflüssen und anderen Zufälligkeiten
zu separieren. Die 2700 Gemeinden mit ihren rund 15000 Exekutivräten
bieten hingegen ein ideales Forschungsfeld, um mittels multivariater
Analysen genau dies zu tun.
Allerdings bestehen begründete Zweifel,
ob ideologische Polarisierungen auf Exekutivebene den in den
Parlamenten, Parteien und der Gesamtbevölkerung gefundenen Umfang
erreichen. Denn erstens sind Exekutivmitglieder generell viel stärker
als Parlamentarier dazu verpflichtet, als Vertreter der
Gesamtbevölkerung zu agieren und Entscheidungen treffen, die über
Parteiinteressen hinweg in einem generellen Sinne mehrheitsfähig sind.
Zweitens operieren Exekutiven in der Schweizer Konkordanzdemokratie
durchwegs als kollegiale Mehrparteigremien, deren Mitglieder andauernd
überparteiliche Kompromisse erarbeiten müssen. (Aus diesem Grund können
sie auch kaum gleichzeitig Parteiführer sein, da sie bei zu starker
Parteiidentifikation unerträgliche Rollenkonflikte aushalten müssten).
Und drittens ist auf kommunaler Ebene generell mit einem geringeren Grad
ideologischer Polarisierung zu rechnen, weil kommunale Angelegenheiten
oft gar nicht als „politische“ Fragen empfunden werden, sondern als
Sachprobleme, die nach einer „vernünftigen“ (d. h.
technisch-ökonomischen effizienten oder juristisch „richtigen“) Lösung
verlangen (vgl. Geser 2003). Dementsprechend werden die Mandate vor
allem in Kleingemeinden in hohem (und momentan stark zunehmendem) Masse
von Parteilosen in Anspruch genommen, die nur aufgrund des notorischen
Mangels an Kandidaten Wahlchancen besitzen und mit ihrem Amt kaum
politische Motivationen verbinden (Geser/Meuli 2009).
So kann die vorliegende Analyse als eine
Art „Härtetest“ für die Hypothese geschlechtsspezifischer
Links-Rechts-Polarisierung verstanden werden: Falls sich eine solche
Polarisierung sogar unter den genannten abschwächenden Bedingungen
vorfindet, gäbe es um so mehr Grund, ihr eine unbestreitbare Realität
und Ubiquität zuzusprechen, da es dann wahrscheinlicher ist, dass sie
wirklich alle politischen Bereiche durchdringt.
So steht im Folgenden als erstes die Frage im Vordergrund, in welchem
Masse und unter welchen Bedingungen sich männliche und weibliche
Exekutivmitglieder bezüglich
a) ihrer Bereitschaft, ihre eigene
Position überhaupt in Termini der Links-Rechts-Achse zu verorten;
b) ihrer Selbstverortung auf dieser Skala
c) ihrer Unterstützung für „links“ oder „rechts“ geprägte
sachpolitische Anliegen
voneinander unterscheiden.
Es wird angenommen, dass derartige
Cleavages mit zunehmender Gemeindegrösse schärfer ans Licht treten,
zusätzlich aber auch von manchen Rahmenbedingungen der kommunalen
Organisation (z. B. der Grösse des Exekutivgremiums) mitbeeinflusst
werden.
Zweitens interessiert die Frage, inwiefern eine allfällige Linkstendenz
der Frauen sich nicht nur im politischen System insgesamt, sondern – wie
dies die Studien über Lokalparteien bereits nahegelegt haben - auch
innerhalb der einzelnen Parteien manifestiert.
Drittens soll geprüft werden, inwiefern derartige Linkstendenzen in der
Population der Amtsträger generell verbreitet sind, oder sich auf
bestimmte Segmente (z. B. Alterskohorten oder Bildungsschichten)
begrenzen. Daraus lassen sich dann Schlüsse ziehen, inwiefern solche
Spaltungen momentan im Zu- oder Abnehmen begriffen sind, und ob sie eher
den modernen oder den traditionellen Sektoren der Gesellschaft
zuzurechnen sind.
2.
Daten und Methodologie
Die Daten dieser Untersuchung stammen aus einer im Winter 2008/09 durchgeführten schriftlichen Fragebogenerhebung, in die alle ca. 15000 Mitglieder kommunaler Exekutiven (in allen drei Sprachregionen) einbezogen worden sind. Da sich ein überraschend hoher Anteil aller Befragten (über 50% in den meisten Kantonen) daran mitbeteiligt hat, ist die Stichprobe (mit insgesamt ca. 800 Befragten) ausreichend repräsentativ, um auf die Verhältnisse in der ganzen Schweiz hochrechnen zu können.
Überdies bildet die grosse Stichprobe immense Möglichkeiten für multivariate Analysen: insbesondere in dem Sinne, dass den höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Gemeinden verschiedener Grössenklassen Rechnung getragen werden kann und auch die Verhältnisse innerhalb einzelner Parteien detailliert untersucht werden können. Gewisse Grenzen der Auflösung ergeben sich allerdings daraus, dass gut 6000 männlichen bloss ca. 1800 weibliche Mandatsträger gegenüberstehen, und dass ausgerechnet in der kleinen Südschweiz ein besonders geringer Frauenanteil (von nur ca. 11%) besteht. Tabelle 1 gibt Auskunft über die Struktur der Stichprobe, wenn man sie entlang der Geschlechts-, Partei- und Sprachgrenzen desaggregiert.
Tabelle 1:
Anzahl weibliche und männliche Exekutivmitglieder in der
Gesamtstichprobe: nach Parteirichtung und Sprachregion.
|
Parteirichtung: |
FDP/LPS |
CVP/CSP |
SVP |
SP |
GP/
GLP |
EVP/EDU |
Andere Part. |
Lokale Grupp. |
Partei-lose |
Total |
|
Deutsch |
Frauen |
213 |
170 |
119 |
154 |
11 |
19 |
32 |
60 |
483 |
1261 |
|
Männer |
770 |
530 |
644 |
320 |
22 |
27 |
101 |
182 |
1375 |
3921 |
|
% Frauen |
22.8 |
24.3 |
15.6 |
32.5 |
33.3 |
41.3 |
24.1 |
24.8 |
26.0 |
24.3 |
|
Franz. |
Frauen |
43 |
27 |
3 |
50 |
3 |
0 |
11 |
12 |
259 |
408 |
|
Männer |
224 |
150 |
29 |
116 |
16 |
1 |
42 |
65 |
801 |
1444 |
|
% Frauen |
16.1 |
15.3 |
9.4 |
30.1 |
15.8 |
0 |
20.8 |
15.6 |
24.4 |
22.0 |
|
Ital. |
Frauen |
24 |
10 |
1 |
8 |
1 |
- |
5 |
5 |
8 |
62 |
|
Männer |
169 |
110 |
4 |
65 |
6 |
- |
27 |
36 |
69 |
486 |
|
% Frauen |
12.4 |
8.3 |
20.0 |
11.0 |
14.3 |
- |
15.6 |
12.2 |
10.4 |
11.3 |
Die abhängigen Variablen der Untersuchung bestehen aus den Antworten auf Fragen, die sich auf die ideologische Einstellung sowie verschiedene sachpolitische Meinungen der Informanten beziehen. Zur Bestimmung der ideologischen Einstellung wurden die Befragten gebeten, ihre Position auf einer von 0 bis 10 reichenden Links-Rechts-Skala zu verorten. Zur Erhebung ihrer sachpolitischen Einstellungen wurden sie aufgefordert, zu zehn lokalpolitischen Fragekomplexen („Issues“), die im Links-Rechts-Diskurs eine klare Prägung besitzen, Stellung zu beziehen. Aus Tabellen 2 und 3 geht hervor, wie viele Frauen und Männer in welcher Weise geantwortet haben.
Tabelle 2: Häufigkeitsverteilung der weiblichen und männlichen Exekutivmitglieder auf der Links-Rechtsachse.
|
|
Links-Rechts-Skala |
|
|
|
0 |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
Total |
|
Frauen |
8 |
40 |
156 |
251 |
261 |
342 |
213 |
221 |
115 |
37 |
5 |
1649 |
|
Männer |
15 |
80 |
266 |
494 |
621 |
885 |
1016 |
1164 |
883 |
236 |
69 |
5729 |
Tabelle 3:
Häufigkeitsverteilung der weiblichen und männlichen Exekutivmitglieder
in ihren Meinungen zu zehn kommunalpolitischen Anliegen.
|
|
|
Stimme nicht zu |
Stimme eher nicht zu |
Stimme eher zu |
Stimme voll zu |
N = |
|
Mehr Unterstützung für Soziales |
Frauen
Männer |
97
726 |
534
2644 |
756
1906 |
293
485 |
1680 |
|
5761 |
|
Mehr familienexterne Kinderbetreuung |
Frauen
Männer |
97
620 |
324
1909 |
657
2277 |
629
988 |
1707 |
|
5794 |
|
Mehr Unterstützung für Kulturelles |
Frauen
Männer |
42
258 |
364
1791 |
958
3009 |
324
739 |
1688 |
|
5797 |
|
Stärkeres Engagement für die Umwelt |
Frauen
Männer |
21
177 |
191
1024 |
822
3028 |
647
1566 |
1691 |
|
5795 |
|
Förderung des öffentlichen Verkehrs |
Frauen
Männer |
21
82 |
121
487 |
638
2884 |
938
2416 |
1718 |
|
5869 |
|
Verkehrsberuhigung in
Wohngebieten |
Frauen
Männer |
186
960 |
373
1521 |
613
1988 |
531
1349 |
1703 |
|
5818 |
|
Kommunales Stimmrecht für Ausländer |
Frauen
Männer |
467
2343 |
477
1547 |
439
1269 |
290
610 |
1663 |
|
5789 |
|
Ansiedlung reicher Steuerzahler |
Frauen
Männer |
82
184 |
338
1013 |
739
2659 |
487
1902 |
1646 |
|
5758 |
|
Niedriger Gemeindesteuerfuss |
Frauen
Männer |
106
407 |
407
1050 |
790
2837 |
418
1742 |
1721 |
|
5885 |
|
Unternehmerische Freiheit für
komm. Betriebe |
Frauen
Männer |
82
244 |
459
1415 |
784
2849 |
267
1139 |
1592 |
|
5847 |
In beiden Tabellen zeigt sich, dass die Antworten in methodologisch sehr befriedigender Weise über das ganze verfügbare Spektrum streuen. Erstaunlich ist die vor allem die beachtliche Zahl der Informanten, die sich extrem linke oder extrem rechts auf der Skala verorten, obwohl sie in ihrer kollegialen Gremientätigkeit wohl kaum Chancen haben, derartige Positionen zur Geltung zu bringen. Auch ohne Prozentuierungen wird bereits die –im folgenden genauer inspizierte – Regularität sichtbar, dass sich Frauen von Männern sowohl auf ideologischer wie sachpolitischer Ebene durch eine stärkere Linksneigung unterscheiden
Die Validität der sachpolitischen Variablen wird darin sichtbar, dass sie alle bei beiden Geschlechtern höchst signifikant mit der Selbsteinstufung auf der LR-Skala korrelieren (Tab. 4). Der kumulierte Gesamtindex (in den die sieben linken Positionen positiv und die drei rechten Issues negativ eingehen) ergibt eine Korrelation von .60, d. h. einen erklärten Varianzanteil von immerhin 36%.
Tabelle 4:
Korrelationen zwischen der Einstufung auf der Links-Rechts-Skala und der
Zustimmung zu zehn politischen Anliegen: nach Geschlecht.
|
|
Frauen |
N =
|
Männer |
N =
|
|
Mehr Unterstützung für
Soziales |
-.43** |
1564 |
-.45** |
5510 |
|
Mehr familienexterne
Kinderbetreuung |
-.35** |
1589 |
-.35** |
5534 |
|
Mehr Unterstützung für
Kulturelles |
-.29** |
1572 |
-.25** |
5543 |
|
Stärkeres Engagement für die
Umwelt |
-.35** |
1583 |
-.33** |
5533 |
|
Förderung des öffentlichen
Verkehrs |
-.30** |
1596 |
-.26** |
5601 |
|
Verkehrsberuhigung in
Wohngebieten |
-.31** |
1584 |
-.28** |
5554 |
|
Kommunales Stimmrecht für
Ausländer |
-.48** |
1555 |
-.43** |
5511 |
|
Ansiedlung reicher
Steuerzahler |
.18** |
1538 |
.20** |
5504 |
|
Niedriger Gemeindesteuerfuss |
.37** |
1600 |
.32** |
5611 |
|
Unternehmerische Freiheit für
komm. Betriebe |
.19** |
1497 |
.22** |
5399 |
|
Summativer Index aller zehn
Issues |
-.61** |
1361 |
-.59** |
5066 |
3.
Empirische Ergebnisse 3.1.
Die Relevanz der Links-Rechts-Dimension
Die vorliegende Fragestellung geht von der
selbstverständlichen Prämisse aus, dass die Links-Rechts-Achse für
kommunale Exekutivpolitiker eine relevante semantische Dimension
darstellt, die sie benutzen, um z. B. politische Parteien, Behörden,
Programme, Personen – und nicht zuletzt auch sich selbst zu
lokalisieren.
Auch wenn diese „Salienz“ natürlich einer eigenen operationalen Messung
bedürfte, so lässt sie sich approximativ schätzen durch den
Prozentanteil der Informanten, die bereit sind, auf Verlangen hin eine
derartige Einstufung überhaupt zu vollziehen.
Im vorliegenden Fall
betragen diese Prozentwerte 92.1% bei den Frauen und 94.8% bei den
Männern – und liegen damit auf einem Niveau, das für politisch aktive
Bevölkerungssegmente westlicher Länder generell typisch ist (Geser
2008). Typischerweise finden sich die höchsten Werte in kleinen
Landgemeinden, wo kommunale Entscheidungsfragen durchwegs als
„unpolitisch“ gelten (vgl. Geser 2003), während bereits oberhlb von 2000
Einw. mindestens 95% der Befragten eine Vertrautheit mit der LR-Skala
bekunden (Tab. 5).
Tabelle 5: Prozentsatz weiblicher und männlicher Exekutivmitglieder, die
eine Selbsteinstufung auf der Links-Rechts-Skala verweigert haben: nach
Gemeindegrösse.
|
|
Einwohnerzahl der
Gemeinden |
|
|
|
|
bis
500 |
501-
1000 |
1001-2000 |
2001-5000 |
5001-10000 |
10001-20000 |
über 20000 |
Total |
N = |
|
Frauen
|
13.5 |
7.9 |
10.2 |
5.0 |
3.3 |
4.1 |
3.2 |
8.0 |
1793 |
|
Männer |
9.2 |
5.9 |
4.0 |
3.6 |
3.0 |
3.9 |
0 |
5.2 |
6044 |
Darin widerspiegelt sich
die in einer anderen Studie (Geser 2009) erhärtete Tatsache, das in der
heutigen Schweiz nur die Politik der Grosstädte, sondern auch der
Mittelgemeinden von einer ideologischer Polarisierung erfasst worden
ist, wie man sie früher höchstens auf überlokaler Ebene vorfinden
konnte. In Übereinstimmung mit den meisten empirischen Untersuchungen
zeigt sich auch, dass Frauen etwas häufiger als Männer die
Selbsteinstufung verweigern. Möglicherweise hängt dies damit zusammen,
dass sie infolge geringerer politischer Erfahrung häufiger nicht über
die erforderlichen kognitiven Voraussetzungen dazu verfügen, oder dass
sie sich ihre politischen Ansichten eher aus
einerkonkret-lebensweltlichen als einer abstrakt-ideologischen
Perspektive beziehen (vgl. z. B. Hoecker 1987; Meyer 1997; Merkel/Müller-Vogg
2004: 123).
Die Wirkung zeitgeschichtlicher gesellschaftlicher Ideologieströmungen
wird sichtbar, wenn man die Verweigerungsraten verschiedener
Alterskohorten miteinander vergleicht (Tab. 6). Mit etwas spekulativer
Phantasie lässt sich darin erkennen, dass die älteste Kohorte immer noch
die bekannten Merkmale der Vorkriegsgeneration zum Ausdruck bringt, die
(im Sinne von Schelskys „nivellierter Mittelstandsgesellschaft“) durch
relativ geringe Politisierung und eine starke, durch traditionelle
Rollenmuster (und das fehlende Frauenstimmrecht) stabilisierte
Differenzierung der Geschlechter gekennzeichnet war. Darauf folgte dann
die hoch politisierte „68er Generation“, die im Zuge einer ubiquitären
Ausbreitung des Links-Rechts-Denkens auch zu einer Einebnung der
Geschlechtsunterschiede geführt hat. Bei der jüngsten Kohorte scheinen
diese von den „Neuen Sozialen Bewegungen“ (und ihren
rechtspopulistischen Reaktionsbewegungen) ausstrahlenden Kräfte an
Bedeutung zu verlieren: mit der Wirkung, dass die Vertrautheit mit dem
LR-Schema etwas abnimmt und sich trotz politischer Gleichstellung erneut
ein - mit der ältesten Generation vergleichbarer - „Gender Gap“ öffnet.
Tabelle 6: Prozentsatz weiblicher und männlicher Exekutivmitglieder, die
eine Selbsteinstufung auf der Links-Rechts-Skala verweigert haben: nach
Geburtsjahrgängen.
|
|
Geburtsjahrgänge |
|
|
|
|
bis
1945 |
1946-1950 |
1951-1955 |
1956-1960 |
1961-1965 |
1966-1970 |
1971-1975 |
1976-
|
Total |
N = |
|
Frauen |
13.5 |
5.9 |
6.6 |
6.3 |
9.1 |
10.9 |
5.9 |
12.5 |
8.0 |
1748 |
|
Männer |
6.7 |
4.4 |
4.5 |
4.7 |
4.8 |
6.2 |
5.3 |
7.5 |
5.2 |
6023 |
3.2. Zum generellen Ausmass
ideologischer „Gender gaps“ in den drei Sprachregionen
Ein einfachster erster Vergleich
arithmetischer Mittelwerte ergibt, dass die Frauen aller drei
Landesteile eine sehr ähnliche Durchschnittsposition knapp links vom
mathematischen Skalenmittelpunkt (5.0) besetzen, während sich die Männer
dezidiert rechts davon verorten (Tab. 7).
Tabelle 7: Durchschnittliche Werte von Frauen und Männern auf der
Selbsteinstufung in der Links-Rechtsskala (0-10): nach Sprachregion.
|
Sprachregion: |
Deutsch |
Französisch |
Italienisch |
Total |
N =
|
|
Frauen
|
4.86 |
4.80 |
4.75 |
4.84 |
1752 |
|
Männer |
5.86 |
5.76 |
5.27 |
5.78 |
6034 |
|
Differenz
(T-Test) |
-1.00** |
-.96** |
-.52 |
-.94** |
|
* p < .05 ** p < .01
Die Häufigkeitsverteilungen bestätigen die Vermutung, dass –im deutschen
und französischen Landesteil – nur bei den Frauen eine einigermassen
symmetrische Normalverteilung um den arithmetischen Mittelwert (und
gleichzeitig Modalwert) besteht, während bei den Männern ein überaus
rechtsschiefes Verteilungsmuster (mit Maximalwerten bei 7) dominiert
(Figuren 1 und 2). Im italienischen Sprachraum besteht genau umgekehrt
bei den Männern eine Normalverteilung, die mit einer etwas linksschiefen
Distribution bei den Frauen (mit Modalwert 3) kontrastiert (Figur 3).



In Tabelle 8 wird sichtbar, dass sich hinter den Diskrepanzen in der
ideologischen Skaleneinstufung umfassende Meinungsdifferenzen auf der
Ebene konkreter Sachpolitik verbergen. So sind die Frauen in allen drei
Landesteilen bereit, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen
ausnahmslos allen sieben linken Anliegen mehr Unterstützung zu leihen
und alle drei rechten Anliegen weniger Zustimmung zu geben: auch wenn
die Differenzen vor allem in der italienischen Schweiz teilweise sehr
geringfügig (und statistisch zufällig) sind. Auch wenn die Forderung
nach Ausdehnung der familienexternen Kinderbetreuung erwartungsgemäss
besonders grossen Anklang findet, ist doch evident, dass zum Bündel
linker Orientierungen auch sozial-, kultur-, finanz-, verkehrs-, umwelt-
und ausländerpolitische Anliegen gehören. Am wenigsten sind
(interessanterweise vor allem in der deutschen Schweiz) struktur- und
ordnungspolitische Fragen betroffen, die sich auf Strategien des
ökonomischen Wachstums (Ansiedlung wohlhabender Steuerzahler) und die
Deregulierung öffentlicher Dienstleistungen (unternehmerische Freiheit
für kommunale Betriebe) beziehen.
Tabelle 8: Differenzen zwischen Frauen und Männern im Zustimmungsgrad
zu zehn verschiedenen kommunalpolitischen Zielen: nach Sprachregionen
(Lesebeispiel: Der Wert -15
bedeutet: Frauen haben auf einer von -100 bis +100 reichenden Skala um
15 Punkte weniger zugestimmt.
|
|
Deutsch |
Französisch |
Italienisch |
Total |
N = |
|
Mehr Unterstützung für Soziales |
33 |
27 |
12 |
28 |
7441 |
|
Mehr familienexterne Kinderbetreuung |
36 |
24 |
14 |
31 |
7501 |
|
Mehr Unterstützung für Kulturelles |
20 |
12 |
1 |
15 |
7485 |
|
Stärkeres Engagement für die Umwelt |
16 |
13 |
6 |
14 |
7486 |
|
Förderung des öffentlichen Verkehrs |
10 |
6 |
8 |
8 |
7587 |
|
Verkehrsberuhigung in
Wohngebieten |
20 |
12 |
18 |
17 |
7521 |
|
Kommunales Stimmrecht für Ausländer |
14 |
22 |
21 |
20 |
7432 |
|
Ansiedlung reicher
Steuerzahler
|
-6 |
-12 |
-3 |
-8 |
7404 |
|
Niedriger Gemeinde-
steuerfuss |
-11 |
-10 |
-23 |
-11 |
7606 |
|
Unternehmerische Freiheit für komm. Betriebe |
-5 |
-11 |
-11 |
-7 |
7239 |
|
Summenindex aller 10 Variablen (-1000 bis +1000) |
174 |
144 |
118 |
160 |
6895 |
Am Beispiel der Kinderbetreuung wird
plausibel, dass Frauen auch rein aufgrund ihrer lebensweltlichen
Problemsituationen zu „linken“ Ansichten gelangen können, ohne dass sie
damit abstraktere ideologische Vorstellungen verbinden. Im selben Sinne
könnten ihren familienorientierten Schutz- und Sicherheitsbedürfnisse
dafür massgebend sein, dass sie jenseits ideologischer Polarisierungen
für einen Ausbau der Sozialpolitik oder für die Verkehrsberuhigung und
Wohngebieten votieren. Gerade auf kommunaler Ebene sind viele Probleme
derart von konkreten sinnlichen Erfahrungen geprägt, dass vielleicht
kaum mehr ein Spielraum für abstrakte, ideologisch gesteuerte
Meinungsbildung mehr besteht.
Tatsächlich zeigt sich, dass Geschlechtsunterschiede auf der Ebene
sachpolitischer Einstellungen nur teilweise verschwinden, wenn man die
Skalenposition auf der Links-Rechts-Achse kontrolliert (Figur 4).

Aus den multivariaten Regressionsanalysen de
Tabelle 9 kann man für jedes der zehn Issues die Höhe des genuin dem
Geschlecht zuschreibbaren Erklärungsbetrags ersehen.
Nur im Falle der externen Kinderbetreuung
hat die dem weiblichen Geschlecht zurechenbare Steigerung der Zustimmung
einen Umfang, der ungefähr demjenigen von zwei Punkten auf der LR-Skala
entspricht. In der Sozial- und Kulturpolitik (ebenso wie im summativen
Index) enspricht die Wirkung ungefähr derjenigen eines Skalenpunktes,
während er bei den übrigen sieben Issues niedriger liegt (und bei keinem
der drei „rechten“ Anliegen die statistische Signifikanzschwelle
erreicht).
Tabelle 9: Erklärungskraft der Links-Rechts-Position und des
Geschlechts für die Zustimmung bzw. Ablehnung zu linken politischen
Anliegen (Multivariate Regressionsanalysen, b-Koeffizienten und
korrigiertes R-Quadrat).
|
|
Konstante |
Pos. auf LR-Achse |
Geschlecht
(m =0; f=1) |
Korr.R2 |
N =
|
|
Summenindex aller 10 Anliegen
(-1000 - +1000) |
695.21*** |
-98.57*** |
71.82*** |
.375 |
6426 |
|
Mehr Unterstützung für
Soziales* |
102.358*** |
-14.18*** |
15.59*** |
.225 |
7071 |
|
Mehr familienexterne
Kinderbetreuung* |
119.91*** |
-11.66*** |
21.49*** |
.155 |
7122 |
|
Mehr Unterstützung für
Kulturelles* |
80.686*** |
-7.65*** |
8.89*** |
.080 |
7112 |
|
Stärkeres Engagement für die
Umwelt * |
104.85*** |
-9.13*** |
5.39*** |
.120 |
7113 |
|
Förderung des öffentlichen
Verkehrs * |
102.05*** |
-6.15*** |
3.20* |
.077 |
7196 |
|
Verkehrsberuhigung in
Wohngebieten* |
86.89*** |
-10.54*** |
7.66*** |
.090 |
7137 |
|
Kommunales Stimmrecht für
Ausländer* |
73.28*** |
-16.26*** |
5.96** |
.202 |
7065 |
|
Ansiedlung reicher
Steuerzahler* |
6.16 |
5.80*** |
-2.34 |
.041 |
7041 |
|
Niedriger Gemeindesteuerfuss * |
-22.189*** |
10.01*** |
-2.48 |
.116 |
7210 |
|
Untern. Freiheit für komm.
Betriebe* |
-9.20** |
6.37*** |
.43 |
.046 |
6895 |
* Skala von -100 (volle Ablehnung) bis +100
(volle Zustimmung)
3.3. Die Gemeindegrösse als determinierende
und intervenierende Variable
Aus zahllosen Abstimmungs- und
Wahlergebnissen geht hervor, dass die Links-Rechts-Polarisierung
partiell mit der Stadt-Land – Spaltung unserer Gesellschaft koinzidiert.
In den letzten Jahren hat dies vor allem im Vordringen linksgrüner
Stadtregierungen (in Zürich, Genf, Basel Bern u. a.) Ausdruck gefunden,
sowie im Anwachsen einer SVP, die ihre Anhängerschaft nach wie vor aus
eher kleineren Gemeinden rekrutiert.
Die Vergleichsergebnisse in Tab 10 zeigen,
dass die Frauen bereits oberhalb von 10000 Einwohnern, die Männer erst
in grösseren Städten eine scharfe Linkswendung vollziehen: mit der
Folge, dass in Kommunen zwischen 10000 und 20000 Ew. die weitaus grösste
geschlechtsspezifische Differenz besteht. In nichtstädtischen Gemeinden
lassen sich kaum grössenbedingte Unterschiede erkennen: abgesehen von
den Frauen kleinster Gemeinden (unter 500 Ew.) die eine unerwartet
deutliche Linksdrift aufweisen, die eine entsprechend deutlich mit den
viel konservativeren männlichen Kollegen kontrastiert.
Tabelle 10: Durchschnittliche Selbsteinstufungen der Frauen und
Männer auf der Links-Rechts-Achse: nach Gemeindegrösse.
|
|
Einwohnerzahl der Gemeinden |
|
|
|
|
bis 500 |
501-1000 |
1001-2000 |
2001-5000 |
5001-10000 |
10001-20000 |
20001+ |
Total |
N = |
|
Frauen |
4.65 |
5.14 |
4.92 |
4.95 |
4.73 |
4.21 |
4.03 |
4.84 |
1649 |
|
Männer |
5.73 |
5.80 |
5.80 |
5.87 |
5.78 |
5.65 |
4.88 |
5.78 |
5729 |
|
Differenz |
-1.08 |
-.66 |
-.88 |
-.92 |
-1.05 |
-1.44 |
-.85 |
-.94 |
|
|
Davon erklärbar durch interparteiliche Differenzen |
46% |
15.6% |
10.2% |
47.8% |
34.2% |
54.8% |
97.6% |
43.5% |
|
Es kann nicht überraschen, dass sich die
ideologische Kluft der Geschlechter mit zunehmender Gemeindegrösse von
einer interparteilichen Divergenz immer mehr in eine zwischenparteiliche
Polarisierung verwandelt. Dies hängt damit zusammen, dass Frauen und
Männer dank der wachsenden Vielfalt des Parteienangebots immer mehr
Chancen haben, eine ihrer Gesinnung gemässe politische Gruppierung zu
finden. Allerdings fallen auch hier die kleinsten Gemeinden aus dem
Rahmen, bei denen sich wider Erwarten fast die Hälfte des „Gender Gaps“
auf interparteilicher Ebene manifestiert (Tab. 10).
Strikt parallel zu den ideologischen erreichen auch die sachpolitischen
Meinungsdifferenzen zwischen Männer und Frauen in kleineren Städten ihr
Maximum, weil die Linksdrift der Frauen diejenige der Männer (die
durchaus auch beachtlich ist) bei weitem übertrifft (Tab 11). Auch hier
stösst man auf das Phänomen, dass die Frauen in den kleinsten Gemeinden
eine unerwartet deutliche Sympathie für linke Anliegen zeigen, die sich
– wie weitere Analysen zeigen – sowohl im deutschen wie im französischen
Sprachraum ziemlich gleichmässig auf alle zehn Sachthemen (in der
Südschweiz hingegen nur auf Steuer- und Umweltfragen) erstreckt.
So muss der ideologische „Gender Gap“ wohl als eine ubiquitäre Cleavage
betrachtet werden, die nicht nur alle kulturellen Regionen, sondern auch
alle Gemeindegrössenklassen durchdringt.
Tabelle 11: Durchschnittlicher Zustimmungsgrad der Frauen und Männer
zu zehn linken politischen Anliegen*: nach Gemeindegrösse
|
|
Einwohnerzahl der Gemeinden |
|
|
|
|
bis 500 |
501-1000 |
1001-2000 |
2001-5000 |
5001-10000 |
10001-20000 |
20001+ |
Total |
N = |
|
Frauen |
167 |
113 |
99 |
109 |
177 |
317 |
315 |
141 |
1439 |
|
Männer |
-23 |
-39 |
-32 |
-28 |
16 |
60 |
143 |
-18 |
5277 |
|
Differenz |
200 |
152 |
131 |
137 |
161 |
257 |
172 |
159 |
|
* Summenindex aller 10 Anliegen (Skala von
-1000 - +1000)
Als intervenierende Variable bestimmt die Gemeindegrösse das Ausmass, in
dem Frauen linke sachpolitische Anliegen auch unabhängig von ihrer
ideologischen Position auf der LR-Skala unterstützen. Am meisten ist
dies in den Kleinstgemeinden der Fall, wo allein die allein dem
weiblichen Geschlecht zurechenbare Steigerung des Unterstützungsgrades
(114 Punkte) ungefähr der Wirkung von 1.5 Punkten auf der LR-Skala
entspricht. Am geringsten sind die Wirkungen oberhalb von 5000
Einwohnern, wo die Wirkung der Links-Rechts-Selbstverortung völlig
dominiert (Tab. 12). Dies stimm völlig mit den Ergebnissen einer
früheren, auf der Basis lokaler Parteisektionen beruhenden empirischen
Studie überein, die gezeigt hat, dass der Ideologisierungsgrad der
kommunalen Sachpolitik mit wachsender Gemeindegrösse dramatisch steigt
(vgl. Geser 2009).
Tabelle 12: Erklärungskraft der Links-Rechts-Position und des
Geschlechts für die Zustimmung/Ablehnung zu zehn linken politischen
Anliegen*: nach Gemeindegrösse (Multivariate Regressionsanalysen,
b-Koeffizienten und korrigiertes R-Quadrat).
|
Gemeindegrösse |
Konstante |
Pos. auf LR-Achse |
Geschlecht
(m =0; f=1) |
Korr.R2 |
N =
|
|
-500 |
646.44*** |
-76.28*** |
114.61*** |
.306 |
1188 |
|
501-1000 |
622.00*** |
-76.23*** |
108.53*** |
.273 |
1148 |
|
1001-2000 |
581.63*** |
-87.12*** |
55.68** |
.299 |
1356 |
|
2001-5000 |
710.68*** |
-110.49*** |
45.93** |
.426 |
1598 |
|
5001-10000 |
789.85*** |
-126.15*** |
23.07 |
.504 |
669 |
|
10001-20000
|
930.53*** |
-138.14*** |
47.29 |
.583 |
361 |
|
über 20000
|
1008.28*** |
-160.15*** |
34.32 |
.688 |
100 |
* Summenindex aller 10 Anliegen (Skala von
-1000 - +1000)
3.4. „Gender Gaps“ innerhalb der Parteien
Es ist evident, dass sich ein Teil der
politischen Geschlechterdivergenzen als Kluft zwischen den Parteien
manifestiert: indem die Frauen bevorzugt für Parteien linker Provenienz
kandidieren (bzw. dort aufgrund expliziter Förderungsprogramme höhere
Nominierungschancen als in bürgerlichen Gruppierungen erhalten). So
korreliert das Verhältnis der beiden Geschlechter sehr eng mit der
durchschnittlichen Platzierung der politischen Partei auf der LR-Skala
(wie sie von den Informanten in Form einer Bewertung ihrer eigenen
lokalen Parteisektion vorgenommen wurde) (Tab. 13).
Der Erklärungsanteil dieses
interparteilichen Faktors ist aber dadurch eingeschränkt, dass sich
Frauen für Exekutivämter weniger häufig als beispielsweise für
Parlamentsmandate zur Verfügung stellen: so dass der weibliche Anteil
sogar bei den Sozialdemokraten und den Grünen kaum die 30%-Marke
überschreitet (vgl. Tab. 1). Sein Ausmass kann ermittelt werden, indem
man den LR-Skalenwert berechnet, der sich ergeben würde, wenn alle
Frauen und Männer genau den Skalenplatz ihrer Gruppierung einnehmen (d.
sich innerparteilich nicht voneinander unterscheiden) würden. Gemäss
diese Kalkulation würden die Kennwerte durchschnittlich 5.30 (Frauen)
und 5.68 Männer) betragen. Vergleicht man die resultierende Differenz
(.38) mit der gesamten Skalendifferenz zwischen beiden Geschlechter
(.94), so ergibt sich, dass nur 40% davon ihr durch zwischenparteiliche
Differenzen erklärt werden kann, während 60% durch innerparteilichen
Divergenzen zustande kommen müssen.
Tabelle 13: Häufigkeitsverteilung der weiblichen und männlichen
Exekutivmitglieder auf verschiedene politische Parteien (Prozentwerte)
|
|
Parteizugehörigkeit |
|
|
|
|
GP |
SP |
EVP |
CVP |
FDP/
LPS |
SVP/
BDP |
Total |
N = |
|
LR-Mittelwert*
der Partei |
2.4 |
2.7 |
4.6 |
5.5 |
6.5 |
7.3 |
|
|
|
Frauen |
1.7 |
23.5 |
2.1 |
24.2 |
29.6 |
15.0 |
100% |
837 |
|
Männer |
1.1 |
15.1 |
.9 |
25.2 |
32.1 |
21.5 |
100% |
3125 |
|
Verhältnis F/M |
1.54 |
1.56 |
2.33 |
1.04 |
1.08 |
0.70 |
|
|
*Einordnung der eigenen politischen
Gruppierung durch die Exekutivmitglieder
Tatsächlich zeigt sich dass die Frauen innerhalb praktisch aller
politischen Gruppierungen –wie auch als Parteilose - eine tendenziell
linkere Position einnehmen (Tab. 14). Am wenigsten gilt dies
bezeichnenderweise für die an den beiden Extrempolen angesiedelten
Parteien (SP und SVP), wo stark verbindliche parteieigene Ideologien und
Programme eine starke Homogenität innerhalb der Mitgliederschaft
erzeugen; sehr viel stärker hingegen für die FDP sowie die beiden
Christlichen Parteien (CVP und EVP), in denen keine über generelle
Werthaltungen hinausreichende Konsensverpflichtungen bestehen. Diese
Mitteparteien sind es, die dem politischen Geschlechterdissens fast so
ungefiltert wie das unorganisierte Kollektiv der Parteilosen ausgesetzt
sind und infolgedessen interne Dauerkontroversen austragen müssen, die
sich sowohl auf die Binnenkohäsion einerseits wie auch auf die äussere
Handlungsfähigkeit negativ auswirken können.
Tabelle 14: Durchschnittliche Werte von Frauen und Männern auf der
Selbsteinstufung in der Links-Rechtsskala (0-10): nach Parteirichtung
|
|
FDP/
LPS |
CVP/
CSP |
SVP |
SP |
GP/
GLP |
EVP/
EDU |
Andere
Part. |
Lokale
Grupp. |
Partei-lose |
Total |
N = |
|
Frauen |
5.8 |
4.9 |
6.7 |
2.8 |
2.4 |
4.2 |
4.8 |
4.3 |
4.8 |
4.8 |
1649 |
|
Männer |
6.5 |
5.8 |
7.2 |
3.0 |
3.3 |
5.1 |
5.3 |
5.2 |
5.7 |
5.8 |
5729 |
|
Differenz |
-.7** |
-.9** |
-.5** |
-.2 |
-.9 |
-.9* |
-.5* |
-.9** |
-.9** |
-1.0** |
|
* p < .05 ** p < .01
Am stärksten tragen die Frauen in der FDP zur Linkserweiterung des
ideologischen Spektrums bei, indem ca. 25% von ihnen (im Vergleich zu
nur 109% der Männer) die Positionen 1-3 besetzen. Damit konstituieren
sie einen starken Mitte-Links-Flügel und zerstören den dominanten
Mehrheitskonsens der Männer, von denen sich fast 70% (Frauen: nur 54%)
auf den Positionen 6-8 konzentrieren (Figur 5).

Demgegenüber pflegen sich in der CVP beide Geschlechter erheblich
stärker in den politischen Mittepositionen zu versammeln: ganz besonders
die Frauen, von denen sich ein Viertel genau in der Skalenmittel
verortet und die im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen kaum
Positionen oberhalb von 6 innehaben (Figur 6).

Als reine Männerpartei wäre die SVP die weitaus homogenste politische
Gruppierung, da sich über 60% auf nur zwei Skalenwerten (7 und 8)
konzentrieren. Nur dank ihrer Frauen erhält sie einen ausgeprägten
Flügel der politischen Mitte – allerdings keinen linken Flügel wie die
FDP (Figur 7).

Stärker als die Mitgliederschaft der SVP scheint diejenige der
Sozialdemokratischen Partei einem ideologischen Homogenisierungsdruck zu
unterliegen, der zur Folge hat, dass sich bei beiden Geschlechtern über
60% auf den moderat linken Positionen 2 und 3 verorten (Figur 8).
Allerdings fällt auch hier auf, dass Frauen bevorzugt linkere
Skalenwerte besetzen. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien sind es
hier die Männer, die den generellen Parteikonsens stören, indem sie
einen (im Umfang beachtliche 17% umfassenden) politischen Mitteflügel
bilden.

Analoges gilt für die Grünen, die als reine Frauenpartei äusserst
homogen wären, da sich nicht weniger 80% der weiblichen Mitglieder auf
den Positionen 2 und 3 verorten. Auch hier sind es die Männer, die
diesen Konsens– durch Einnahme zentristischer politischer Positionen
stören (Figur 9. Diese Diskrepanzen wären sicher grösser, wenn sich
nicht die Grünliberale Partei abgespalten hätte, die bekanntermassen vor
allem bei Männern Unterstützung findet. (Bezeichnenderweise gehören
sämtliche neun Exekutivvertreter der GLP zum männlichen Geschlecht).

Tabelle 15: Differenzen zwischen Frauen und Männern im
Zustimmungsgrad zu zehn verschiedenen kommunalpolitischen Zielen: nach
Parteirichtung
(Lesebeispiel: Der Wert -15
bedeutet: Frauen haben auf einer von -100 bis +100 reichenden Skala um
15 Punkte weniger zugestimmt).
|
|
FDP/
LPS |
CVP/
CSP |
SVP |
SP |
GP |
EVP/
EDU |
Andere
Part. |
Nichtpar.
Gruppen |
Partei-lose |
|
Mehr Unterstützung
für Soziales |
25** |
25** |
23** |
9* |
11 |
52* |
19 |
18* |
29** |
|
Mehr familienexterne Kinderbetreuung |
31** |
31** |
23** |
16** |
15 |
40* |
17 |
35** |
29** |
|
Mehr Unterstützung
für Kulturelles |
17** |
13** |
2 |
5 |
29* |
16 |
11 |
10 |
16** |
|
Stärkeres Engagement
für die Umwelt |
10** |
11** |
11 |
5 |
11 |
32* |
9 |
14* |
14** |
|
Förderung des öffent-
lichen Verkehrs |
5 |
6 |
5 |
3 |
9 |
26* |
4 |
12* |
8** |
|
Verkehrsberuhigung
in Wohngebieten |
10* |
10 |
2 |
6 |
4 |
6 |
14 |
18* |
19** |
|
Kommunales Stimmrecht
für Ausländer |
10* |
12* |
4 |
10* |
32* |
24 |
8 |
15 |
22** |
|
Ansiedlung reicher Steuerzahler |
-5 |
-7 |
-6 |
-1 |
-5 |
-10 |
-3 |
-4 |
-6* |
|
Niedriger Gemeinde-steuerfuss |
-5 |
-6 |
1 |
-16** |
-3 |
-11 |
0 |
-21** |
-8** |
|
Unternehmerische Freiheit für kommunale Betriebe |
-8* |
-11* |
1 |
-2 |
0 |
-1 |
-3 |
-6 |
-4 |
|
Summenindex aller 10 Anliegen |
119** |
128** |
57* |
74** |
162 |
111* |
58 |
99* |
155** |
Aus Tabelle 15 wird ersichtlich, dass sich
die ideologische Geschlechterkluft in einem breiten Spektrum
sachpolitischer Meinungsdifferenzen widerspiegelt. Es ist naheliegend,
dass Frauen quer über alle Parteien hinweg stärker für den Ausbau der
familienexternen Kinderbetreuung (sowie andere sozialpolitische
Anliegen) votieren. Bemerkenswerter ist, dass sie vielerorts auch
umweltpolitische Forderungen vorbehaltloser unterstützen, für eine
Expansion öffentlicher Kulturausgaben eintreten und der Einführung des
Ausländerstimmrechts (auf kommunaler Ebene) weniger ablehnend
gegenüberstehen. Am erstaunlichsten ist, dass innerhalb der Grünen
Partei aufgrund der umfangreichen Differenzen in der Kultur- und
Ausländerpolitik eine insgesamt grössere sachpolitische
Geschlechterkluft als in allen andern Parteien besteht.
3.5. Die Bedeutung des Bildungsniveaus
Wie die Ergebnisse des jüngsten World Values
Survey (2006) zeigen, hat die ideologischer Kluft zwischen Männern und
Frauen in den letzten Jahren vor allem bei den höheren Bildungssegmenten
dramatische Ausmasse angenommen, weil Frauen mit Hochschulbildung
sehrstark nach links grrückt sind (während die Männer aller
Bildungsstufen ähnliche Positionen rechts der Mitte präferieren; Geser
2007). Genau dieselben Verhältnisse lassen sich im viel engeren
Personenkreis der exekutiven Mandatsträger(innen) finden, wo der Dissens
der Geschlechter mit zunehmendem Bildungsniveau ebenfalls sehr stark
zunimmt: allerdings mit der bedeutsamen Ausnahme, dass auf untersten
Bildungsniveaus dank einer besonders prononcierten Rechtstendenz der
Männer eine etwas stärkere Kluft als bei einfacher Berufsbildung besteht
(Tab. 16; 17).
Tabelle 16: Durchschnittliche Werte weiblicher und männlicher
Exekutivmitglieder auf der Selbsteinstufung in der Links-Rechtsskala
(0-10): nach Bildungsniveau
|
|
Keine berufliche Bildung |
Einfache Berufsbildung |
Höhere Berufsbildung |
Hochschule |
N =
|
|
Frauen |
5.24 |
5.10 |
5.02 |
4.11 |
1553 |
|
Männer |
6.15 |
5.87 |
6.02 |
5.43 |
5560 |
|
Differenz (T-Test) |
-.89** |
-.77** |
-1.00** |
-1.32** |
|
* p < .05 ** p < .01
Tabelle 17: Durchschnittlicher Zustimmungsgrad weiblicher und
männlicher Exekutivmitglieder zu zehn linken Anliegen: nach
Bildungsniveau
|
|
Keine
berufliche Bildung |
Einfache Berufsbildung |
Höhere Berufsbildung |
Hochschule |
N =
|
|
Frauen |
97 |
82 |
120 |
269 |
1360 |
|
Männer |
-64 |
-41 |
-63 |
49 |
5125 |
|
Differenz (T-Test) |
161** |
123** |
183** |
220** |
|
* p < .05 ** p < .01
Aus Tabelle 18 geht hervor, dass die mit höherer Bildung verknüpften
sachpolitischen Divergenzen zwar im Bereich der Kinderbetreuung und
Ausländerpolitik besonders ausgeprägte Form annehmen, sich in
abgeschwächter Weise aber auch auf die Anliegen der Sozial-, Kultur-,
Umwelt- und Finanzpolitik erstrecken. Am wenigsten wird wiederum das
ordnungspolitische Anliegen (unternehmerische Freiheit für öffentliche
Betriebe) berührt, wo die Differenz auf der Ebene akademisch gebildeter
Mandatsträger nur knapp die Signifikanzgrenze überschreitet.
Tabelle 18: Differenzen zwischen Frauen und Männern im
Zustimmungsgrad zu zehn verschiedenen kommunalpolitischen Zielen: nach
Bildungsniveau
(Lesebeispiel: Der Wert -15
bedeutet: Frauen haben auf einer von -100 bis +100 reichenden Skala um
15 Punkte weniger zugestimmt.)
|
|
Keine
berufliche Bildung |
Einfache Berufsbildung |
Höhere
Berufsbildung |
Hochschule |
N = |
|
Mehr Unterstützung
für Soziales |
26** |
23** |
30** |
30** |
7071 |
|
Mehr familienexterne Kinderbetreuung |
12 |
26** |
42** |
40** |
7122 |
|
Mehr Unterstützung
für Kulturelles |
4 |
11** |
19** |
19** |
7112 |
|
Stärkeres Engagement
für die Umwelt |
8 |
16*** |
14** |
17** |
7113 |
|
Förderung des öffent-
lichen Verkehrs |
13* |
7** |
9** |
10** |
7196 |
|
Verkehrsberuhigung
In Wohngebieten |
18* |
18** |
17** |
20** |
7137 |
|
Kommunales Stimmrecht
für Ausländer |
22** |
11** |
25** |
35** |
7065 |
|
Ansiedlung reicher Steuerzahler
|
-13* |
-4 |
-9** |
-13** |
7041 |
|
Niedriger Gemeinde-steuerfuss |
-9 |
-6* |
-14** |
-21** |
7210 |
|
Unternehmerische Freiheit für komm.
Betriebe |
-12 |
-5 |
-3 |
-8* |
6895 |
3.6. Die Relevanz des Herkunftsmilieus
Die Hypothese liegt nahe, dass die
ideologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zumindest
partiell in Divergenzen ihrer Sozialisation ihre Ursache haben. Rein
theoretisch wäre die ausgeprägte Rechtstendenz der Frauen dadurch
erklärbar, dass sie häufiger in einem bürgerlich-konservativ gesinnten
Familienkontext aufgewachsen sind – oder dass sie stärker als Frauen
dazu neigen, dort erworbene Einstellungen zu internalisieren und in
späteren Lebensphasen zu bewahren. Analog dazu wäre denkbar, dass
politisierende Frauen – die im Vergleich zu den zahlreicheren Männern
nach wie vor ein viel selektiveres Segment der weiblichen Bevölkerung
darstellen – häufiger aus einem links geprägten Elternmilieu – wie es
aufgrund der 68-er Bewegung vor allem seit den 70er-Jahren häufiger
geworden ist – stammen.
Des weiteren stellt sich die Frage, wie die
im Elternhaus erfahrene Frühsozialisation mit den Effekten der späteren
formalen Bildung interagiert. So wäre es zum Beispiel plausibel, dass
die mit höherer Bildung einhergehende Linkstendenz vor allem jene
erfasst, die im Elternhaus keine konservativ-bürgerliche Vorprägung
erfahren haben – wobei dann offen bleibt, ob sich Männer oder Frauen
unterschiedlich stark von ihrem Herkunftsmilieu emanzipieren.
Tatsächlich zeigt sich, dass weibliche
Exekutivmitglieder etwas häufiger aus einem linken Milieu stammen (Tab.
19). Darin mag sich die bekannte Tatsache widerspiegeln, dass Mädchen in
bürgerlichen Milieus häufiger auf traditionelle Frauenrollen hin
orientiert werden, die – gerade in der Schweiz, die bis 1971 kein
Frauenstimmrecht kannte – keine Perspektive aktiver politischer
Betätigung in sich schloss. Obwohl der Unterschied dank der grossen
Stichprobe statistisch signifikant ist, ist er absolut betrachtet aber
viel zu gering, um den gesamten ideologischen „Gender Gap“ erklären zu
können.
Tabelle 19: Häufigkeitsverteilung der weiblichen und männlichen
Exekutivmitglieder nach ihrem politischen Herkunftsmilieu.
|
|
bürgerlich-konservativ |
links |
unpolitisch |
Total |
N = |
|
Frauen |
35.7 |
8.4 |
55.9 |
100% |
1624 |
|
Männer |
39.7 |
6.1 |
54.2 |
100* |
6087 |
|
Chi-2 = 17.456 (Sign. .000) (N = 7711) |
Viel entscheidender ist die Tatsache, dass
die ungeachtet ihrer politischen Familiensozialisation eine viel linkere
ideologische Prägung als Männer aufrechterhalten: eine Differenz, die
sich überdies mit höherem Bildungsniveau deutlich verstärkt. (Tab. 20).
Im Kontrast dazu scheint die Sozialisation in einem linken Milieu
relativ unabhängig vom Geschlecht eine sehr ausgeprägte spätere
Linksorientierung zu erzeugen, die sich ebenfalls nur bei den Frauen
durch die formale Bildung noch etwas verstärkt. Hier zeigt sich wiederum
das im Vergleich zu den eher diffus-wertbezogenen bürgerlichen
Gesinnungen relativ starke Homogenisierungspotential linker Ideologien,
wie sie auch in der reduzierten LR-Streuung in der Sozialdemokratie und
der Grünen Partei (vgl. Figuren 8 und 9 ) ihren Ausdruck findet.
Evident ist, dass linksorientierte Männer
ihre politische Orientierung stärker einem gleichgesinnten Elternhaus
verdanken als die Frauen, wo andere (u-. B. formal-bildungsmässige)
Einflüsse dominieren. Demgegenüber ist die mit einem bürgerlichen Milieu
einhergehende relative Rechtsverschiebung bei beiden Geschlechtern
ungefähr gleich.
Tabelle 20: Position auf der Links-Rechts-Skala bei weiblichen und
männlichen Exekutivmitgliedern: nach politischer Tradition im Elternhaus
und Bildungsniveau.
|
|
Frauen |
|
Männer |
|
|
|
bürgerlich-konservativ |
links |
unpoli-
tisch |
N = |
bürgerlich-konservativ |
links |
unpolitisch |
N = |
|
Keine Berufsbildung |
6.3 |
3.2 |
5.0** |
90 |
6.6 |
3.2 |
6.1 |
244 |
|
Einfache Berufsbildung |
5.5** |
3.3 |
5.2** |
641 |
6.6 |
3.9 |
5.7 |
1522 |
|
Höhere Berufsbildung |
5.6** |
3.2 |
4.8** |
432 |
6.6 |
3.6 |
5.9 |
1907 |
|
Hochschule |
4.8** |
2.8 |
4.0** |
371 |
6.0 |
3.1 |
5.4 |
1828 |
|
Gesamtsample |
5.4** |
3.2 |
4.8** |
1629 |
6.3 |
3.5 |
5.6 |
5501 |
* p < .05 ** p < .01 (Unterschied zwischen
Männern und Frauen)
Auch wenn die politischen Elterneinflüsse durch die vorliegende Variable
nur sehr oberflächlich erfasst werden, deuten diese Ergebnisse doch
darauf hin, dass basale politische Links-Rechts- Orientierungen auch
heute noch in überraschend starkem Ausmass intergenerationell übertragen
werden. Wer in eine „bürgerlich“ gesinnte Familie hineingeboren wurde,
wird später mit weniger als 20% Wahrscheinlichkeit eine politische
Position links der Skalenmitte einnehmen, und wer in einem „linken“
Milieu gross geworden ist, gar nur mit einer Chance von 12% einen Wert
auf der rechten Skalenhälfte besetzen.
Ohne den Einfluss einer bürgerlich geprägten
Familiensozialisation würde der durchschnittliche Skalenwert aller
Exekutivmitglieder immerhin um fast 0.4 Punkte (von 5.57 auf 5.20)
absinken, während er beim Fehlen linker Elternmilieus allerdings nur um
0.16 Punkte (von 5.57 auf 5.73) ansteigen würde.
Tabelle 21: Zustimmungsgrad zu 10 linken Anliegen bei weiblichen und
männlichen Exekutivmitgliedern: nach politischer Tradition im Elternhaus
und Bildungsniveau
|
|
Frauen |
|
Männer |
|
|
|
bürgerlich-konservativ |
links |
unpoli-
tisch |
N = |
bürgerlich-konservativ |
links |
unpoli
tisch |
N = |
|
Keine Berufsbildung |
-81 |
400 |
141** |
77 |
-118 |
405 |
-66 |
226 |
|
Einfache Berufsbildung |
27** |
339 |
74** |
563 |
-120 |
257 |
-28 |
1401 |
|
Höhere Berufsbildung |
19** |
287 |
171** |
376 |
-131 |
257 |
-48 |
1753 |
|
Hochschule |
205** |
534** |
254** |
329 |
-21 |
349 |
75 |
1692 |
|
Gesamtsample |
71** |
384** |
148** |
1345 |
-84 |
297 |
.7 |
5072 |
* p < .05 ** p < .01 (Unterschied zwischen
Männern und Frauen)
Auf der Ebene konkreter sachpolitischer Positionen zeigt sich noch
deutlicher als bei der Links-Rechts-Skala, dass ein progressives
Elternmilieu den späteren Zustimmungsgrad für praktisch alle links
geprägten politischen Anliegen (in der Finanz-, Familien- Sozial-,
Kultur-Umwelt-, Verkehrs- und Ausländerpolitik) dramatisch erhöht,
während eine bürgerliche Herkunft diese Zustimmung moderat vermindert.
–Wiederum erweist es sich, dass Frauen ungeachtet ihrer Sozialisation
erheblich linkere sachpolitische Positionen vertreten und sehr viel
stärker als die Männer einem von der formalen Bildung ausgehenden
Linkseinfluss unterliegen (Tab. 21). Die weitaus geringste
Geschlechterkluft besteht so bei Sprösslingen aus linken Milieus, die
den niedrigeren Bildungsstufen angehören.
So ergibt sich die Schlussfolgerung, dass sich der intergenerationelle
politische Sozialisationseinfluss keineswegs bloss nur auf abstrakte
ideologische Labels, sondern auch auf eine grosse Vielfalt konkreter
sachpolitischer Positionen bezieht. Sie steht offensichtlich im
Widerspruch zur häufig vertretenen These, dass sich intergenerationelle
Transmissionen politischer Gesinnung und Identität auflösen und einer
selbstbestimmten – volatil situationsbedingten – politischen
Orientierung Platz machen würde (vgl. z. B. Franklin 1992; Buchner 2007:
15; Neu 2008); Niedermayer 2008; Schön 2002).
Dieser starke
Einfluss der Eltern ist umso bemerkenswerter, als Familien ja meist
nicht mehr in ein umfassenderes Gesinnungsmilieu (wie z. B. eine
sozialdemokratische Arbeiterschaft) eingebettet sind, sondern die
Sozialisation mit eigenen Bordmitteln bewerkstelligen müssen.
Falsifiziert ist auch die häufige Hypothese, Frauen würden (bzw.
könnten) sich weniger als Männer von den Einflüssen ihrer
Familienherkunft emanzipieren. Ganz im Gegenteil sind Frauen überwiegend
von dem an die Familiensozialisation anschliessenden Einfluss der
formalen Bildung geprägt, während Männer vor allem ihre
Linksorientierungen weitgehend aus ihrem Elternhaus beziehen.
3.7. Intergenerationeller Wandel im Spiegel
der Alterskohorten
Ein Vergleich verschiedener Altersgruppen
kann im vorliegenden Falle von drei theoretischen Vorstellungen geleitet
sein.
Erstens bestimmt das aktuelle Lebensalter
den Zeitraum der seit den ursprünglichen politischen Prägungen in
Elternhaus und Schule vergangen sind. So wäre beispielsweise zu
erwarten, dass die determinative Kraft der Familiensozialisation mit
zunehmendem Alter abnimmt, weil spätere Faktoren der
Erwachsenenbiographie an Bedeutung gewinnen.
Zweitens befinden sich verschiedene
Altersgruppen momentan in unterschiedlichen Lebenszyk-lusphasen, die
ihre politische Interessenlage bestimmen. Beispielsweise dürften sich
jüngere Frauen stärker als jene jenseits der Menopause für staatliche
Kindertagesstätten oder für die Verkehrsberuhigung in Wohnquartieren
interessieren – während ältere Männer vielleicht eher am Steuerfuss
ihrer Gemeinde Anteil nehmen. Ebenso wäre denkbar, dass die mit
jugendlicher Ungebundenheit verknüpften idealistischen
Linkseinstellungen konservativeren Vorstellungen Platz machen, wenn
materielle Interessen des Familienunterhalts ins Zentrum rücken.
Drittens gehören verschiedene Altersgruppen unterschiedlichen
historischen Geburtskohorten an, die in verschiedenen gesellschaftlichen
Entwicklungsphasen gross geworden sind und durch Eltern beeinflusst
wurden, die ihrerseits eine unterschiedliche soziokulturelle Prägung
erfahren haben.
Unter dem Eindruck all der Studien, die seit Jahrzehnten die frühe
Prägung und lebenslange Stabilität politischer Einstellungen bezeugt
haben (vgl. z. B.Jennings & Niemi 1968;81; West-holm/Niemi 1992) ,
erscheint es angebracht, der dritten Leithypothese den Vorrang zu geben.
Im einzelnen gehört dazu beispielsweise die Annahme, dass
-
die ältesten Kohorten (Geburtsjahr vor
1950) durch eine eher unpolitische und in ihren Grund-orientierungen
konservative Vorkriegsgeneration („nivellierte Mittelschicht“ im
Sinne Schelskys) aufgezogen worden sind
-
die späteren Jahrgänge durch die linke
68-er Revolte sowie die anschliessenden „Neuen Sozi-albewegungen“
der 70er-Jahre geprägt worden sind, in denen linksprogressive
Einstellungen (mit zunehmend postmaterialistischen Inhalten)
vermittelt worden sind.
-
jüngere Kohorten einem (vor allem die
Frauen betreffenden) Linkstrend unterliegen, er in der wachsenden
Ausbreitung höherer Bildung seine Ursache hat;
-
in der jüngsten Kohorte gewisse
neokonservative Trends in Erscheinung treten könnten, wie sie in der
Schweiz z. B. im Aufstieg der SVP ihren Ausdruck gefunden haben.
In Übereinstimmung mit solchen Überlegungen
zeigt sich, dass linkere Einstellungen vorwiegend bei den Gruppen
mittleren Alters (Geburtsjahr 1951-1965) dominieren. Da die Frauen solch
historischen Schwankungen etwas stärker als die Männer unterliegen,
nehmen die ideologischen Geschlechtsunterschiede in diesen Kohorten
maximale Werte an: im Gegensatz zur jüngsten Altersgruppe, wo keine
statistisch signifikanten Differenzen mehr erkennbar sind (Tab 22).
Tabelle 22: Durchschnittliche Selbsteinstufungswerte weiblicher und
männlicher Exekutivmitglieder auf der Links-Rechtsskala (0-10): nach
Geburtsjahrgang
|
|
Geburtsjahrgänge |
|
|
|
|
bis
1945 |
1946-1950 |
1951-1955 |
1956-1960 |
1961-1965 |
1966-1970 |
1971-1975 |
1976- |
Total |
N = |
|
Frauen |
5.0 |
4.9 |
4.6 |
4.8 |
4.7 |
5.0 |
5.4 |
5.7 |
4.84 |
1748 |
|
Männer |
5.8 |
5.8 |
5.7 |
5.6 |
5.8 |
6.1 |
6.0 |
6.2 |
5.78 |
6023 |
|
Differenz |
-.8** |
-.9** |
-1.1** |
-.8** |
-1.1** |
-1.1** |
-.6** |
-.5 |
.94 |
|
* p < .05 ** p < .01
Analoge Kurvilinearitäten zeigen sich auch auf der Ebene der
sachpolitischen Einstellungen, wo bei den zwischen 1961 und 1970
geborenen die grössten geschlechtsspezifischen Divergenzen bestehen. Im
Unterschied zur LR-Skala wird die Entwicklung hier allerdings bei beiden
Geschlechtern von einem linearen historischen Trend abnehmender
Zustimmungsbereitschaft überlagert: mit der bemerkenswerten Konsequenz,
dass das Einstellungsmuster jüngster Frauen heute ungefähr demjenigen
der ältesten Männer entspricht (Tab. 23). Diese Rechtsverschiebungen
sind darauf zurückzuführen, dass bei den jüngeren Exekutivmitgliedern
beider Geschlechter das Interesse an staatlicher Kultur-, Umwelt_ und
Verkehrspolitik abgenommen und die Zurückhaltung gegenüber dem
Ausländerstimmrecht zugenommen) hat.
Tabelle 23: Zustimmungsgrad weiblicher und männlicher
Exekutivmitglieder zu zehn linken Anliegen (-1000 - +1000): nach
Geburtsjahrgang.
|
|
Geburtsjahrgänge |
|
|
|
|
bis
1945 |
1946-1950 |
1951-1955 |
1956-1960 |
1961-1965 |
1966-1970 |
1971-1975 |
1976- |
Total |
N = |
|
Frauen |
159 |
172 |
173 |
127 |
150 |
123 |
71 |
35 |
141 |
1439 |
|
Männer |
44 |
| |